Kommentar geschrieben am 13.12.2010
Ja und die hat leider auf sich warten lassen...sorry. Vielleicht schaust du ja dennoch ab und an mal wieder rein und liest es...^^
Du hast natürlich recht. Sieh die Amazon-Pressemeldung doch eher als Einstieg, nicht als Grundlage.
Ja, wir scheinen uns tatsächlich weitläufig einig zu sein. Allerdings nicht in der Schlussfolgerung, die wir ziehen. Denn du sagst: das eBook ist keine Alternative, ich sage: es ist jetzt schon auf dem Vormarsch und könnte durchaus eine Alternative werden - was vermutlich nicht allzu wild wäre.
Allerdings finde ich, kommt es darauf an, wo man selber seinen Blickwinkel ansetzt. Denn egal wie viel Individualisierung es gibt, egal wie viele Nischen bedient werden können - die Masse gibt es immer, eine Mehrheit gibt es immer. Und aus Zahlen lassen sich auch immer Trends ableiten. Mc Luhan sagt dazu übrigens: ein fester Standpunkt sei quatsch und gehöre ins Zeitalter des Buchdrucks. Mit der Elektronik seien viele Standpunkte möglich und auch nötig, denn nichts könne aus einem festen Standpunkt heraus vollständig erschlossen werden. Er hat dann recht faszinierende Buchprojekte zusammen mit einem Künstler zu seinen Werken veröffentlicht.
Nun, die Selektivität wird durch neue Medien erweitert, völlig klar. Aber es ist doch definitv eine Weiterentwicklung. Schon allein deshalb, weil es irgendwann eine NEUentwicklung war und eine solche immer auf etwas altem basiert, das alte also erweitert wurde. Weiterentwicklung impliziert ja nicht unbedingt eine höhere Qualität der Unterhaltung/Information. Mc Luhan kann das Buchzeitalter übrigens gar nicht ab. Das Buch ist für ihn alles andere als eine Verbesserung, aber der notwendige Schritt, um die nächste Entwicklungsstufe, die elektronische Kultur. Über letzteres lässt sich definitc streiten. M. ist ja nicht umsonst einer der umstrittensten Medientheoretiker überhaupt.
Finde aber durchaus, dass das eBook Vorteile, Chancen und Potenzial bietet. Eine weitere aktuelle Tendenz ist eine Bewegung hin zur Ökologie. Vielleicht ist Zeitung in Print zu lesen bald ein ähnlich verpöhnter Luxus, wie mit einem Oldtimer durch die Gegend zu schippern - dieser Papierverbrauch...
Vielleicht hat M. recht und wir bewegen uns hin zur Stammeskultur. Vielleicht hat Ulrich Beck recht und der Ort verliert in Bezug auf Zeit seine Bedeutung. Koppelt man beide Einschätzungen, wird ein neues Nomadentum geboren, was ja in der häufig geforderten Berufsflexibilität ein Echo findet. Bereits heute haben wir Büros auf Zeit. Für drei Stunden die Woche kann ich mir einen Schreibtisch mit Internet mieten - und überlasse ihn den Rest der Zeit jemand anderem. Sowas kann auch mit Wohnungen funktionieren. Im hochklassig bezahlten Bereich ist das ja faktisch schon der Fall, nur das es eben immer noch den furchtbar altmodischen Begriff Hotel trägt. Hochklassige Designwohnungen unterscheiden sich nur marginal von Hotels. Im mittelklassigen Bereich müsste man mal die Anzahl der Ikea-Möbel in Wohnungen zählen und daraus eine Wahrscheinlichkeit der Überschneidung feststellen: ich vermute, der ist recht hoch. Wenn man Immobilieninserate durchsucht, wird dieser Eindruck gefördert.
Bei maximaler Mobilität spielt Besitz eine untergeordnete Rolle. Dann hat man vielleicht in jedem seiner 100 Teilzeitwohnungen eine Bibliothek stehen (aus Imagegründen), aber keines der Bücher besitzt man wirklich. Man blättert darin, mag den Geruch - aber lesen tut man dann doch lieber auf seinem eBook, denn das ist multimedial verknüpft und ich erhalte jede nur erdenkliche Information zu meiner klassischen Moby Dick-Ausgabe auf Wunsch und Knopfdruck dazu.
Ich meine damit: eBook steht einfach für eine neue Technik-Generation. Mobilität, Konnektivität, Myspace und Facebook Individualismus, Ökologisches Bewusstsein, Design statt Masse, ... die in ihrer letzten Konsequenz auf Besitz in weiten Teilen verzichten kann. Völlig klar, kommt das eBook in vielerlei Hinsicht heutzutage noch nicht mit dem gedruckten Buch mit, dass es aber nicht zu vernachlässigen ist, kann fast jeden Tag neu festgestellt werden.
Und die Vorteile liegen m.E. auf der Hand: Mobilität, Design und Style, Gewicht im Vergleich zum Inhalt, Verfügbarkeit der Inhalte (auch in einen Buchladen zu gehen ist toll - aber Amazon ist mehr als nur eine Alternative)... völlig klar, dass es es noch jede Menge Nachteile gibt, aber warum sollten die nicht ausgemerzt werden? Nichts spricht dagegen. Und mit jedem Nachteil, der verschwindet, wird eine weitere Nutzergruppe vom eBook überzeugt. Übrig bleiben am Ende nur Konservative, Liebhaber, Traditionalisten, Sammler und Dergleichen. Wie lange das dauert ist natürlich eine völlig andere Frage und mit NOCH gewagteren Prognosen, etwa den Auswirkungen einer Klimakatastrophe, der Erdölknappheit, der Unproduzierbarkeit von Plastik und dergleichen kann man freilich dazwischen schießen. Aber darum geht es ja nicht. Es geht um halbwegs glaubwürdige Prognosen aus aktuellen Daten heraus. Und da spricht meiner Meinung nach viel für das eBook.
Auch wenn ich zu einer der letzten Gruppen gehören werde, die sich begeistern lassen.