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denkmal


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  • Kommentar geschrieben am 10.1.2011

    Der Geist ist aus der Flasche

    Hallo Lukas,

    ich finde, man sollte fair bleiben.

    Auf "den" Kommunismus kann man gut einprügeln. Vermittelt es doch das wohle Gefühl, man selbst wäre gut.

    Gut? Gut ist nur einer. Und die anderen?

    Nehmen wir das Christentum. Vorweg: Ich bin gerne Christ. Und trotzdem: War da nicht mal was mit Kreuzzügen und so?
    Wie lange hat es gedauert, bis im Christentum Juden als gleichberechtigte Gläubige anerkannt wurden - und nicht verfolgt werden? Und an wie vielen Stellen im Christentum wird immer noch mehr oder weniger offen drüber hergezogen? (vgl. die Erfahrungen von David Berger im erzkonservativen röm.-kath. Bereich)

    Warum haben so viele Protestantische Christen "Heil Hitler" geschriehen - und warum hat es so lange gedauert, bis es nennenswert weniger wurden?
    Warum gab es so viele Mitläufer, auch unter den Christen?

    Warum...

    Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen.

    Wir sind nicht gut. Du nicht, ich nicht. Die Linke selbstverständlich auch nicht.
    Alle leben aus Gottes Gnade, auch nicht einer ohne diese Gnade.

    Und alle haben Leichen, manche auch Leichenberge im Keller.
    Es tut weh, dies anzuerkennen. Vor allem, wenn es um den eigenen Keller geht. Wie gesagt: Kreuzzüge, Intoleranz gegenüber anderen Religionen, Hexenverfolgungen, Gewalt gegen Heimkinder, sexueller Missbrauch...
    Die christliche Kirche kann nur aus Gottes Gnade leben, angesichts so vieler Leichen...

    Und dann dieses böse "K"-Wort. Kommunismus... Die sind aber noch schlimmer... Sind sie noch schlimmer? Und die "Kapitalisten"? Wir? Wir fühlen uns gut, während nebenan die Umwelt den Bach runter geht.

    Böse? "Sind nur die anderen..."
    "Bah, wie kann man nur das 'K-Wort' in den Mund nehmen..."
    "Da zeigt sich endlich der wahre Charakter..."

    Der wahre Charakter zeigt sich auch da, wie ehrlich man mit sich selbst umgeht. Und ob man bereit ist, auch mit dem (politischen) Gegner auf Augenhöhe zu sprechen.
    Weil Gott sich herabgelassen hat, mit uns auf Augenhöhe zu sprechen.
    Nicht von oben herab.
    Obwohl er keine Leichen im Keller hatte.
    (Hm, manche Atheisten denken da anders drüber. Sintflut, Sodom und Gomorrah war auch nicht ohne. Und die Ägypter waren über das Massensterben der Erstgeburt auch nicht gerade amused.)

    Naja. Ob es was nützt?

    Solange man zu den guten Reichen gehört (global betrachtet), muss man sich halt nicht bücken. Treten geht leichter...

    Oder doch aufeinander zu gehen? Verstehen versuchen? Nicht gleich parteipolitisch Kapital schlagen?

    Solidarisch - unter von Gott geliebten Sündern?

    Schöne Untopie...

    denk mal
  • Kommentar geschrieben am 31.12.2010

    Ein folgenschwerer Sex-Betrug

    Hm, der Ursprungsartikel...

    Eigentlich ging es doch Frau Mead gar nicht darum, die Liebe "frei" zu machen. Ihre These war viel mehr, wenn ich das jetzt in der Kürze richtig verstanden habe: männliches und weibliches Verhalten ist nicht einfach durch die Natur bestimmt, sondern wesentlich durch die Kultur.
    Das dürfte heute niemand mehr bestreiten.
    Ob deswegen freier Partnertausch das Ideale ist oder nicht, wird damit in keiner Weise beantwortet.

    Für den Artikel wichtig scheinen mir die Ergebnisse der letzten Jugendstudien in Deutschland, denen zufolge Treue für Jugendliche ein ganz wichtiger Wert ist. Ihre Vorstellungen von einer Partnerschaft sind allerdings dermaßen idealisiert, dass die Partnerschaften daran oft nur scheitern können. Was zum Wechsel des Partners führt. Und leider oftmals zu erneutem Scheitern.

    Ich halte das für bedenkenswert, gerade auch, wenn christliche Ideale aufgestellt werden, die auch zum Scheitern der Beziehung führen können.

    Wichtig scheint mir (neben anderem), dass Partner unabhängig von einander bleiben, dass sie eigene Personen bleiben, dass sie nicht völlig in der Partnerschaft aufgehen. Nur wer unabhängig bleibt, kann sich ganz auf den Partner, auf die Partnerin einlassen... In Bibeldeutsch: Liebe deinen Partner/deine Partnerin wie dich selbst.

    Nimm dich selbst und deine Gefühle genauso wichtig wie die Gefühle deines Gegenübers. Für eine gute Partnerschaft ist nicht nur Harmonie wichtig, sondern auch die Kontroverse. Man muss nicht in allem übereinstimmen. Man kann sich trotzdem lieben...

    Mein Lieblingssatz: Jede Entscheidung ist ein Massenmord an Möglichkeiten. Wenn ich einmal so weit bin, mich auf einen Partner/auf eine Partnerin festzulegen, dann sage ich damit auch Nein zu allen anderen möglichen PartnerInnen. Dann warte ich nicht darauf, dass noch wer "besseres" kommt. Sondern ich arbeite an meiner Liebe und hoffe, dass wir gemeinsam alt und grau werden und trotzdem dabei jung bleiben.

    Nachtrag: Die Bibel ist sehr realistisch und weiß, dass Menschen in ihren Beziehungen auch scheitern können. Jesus sagt auf die Frage, warum Mose die Ehescheidung erlaubt habe, dass die Herzen der Menschen manchmal zu hart seien. Auch dies gehört zur Bibel, von der laut Jesus kein i-Punkt aufgegeben werden soll.

    Und er selber?
    Seine Gegner wollen ihm mal wieder eine Falle stellen. Ist er gegen die Ehescheidung oder dafür? Er entscheidet wieder einmal, sich nicht direkt zu äußern, sondern seinen Gegnern geschickt das Maul zu stopfen: Was Gott zusammen gefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden.
    Nur hat Gott wirklich alle Ehen/Partnerschaften zusammen gefügt? Ich wage das zu bezweifeln.

    Wichtig ist, auch im Scheitern auf den zu vertrauen, dessen Liebe zu uns grenzenlos ist. Vielleicht kann das helfen, es auch noch einmal mit dem Partner zu wagen...
    Manchmal kann es aber auch helfen, entgültig einen Schlussstrich zu ziehen unter eine Beziehung, die nur noch zerstörerisch ist.

    Das ist kein Plädoyer für freie Liebe. Eher ein Plädoyer, sich selbst so ernst zu nehmen, wie Gott einen/eine ernst nimmt.

    Alles Gute!
  • Kommentar geschrieben am 31.12.2010

    Ein folgenschwerer Sex-Betrug

    Hallo Annika_K,

    erste Infos dazu findet man sofort bei Wikipedia:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Margaret_Mead

    Noch deutlicher ist die Stellungnahme im Artikel über ihren wissenschaftlichen Gegenpart Derek Freeman:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Derek_Freeman

    Und wenn Du magst, kannst Du den englischen Artikel über die Kontroverse zwischen beiden lesen:

    http://www.stpt.usf.edu/~jsokolov/314mead1.htm

    Wobei ich kein Ethnologe bin und auch nicht mehr weiß als das, was man dort findet. Aber das ist schon ganz aufschlussreich.

    Guten Rutsch
    (Rosch haSchana tov)
  • Kommentar geschrieben am 17.12.2010

    Integrationsdebatte ohne Tabus

    Hm, was soll man dazu sagen?

    "Beispielsweise seien die Erziehungsziele muslimischer Eltern anders gelagert als bei deutschen. Statt auf Individualität, Selbstverwirklichung und Selbständigkeit würde Wert auf „Respekt vor Autoritäten“, „Ehrenhaftigkeit“, „Zusammengehörigkeit“ und „Lernen und Leistungsstreben“ gelegt. Außerdem nehmen Werte wie das „ausgeprägte Männlichkeitsbild“ oder die „bedingungslose Verteidigung der weiblichen Familienmitglieder im Kontext der Familienehre“ eine zentrale Rolle ein. "

    Gerade in "bibeltreuen", "evangelikalen" Kreisen wurde lange Zeit (und wird teilweise heute noch) gegen jenen "Zeitgeist" heftig protestiert, der so großen Wert auf Individualität und Selbstverwirklichung und Selbständigkeit legt(e).
    Die Aufsätze und Bücher, die die "Selbstverwirklichung" als Irrweg geißeln, füllen ganze Regale.
    Aber wenn es darum geht, sich gegen Muslime abzugrenzen, dann kann die "Selbstverwirklichung" plötzlich gar nicht mehr hoch genug gehalten werden, dann sind alle Polemiken dagegen vergessen. Dann kann man nur noch vor jenem "Respekt vor Autoritäten" warnen, dessen Mangel man selber gerade gerade noch in einem Artikel (sagen wir mal) gegen die so schlimmen 68er beklagt hatte...

    Was soll man also sagen zu einer solchen Form des bibeltreuen Gedächtnisschwundes?

    Es ist unehrlich, absolut unehrlich und schreit zum Himmel.

    Die Probleme gibt es tatsächlich. Aber nicht, weil "Multikulti-Träumer" die Probleme nicht wahrhaben woll(t)en - die haben sich immerhin für ein Zusammenleben der Kulturen eingesetzt und an vielen Stellen auch praktiziert. Sondern weil zu viele der Multikulti-Diffamierer den Dialog der Kulturen ignoriert haben, weil sie zwar die Gastarbeiter geholt und den wirtschaftlichen Aufschwung seinerzeit genossen haben, diese Gäste in Deutschland aber ansonsten links liegen gelassen haben.
  • Kommentar geschrieben am 17.12.2010

    Die Epistemologie der Bibel

    Ein Super-Artikel.

    Auch in 1. Kor 13,13 ist Liebe das entscheidende Kriterium.

    In gewisser Weise möchte ich HorstPetri sogar zustimmen: Gottes Wahrheit ist absolut. Aber es ist eine Absolutheit in Liebe - nicht in Rechthaberei.
    Es ist eine Absolutheit der Zuwendung zu den Sündern - und eine Absolutheit gegenüber vermeintlich Rechtgläubigen, die deren Glaube - selbst wenn sie damit Berge versetzen könnten - für Unnütz und den letzten Schmarrn erklärt, wenn er ohne Liebe ist.

    Die schärfsten Strafworte des Neuen Testaments findet man immer gegenüber Frommen, die unbarmherzig und lieblos gegenüber denen sind, die diese Frommen als Sünder oder auch als Falschgläubige ansehen.

    Den Sündern gegenüber ist die Bibel hingegen ausgesprochen zugewandt.

    Nein, 1.j4,8.18, du verbiegst die Wahrheit keineswegs, sondern sprichst genau aus, worum es auch beim Weg, der Wahrheit und dem Leben geht:
    Um einen Weg der Liebe, um eine Wahrheit der Liebe und das Leben der Liebe.

    Christen, die meinen, dass dieser Weg andere Menschen (Ebenbilder Gottes, 1. Mose 1!) ausschließt, nur weil sie anders glauben, haben noch nicht begriffen, wie groß Gottes Liebe ist. Und sie haben nicht gemerkt, dass sie diesen Weg gerade nicht ergriffen haben. Denn der Weg der Liebe grenzt nicht aus. Sie merken nicht, was es bedeutet, dass der Gott aus dem Stall am Kreuz stirbt, um die Absolutheit seiner Liebe und Zugewandheit zu den Sündern zu unterstreichen. Sie sprechen zwar von der Liebe, aber sie bauen Mauern. Sie nageln die Wahrheit fest - und töten damit die Liebe.

    Schade.

    Merken diese "bibeltreuen" "Evangelikalen" denn wirklich nicht, wie wenig bibeltreu sie sind, wenn sie die vermeintliche Bibeltreue über die Liebe stellen?
    Merken sie nicht, dass diese lieblose Bibeltreue gar nicht bibeltreu ist und permanent Gottes Liebe und Zugewandheit konterkariert?

    Es ist so traurig...
  • Kommentar geschrieben am 15.11.2010

    Vater/Mutter, unser/e im Himmel

    Wörtlich heißt es in Hosea 11,9: "Gott bin ich, kein Mann".

    Der Vorwurf, die Kirche biedere sich dem Zeitgeist an, geht wieder einmal ins Leere. Im Gegenteil, sie nimmt die Bibel ernst wie es nur geht, wenn sie fest hält, dass Gott eben nicht männlichen Geschlechts ist.

    Anders hätte er/sie auch nicht den Menschen als Mann und Frau zu seinem/ihrem Bilde erschaffen können.

    Aber was solls: Wer sich für richtig fromm hält, weiß schon, was in der Bibel steht, noch bevor er richtig nachgeschaut hat...

    Der Allmächtige als Mann - Lukas, ist Dir die Vorstellung nicht allzu peinlich?

    Seit wann sind Männer allmächtig?
  • Kommentar geschrieben am 29.8.2010

    Wortlaut der Bibel - nicht alles?

    @dossier

    Mich wundert ein wenig, dass Du sexuelle Prxis grundsätzlich mit "(Gedanken-)Sünde" in Verbindung bringst.
    Warum?

    Natürlich differenziert Gott zwischen Tat und Gedanken. Warum sollte er es denn nicht tun?

    Nach meiner Meinung darf man eine ganze Reihe der Aussprüche Jesu nicht als absolute moralische Aussagen verstehen, sondern muss darauf achten, dass sie im Rahmen von Streitgesprächen gefallen, teilweise in einer Situation, in der man Jesus beusst aufs Glatteis führen wollte. Und er hat so geschickt geantwortet, dass dies nicht gelang und seine Gegner ihren Widerspruch auf eine Weise gespiegelt bekamen, dass sie nun selber in Erklärungsnot kamen.

    Beispiel Ehescheidung: Da kann Jesus doch sagen was er will. Ist er für Ehescheidung, dann wendet er sich gegen Gott. Ist er gegen Ehescheidung, ist er gegen den Scheidebrief der Tora.
    Mit seiner Antwort "Was Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden" hat er eine andere Perspektive eingenommen und sich der Alternative entzogen.
    Aus seinem Nachsatz von der Härte der menschlichen Herzen höre ich heraus, dass er in konkreten Fällen gescheiterter Ehe durchaus mit sich reden lassen konnte.

    Die ganze Bibel ist voll davon, dass Gott die Sünde von den Gläubigen so weit entfernt sein lässt wie den Morgen vom Abend, dass Gott seine Menschen liebt und dass er ihnen nach dem Scheitern einen Neuanfang ermöglicht.

    Und was machen seine besonders frommen Gläubigen? Sie rechnen einem die Sünden wieder direkt aufs Konto, machen damit Angst, tun so, als sei es möglich, nicht zu sündigen und nehmen einige besondere Sünden besonders heraus (etwa "Homosexualität"), bei denen sie besonders darauf achten, dass diese Menschen nun ganz gewiss nicht mit Gottes Vergebung rechnen können.

    Das "Richtet nicht, auf dass ihr nicht gerichtet werdet", vergessen diese Frommen gerne.
    Dass sie selber ihren Dreck an einem anderen Stecken haben und dort selbstverständlich hoffen, dass Gott ihnen da vergibt, vergessen sie auch zu gerne.

    Und dass ein Teil der homosexuellen Praxis auch darauf zurück geht, dass Menschen über Jahrzehnte ihr Neigung nur im Untergrund und heimlich und immer mit der Angst, entdeckt zu werden ausleben konnten, weil Homosexualität unter Strafe stand: Dass sich da die Christen in einem ungeheuren Maße an liebenden Menschen vergangen haben, Homosexuelle gequält, verachtet, gedemütigt haben, das wird auch zu gerne vergessen.

    _Das_ ist eine Form von Schuld, bei der ich nicht sicher bin, ob die wirklich einmal abgetragen sein kann.

    1 Kor 13,13 stellt im Zweifel die Liebe über den Glauben, so wichtig Glaube auch sein kann. Auch wenn der Glaube Berge versetzen könnte, hat nur liebevoll seinen Wert. Ohne Liebe ist er wertlos und gefährlich.

    Gerade im Bereich der sexuellen Sünden, aber nicht nur da, ist zu prüfen, ob eine angeblich wörtliche Auslegung von der Liebe getragen ist, oder ob es um lieblose Rechthaberei geht, um Machtausübung, und ob Menschen dabei verletzt werden und zu Schaden kommen.

    NIcht im Wortlaut, aber vom Sinn her kann man mit 1 Kor 13 sagen: Und wenn die Exegese so wortgetreu wie möglich wäre und jeder I-Punkt dabei berücksichtigt wäre, und das Ergebnis wäre lieblos den davon betroffenen Menschen gegenüber, so hätte man mit dieser Exegese am entscheidenden Punkt versagt.
  • Kommentar geschrieben am 27.8.2010

    Gender Mainstreaming: Gräuel & Chance

    So mag ich es gerne.
    Beleidigte Leberwurst spielen, aber mit keinem Wort darauf eingehen, dass Gender Mainstreaming nachweislich anders praktiziert wird, als in Lauras Artikel behauptet.
    Das ist ein äußerst schwaches Bild.

    Angesichts dessen kann ich nur widerholen: Wer aus Faulheit oder Dummheit wider besseres Wissen die Unwahrheit behauptet, verstößt gegen Gottes Gebot.

    @dogman:
    Ich kenne keinen Schwulen, der sich drüber gefreut hätte, schwul zu sein.
    Ausnahmlos alle hatten Probleme, wollten hetero sein, waren tief verletzt, weil "schwule Sau" auf dem Schulhof immer noch das beliebteste und verletzendste Schimpfwort ist. Es ist kein Zufall, dass die Selbstmordrate bei Schwulen und Lesben erheblich höher ist als beim Rest der Bevölkerung.
    Niemand wehrt sich dagegen, dass Heteros "ganz normal" Kinder bekommen. Aber die Welt geht auch nicht unter, wenn kath. Priester, Paulus und einige Schwule und Lesben keine Kinder in die Welt setzen.

    "Natürlich" würde ich in diesem Zusammenhang nennen, dass Christen ihren Mitmenschen in Liebe begegnen, egal ob es Linke oder Rechte, Schwule, Lesben oder Heteros sind.
    Was nicht ausschließt, dass ich einfordere, wahrhaftig zu bleiben.
  • Kommentar geschrieben am 12.8.2010

    Wortlaut der Bibel - nicht alles?

    @dossier
    Gott richtet - auf.

    So weit der Morgen vom Abend, so weit lässt Gott unsere Übertretungen von uns sein!
    Ich muss beruflich Menschen beerdigen.
    Ich beerdige sie alle in den Himmel.

    1. Rein seelsorglich: Ich bringe es nicht über das Herz, einem trauernden Angehörigen zu sagen: Dein Vater, Dein Sohn ist jetzt in der Hölle. Geht nicht. Ich weiß noch, wie meine Oma gestorben ist. Ich damals im CVJM und in den Fängen der Bekenntnisbewegung "Kein anderes Evangelium". Meine Oma ging Weihnachten in die Kirche, aber im evangelikalen Sinn war sie nicht fromm. Jetzt war sie tot. Nierenversagen. Ging ziemlich schnell. Aber sie ist "unbekehrt" gestorben. Himmel oder Hölle?

    2. Die Stelle mit der Schlüsselgewalt des Petrus beziehe ich durchaus auf mich. Dafür bin ich schließlich auch ordiniert. Aus dem "Ordinationsvorhalt" weiß ich nur noch einen Satz: "Gib niemanden auf." Also: Wenn ich schon die Vollmacht, den Himmel auf- und zuzuschließen auf mich beziehe, dann wäre ich doch mit dem Klammerbeutel gepudert, wenn ich ihn zuschließen würde. "Richtet nicht, auf dass ihr nicht gerichtet werdet."
    Und gibt es nicht genügend Gleichnisse, in denen A vergeben wird, und A vergibt aber B nicht, so dass A im Nachhinein von Gott heftig zur Rede gestellt wird? Also schließe ich den HImmel auf, und überlasse Gott die Frage, ob der Himmel auch groß genug ist.
    Und falls jemand dieses Verhalten für untragbar hält: Es gibt auch das schöne Gleichnis vom ungerechten Haushalter, der sich mit dem Vermögen seines Herrn bei den Menschen beliebt macht. Völlig unverständlich, warum dieser Verbrecher von Jesus als positives Beispiel hingestellt wird. Ich richte mich trotzdem danach.

    3. Damit habe ich ein massives Gerechtigkeitsproblem. Ich denke an meine Gartenarbeit. Wenn ich danach den Rücken wieder gerade mache, tut es manchmal höllisch weh. Das ist für mich wie eine Art Fegefeuer. Das Menschen von Gott geläutert werden wie Gold oder Silber (im Bild natürlich!), steht in der Bibel.
    Gott bringt unsere krummen Lebenswege ans Ziel. Wenn man im Nachhinein begreift, da war etwas Murks, dann läuft es einem heiß und kalt den Rücken runter. Und wenn man vor Gott - vielleicht das erste Mal in seinem Leben - begreift, dass man (und man dachte, es besonders gut zu machen) anderen Menschen in einem Maße geschadet hat, wie man sich das nie vorgestellt hätte, dann tut das richtig weg. Und dann ist es gut, wenn Gott dabei steht, wenn man dies begreift, sonst könnte man das nicht wirklich aushalten. Aber diesen Schmerz erspart Gott uns nicht. Da müssen wir durch. Aber dann ist unser Rücken auch wieder gerade.

    4. Wenn ein frommer Mensch, dem übel mitgespielt wurde, es im Himmel nur dann aushält, wenn derjenige, der ihm übel mitgespielt hat, wegen der ausgleichenden Gerechtigkeit, in der Hölle schmort, dann ist der fromme Mensch nicht wirklich im Himmel.
    Ich mag die Rachepsalmen. Wenn jemand ein "Arsch" war, verschweige ich das in der Beerdigung nicht. Und wenn jemand dann angesichts dessen Todes Erleichterung verspürt, dann halte ich das für ein legitimes Gefühl. Aber nur hier auf der Erde. Es ist gut, wenn Wut und Zorn durch Rachepsalmen kanalisiert werden. Im Himmel haben diese beiden Gefühle aber eher wenig zu suchen. Menschen, die in den Himmel kommen, wollen, dass die Beziehung zu ihrem Peiniger bereinigt wird. Menschen, die in den Himmel kommen, wollen keine Rache.



    Und darum sage ich mit einer Denkpause mitten drin: "Gott richtet - Gott richtet auf."
    Und wie heißt es noch in diesem schönen alten Weihnachtslied? "Als wollte Gott belohnen, so richtet er die Welt"!


    Noch ganz kurz zur Ehescheidung:
    Jesus hat sehr geschickt mitdiskutiert, als diese frommen Kerle ihn wieder mal reinlegen wollten. Was soll er auf die Frage antworten: Darf man sich von einer Frau scheiden lassen?
    Sagt er Ja, hat er ein Problem mit dem "Was Gott zusammen gefügt hat..." Sagt er Nein, kommen die ihm mit dem Scheidebrief. Egal, was er sagt, ist es verkehrt.
    So sagt er weder Ja noch Nein, er sagt: Was Gott zusammen gefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden.
    Äußerst geschickt. Jetzt haben die den schwarzen Peter. Was sollen die dagegen sagen?
    Den frommen Männern hat er das Maul gestopft. Und im Rahmen einer jüdischen Diskussion, in dem ein wichtiger Rabbi die Scheidung sogar bei einer versalzenen Suppe erlaubte (war aber ziemlich teuer, denn die Frau nahm nun - wie heute noch im Islam - ihre Mitgift, den Brautpreis, mit) besteht Jesus darauf, dass die Ehe nicht geschieden werden soll.

    Aber Jesus begegnet nicht nur frommen Männern, sondern auch Menschen, die in ihren Beziehungen totunglücklich sind. Da verhält sich Jesus einfühlsam und stimmt zu, dass es Fälle gibt, in denen die Herzen der Menschen zu hart sind, als dass man gezwungen sein müsste, zusammen zu bleiben.

    Manchmal gilt nicht "Entweder - Oder", sondern "sowohl als auch".

    Wie ich schon mal sagte: Jesus hat nicht in Form von Leitsätzen des Bundesverfassugnsgerichts gesprochen, sondern hat sich in konkreten Situationen geäußert, oft wurde er provoziert oder in die Enge getrieben. Die Zuhörer haben keinen Leitsatz erwartet, sondern wollten applaudieren, wenn er seinen Kopf geschickt aus der Schlinge gezogen hat. Und das ist ihm in de Regel gelungen.
  • Kommentar geschrieben am 12.8.2010

    Gender Mainstreaming: Gräuel & Chance

    Infos zu Voraussetzungen und Zielen von Gender Mainstreaming in Deutschland:

    Informationsseite der Bundeszentrale für politische Bildung:
    http://www.bpb.de/themen/M2VX4I,0,0,Gender_Mainstreaming.html

    Informationen des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend:
    http://www.gender-mainstreaming.net

    Besonders interessant die Beispiele im Gesundheitssektor:
    http://www.gender-mainstreaming.net/gm/frauen-und-maenner-im-alltag,did=13484.html
    Zitat:
    "Es gibt Krankheiten, die eher als Männerkrankheiten wahrgenommen werden, z.B. der Herzinfarkt. Das hat zur Folge, dass sich Ursachenforschung und die Erprobung von Therapieformen mehr an Männern orientierten, während der spezifische Krankheitsverlauf bei Frauen mit seinen zum Teil andersartigen Symptomen lange Zeit unerkannt blieb und damit auch die entsprechenden Heilmethoden nicht entwickelt wurden. Bei Frauen wurden Herzinfarkte deshalb oft nicht rechtzeitig erkannt und behandelt mit der Folge, dass Frauen öfter an Herzinfarkten starben als Männer, obwohl diese öfter daran erkranken. "

    Deutlich wird: Hier sollen Männern und Frauen nicht gleich gemacht werden (geht ja auch gar nicht), sondern es sollen die Unterschiede bewusst wahrgenommen werden. Konkret: Frauen zeigen andere Symptome beim Herzinfarkt, also haben sie auch anders behandelt zu werden als Männer, damit die Behandlung genauso effektiv ist.

    Und dass es im Kindergarten nicht darum geht, den Jungen Röcke anzuziehen und ihnen Zöpfe zu flechten, wird auf
    http://www.kindergartenpaedagogik.de/1318.html
    deutlich.

    Auch hier ein Zitat:
    "Die Kindertagesstätte ist in der Regel ein "weiblicher Raum". Frauen verwirklichen ihre Vorstellungen von Ästhetik und Gemütlichkeit in den Räumen ihrer Einrichtung. Das ist in der Regel zu erkennen an der Farbwahl, an der liebevollen Dekoration von Fenstern und Wänden, an der Auswahl vieler Kuschel- und Rückzugsmöglichkeiten und einem gut ausgestatteten großen Kreativbereich. Die Werkbank dagegen - wenn es überhaupt eine gibt - führt dagegen oft ein Schattendasein im Keller oder in einer ungenutzten Kammer. Wenn sich Erzieherinnen auf Fortbildungen in einen Jungen hineinversetzen und einen fiktiven Rundgang durch ihre Räume unternehmen, können sie oft sehr genau benennen, was sich "ihre Jungs" in den Räumen wünschen würden - und sind erstaunt und erschrocken, wie wenig diese Bedürfnisse von ihnen bislang aufgegriffen wurden. Jungen werden eher als störend erlebt, weil sie Platz brauchen, Krach oder Staub machen. Gleichzeitig bedeutet diese Beschränkung auf typisch weibliche Spiel- und Beschäftigungsmöglichkeiten auch eine Beschränkung der Kompetenzen und Möglichkeiten von Mädchen."

    Viel Spaß beim Informieren.
  • Kommentar geschrieben am 11.8.2010

    Gender Mainstreaming: Gräuel & Chance

    Hallo Laura,

    ich merke schon, es geht dir nicht wirklich um Argumente, um Bibel, um Realität. Das tut weh.

    Du möchtest nicht immer "betroffen" sein. Schön, dass es Dir so gut geht. Mich nervt es - als Christ - wenn Menschen, nur weil sie Frau sind, für dieselbe Arbeit in aller Regel auch im Jahr 2010 mehr als 10 Prozent weniger verdienen als Männer. In Deutschland.
    Das hat nichts mit links oder rechts zu tun, sondern mit einem für die Bibel enorm wichtigen Begriff: Gerechtigkeit.
    In der Bibel können Menschen so fromm sein, wie sie wollen: Ungerechtigkeit mag Gott nun überhaupt nicht. Reicht das nicht, um sich für mehr Gerechtigkeit einzusetzen, gerade dann, wenn man die Augen geöffnet bekommt, dass Ungerechtigkeit (ganz differenziert, mal sind Männer davon betroffen, mal Frauen, da muss man genau hinschauen, und das ist Aufgabe von Gender Mainstreaming) oft mit dem Geschlecht zu tun hat?

    Weiblichkeit: Du kannst so "weiblich" sein, wie du willst. Darum geht es nicht. Zieht Dir weiße Kleider oder Hose an, völlig egal. Für Gender Mainstreaming ist das von untergeordneter Bedeutung.

    Wenn es in Österreich tatsächlich Experimente gibt, in denen Jungs Mädchenkleider aufgezwungen werden: Das hat mit Gender Mainstreaming eigentlich nichts zu tun, eher im Gegenteil. Da wird Gender Mainstreaming nicht ernst genommen und eine veraltete Gesellschaftstheorie an unschuldigen Kindern exekutiert. Kurz: solchen Quatsch lehne ich ab.

    Falsch Zeugnis reden: Du kannst doch erzählen, was du willst. Du wirst Dich nur vor Deinem Herrn einmal verantworten müssen, wenn Du wider besseres Wissen oder wider die Möglichkeit, es besser wissen zu können, Falschheiten in die Welt gesetzt hast. Niemand kann Dich zwingen, sorgfältig zu recherchieren. Mir stinkt es bloß, wenn Menschen im evangelikalen Umfeld zu Oberflächlichkeitkeit verführt werden und irgendwann vom Glauben abfallen, wenn Sie merken, dass Bibel und Wirklichkeit anders sind, als ihnen von frommen Leuten erzählt wurde.
    Peinlich ist, wenn Du Dich anschließend der Diskussion entziehst mit dem Hinweis: "Ich habe lediglich meine Sicht geäußert." Solche eine "Argumentation" ist einfach nur "blond" (Sorry, dabei geht es nicht um die tatsächliche Haarfarbe, sondern um die Karrikatur einer bestimmten Sorte "weiblicher" Argumentationsfiguren.) Wenn Du Dich schon herablassend über Gender Mainstreaming auslässt, dann hast Du auch eine gewisse Verantwortung für den Realitätsgehalt, und von einer Diskussion sollte man erwarten, dass dieser Realitätsgehalt auch belegt wird.
    Aber wie gesagt: NIemand kann Dich zu einer sachlichen Disskussion zwingen - außer Du Dich selbst.


    Stichwort Toleranz:
    Ich finde es in solchen Diskussionen wie diesen immer wieder witzig, dass "die Frommen" sich einig sind, dass zuviel Toleranz nicht gut ist. Wenn sich dann ein "Toleranter" (oder "Linker" oder "Liberaler") gegenüber dieser Intoleranz intolerant zeigt, sind sie peinlich berührt. Ist auch komisch.
    Du hast Jesus als Beleg für diese Intoleranz angeführt. In meiner Bibel finde ich, dass Jesus da sehr genau differenziert:
    In meiner Bibel finde ich, dass Jesus gegenüber Frommen, die sich gegenüber Sündern intolerant erweisen, besonders intolerant ist, während er sich Sündern gegenüber als ausgesprochen tolerant erweist.
    Spannenderweise wird dann auch noch in einem der zentralsten biblischen Texte die Liebe über den Glauben gestellt.
    Man kann biblisch sein, wie man will, wenn man dabei lieblos wird, ist der ganze Glaube für die Tonne.
    Die fromme Intoleranz, auf die die Frommen oft so stolz sind, weil sie sie für biblisch halten, erscheint mir immer wieder als ausgesprochen lieblos. Und kaum einer fragt, wie das auf die von diesen Frommen diskriminierten Sünder wirkt, wie sie es zum Glauben reizt oder davor abschreckt, und auf welche Seite Jesus sich in der Diskussion nun streng biblisch betrachtet schlagen würde - oder damals in ganz konkreten Fällen geschlagen hat.
    Heute würde er von den Frommen oft genauso in die Enge getrieben wie damals, auch wenn die Frommen heute oft keine Juden mehr sind, sondern Christen.

    Soweit. Ob Du Dir die Schuhe anziehen willst, die ich hier in den Raum gestellt habe, entscheidest Du selber.

    Aus Deinen Äußerungen entnehme ich aber, dass der Wille "konservativ" zu sein größer ist, als im Detail zu fragen, was in der Bibel steht. Und das halte ich wieder für bedenklich.


  • Kommentar geschrieben am 27.7.2010

    Wortlaut der Bibel - nicht alles?

    Hi Leute,

    ich bringe mal einen anderen Aspekt ein.
    Fromme Leute haben die Bibel früher für widerspruchsfrei und göttlich inspiriert erklärt. Damit haben wir heute ein Problem, da die Widersprüche auf der Hand liegen.
    Also haben Theologen irgendwann die Formel vom "Gotteswort im Menschenwort" gefunden. Aber sie sind gescheitert, klare Maßstäbe zu finden, was Gotteswort ist und was Menschenwort ist. Die Widersprüche jedenfalls hat das Menschenwort zu verantworten. Gotteswort, auch wenn man es nicht genau benennen kann, bleibt widerspruchsfrei.

    Ich drehe den Spieß um und erkläre die Bibel für komplett göttlich inspiriert. Auf Hebräisch, aramäisch, griechisch, Lutherdeutsch, Gute Nachricht usw.

    Aber was ist mit den Widersprüchen?

    Bevor ich hier frommen Protest ernte: Man vergleiche die Königebücher und Chronik, man vergleiche die Evangelien, nehme noch Paulus hinzu, gehe der Frage nach, wieviele Tiere Noah mit in die Arche nahm und vieles mehr.

    Die Widersprüche lassen sich nicht wirklich wegdiskutieren. Ich frage mich: Was will der liebe Gott uns damit sagen?

    Ein Blick auf das Judentum kann weiter helfen. Der Talmud ist bekanntlich die Auslegung der Tora, der fünf Bücher Mose. Unten in der Mitte steht der Bibeltext, wie Zwiebelschalen sind drum herum die Auslegungen der alten Rabbiner angeordnet. Sie waren nicht immer einer Meinung. Teilweise waren sie sogar völlig gegensätzlicher Meinung. Was sollte man nun überliefern? Die Juden haben beiden Meinungen überliefert. Sollten sich die Leser eine eigene Meinung bilden. Wir finden das sogar noch im Neuen Testament. Wenn Jesus sagt: "Ich aber sage Euch", dann ist das genau die Formel, mit der ein jüdischer Gelehrter erst die alten Meinungen dargestellt hat und dann seine eigene darlegte. Und die HörerInnen haben sich ein eigenes Bild darauf gemacht. (Nun gut, bekanntlich hatte die Toleranz gegenüber abweichenden Meinungen nicht zuletzt aus politischen Gründen auch im Judentum ihre Grenzen, die hin und wieder durch römische Kreuze markiert wurde. Was aber dem Grundsatz erst einmal nicht widerspricht.)

    Nur die Christen glaubten, sie könnten keine unterschiedlichen Meinungen zulassen. Es gäbe nur eine Wahrheit, und diese hätten sie gepachtet. Abweichende Meinungen wurden als Häresie verfolgt. Und die Bibel musste für widerspruchsfrei erklärt werden, weil nicht sein kann, was nicht sein darf.

    Zurück zur Frage: Was will der liebe Gott uns damit sagen?

    Meine persönliche Antwort: Er will sagen: Ihr seid nicht Gott. Ihr seid nicht fehlerfrei, ihr habt Ecken und Kanten, ich mag euch trotzdem. Schaut euch die Bibel an, dieses Dokument meiner Liebe. Schaut es euch genau an, schaut auch auf die Widersprüche, damit ihr zu euren eigenen Widersprüchen und Fehlern gnädig stehen könnt, und damit ihr zu den Fehlern eurer Mitmenschen gnädig stehen könnt.
    Nobody is perfect! Ihr seid Sünder, ihr bleibt Sünder, ich liebe euch trotzdem, wie ich auch eure, nein meine Bibel mag.

    Alles seid ihr unterschiedlich. Das ist gut so. Ihr glaubt auch unterschiedlich. Auch das ist gut so. Ihr müsst nicht alle gleich glauben. Das geht auch gar nicht, einfach, weil ihr nicht gleich seid.

    Ihr könnt also gar nicht gleich glauben. Es geht nicht. Vergesst das nicht, wenn ihr über Euren Glauben streitet. Denkt daran, dass die Liebe wichtiger ist als der Glaube. Wenn ihr mit eurem Glauben Berge versetzen könntet, aber ihr wäret trotzdem lieblos, dann könnt ihr euren ach so tollen Glauben in die Tonne kloppen.

    Und damit ihr merkt, wie ernst ich das meine, schaut euch auch die Bibel ganz genau an. Achtet auf ihre Widersprüche, damit ihr zu euren Widersprüchen auch in Glaubensdingen stehen könnt.

    Wenn das alles so stimmt, dann sind die unterschiedlichen Konfessionen bereits in der Bibel angelegt. Dann dürfen wir unterschiedlichen Konfessionen angehören. Wir müssen keine volle Übereinstimmung in Glaubensdingen erreichen und dürfen trotzdem gemeinsam Abendmahl feiern.

    Oder: Wir können ohne Probleme damit leben, dass Jesus einerseits sagt, was Gott zusammen gefügt habe, solle der Mensch nicht scheiden. Und dass er andererseits sagt, es solle kein i-Punkt vom Gesetz (zu dem auch der Scheidebrief zählt) aufgegeben werden.

    Also was: Scheidebrief oder "der Mensch soll nicht scheiden"?

    Ich würde sagen: Mal so, mal so. Wenn jemand von ihm eine grundsätzliche Freigabe der Scheidung haben will, so sagt Jesus: "Was Gott zusammengefügt hat..."
    Wenn aber zwei zu Jesus kommen und sagen: Wir haben alles versucht, wir können einfach zusammen nicht auskommen, so sagt Jesus, dass manche Herzen so verhärtet sind, dass der Scheidebrief für sie eine gute Sache ist. Und dass er sie trotzdem liebt. Und ihnen alles Gute für die Zukunft wünscht. Und dass sie das nächste Mal rechtzeitig darauf aufpassen sollen, dass ihre Herzen nicht verhärten. Dass er sie trotzdem immer noch liebt.

    Warum, um Gottes Willen, soll Jesus immer wie das Bundesverfassungsgericht grundsätzliche Musterentscheidungssätze formuliert haben?
    Warum kann er nicht mal so, mal so zugespitzt haben, damit es seine Hörer und Hörerinnen verstehen, wenn er vom ganz nahen Himmel gepredigt hat?

    Nun gut. Ich höre mal langsam auf...
    Viel Spaß!
  • Kommentar geschrieben am 23.7.2010

    Gender Mainstreaming: Gräuel & Chance

    Wilhelm,

    das wäre eine spannende Diskussion, was nun genau die biblischen Maßstäbe sind.

    Zum Beispiel gibt es nirgendwo in der Bibel irgendeine Aussage über Ampeln im Straßenverkehr. (Ampelos ist dort immer der Weinstock.)
    Wird dadurch das, was man unter "Ampel" bei Wikipedia findet, falsch?

    Zum Beispiel steht in der Bibel, das Gott Männer und Frauen gleichberechtigt zu seinem Ebenbild geschaffen hat. (1. Mose 1,27) Ist das ein biblischer Maßstab, den Du akzeptierst? Dann findest Du da bereits auf der ersten Seite der Bibel eine Form von Gender Mainstreaming.

    Wissen müsste man dazu, dass in allen alten Religionen die Sonne als Gott angesehen wurde, und der König/Pharao war sein Ebenbild (Ägypten, Assyrien, Babylonien usw.). Wenn die Juden etwa zur Zeit der Babylonischen Gefangenschaft von Gott inspiriert schriftlich festhalten, dass nicht nur der König, sondern jeder Mensch göttliche Schöpfungsverantwortung trägt, ist dies ein geradezu geniales Gesellschaftsmodell. (Dass bei dieser Gelegenheit Sonne und Mond nicht beim Namen genannt werden - sie gelten bei den nichtjüdischen Völkern als Götter! - sondern nur als großes und kleines Licht bezeichnet werden, deren Funktion das Leuchten, die aber ansonsten keine Macht über die Menschen haben, sei hier nur als Nebenbemerkung erwähnt.)

    Wenn heute immer noch Frauen vorenthalten wird, in Führungspositionen der in 1. Mose 1,26-27 beschriebenen Schöpfungsverantwortung nachzukommen und ihre gleichberechtigte Rolle als Ebenbild Gottes wahrzunehmen, ist dies ein ungeheurer Skandal.

    Die Bibel schreibt an vielen Stellen davon, dass Gottes Wille bei den Heiden besser verankert ist als bei vielen Frommen.
    Wer die Bibel liebt und sie für inspiriert hält, weiß sehr genau davon, wie kritisch die vermeintlich Frommen dort wegkommen. Und er oder sie weiß sehr genau, wie gut die Heiden (und heute manchmal auch Wikipedia) an Gottes Wahrheit dran sind.

    Lieber Wilhelm,
    ich sage es Dir hier auf den Kopf zu: Dir geht es nicht um die Bibel, so wie sie wirklich ist und wie sie wirklich von Gott inspiriert ist, sondern es geht dir um eine evangelikale Vorstellung von der Bibel in Deinem Kopf.
    Ich kann dazu nur sagen: Fang endlich an, die Bibel offen und ehrlich zu lesen, so wie sie wirklich ist, und nicht so, wie Du sie gerne hättest.

    Und fang an, die Realität ehrlich zu betrachten, so wie sie ist, und nicht wie Du sie Dir in Deinen Vorurteilen zurecht gelegt hast.

    Zu Laura kann ich nur sagen:
    Bewahre Dir Deine Neugierde, schau neugierig in die Bibel und in die Welt. Und verlass Dich nicht auf Deine frommen Vorbilder. Es war für mich eine ausgesprochen bittere Lebenserfahrung, als ich merkte, wie sehr ich mich auf meine frommen evangelikalen Vorbilder verlassen hatte, und dass sowohl die Bibel wie auch die Realität in Wirklichkeit ganz anders waren, als man mir in CVJM oder z.B. "Bekenntnisbewegung" beigebracht hatte.

    Vor 30 Jahren habe ich ähnliche Texte wie Laura verfasst, die Themen waren andere, von GenderMainstreaming war damals noch nicht dir Rede, aber die Zielrichtung war dieselbe: Nachweisen, dass die Bibel, wie man sie mir fromm ausgelegt hatte, Recht hat, und mit einer gewissen Empörung darauf hinzuweisen, was in der bösen Welt verkehrt läuft.

    Laura, verwechsele nicht die Bibel mit den Lehren, die man Dir über die Bibel beigebracht hat. Lies die Bibel, wie sie wirklich ist. Damit nicht Dein Glaube zusammenbricht, wenn Du merkst, dass sie anders ist, als man es dir immer beigebracht hat. Offener, lebensbejahender, toleranter...

    Und lass Dir von den Frommen kein X für ein U vormachen. Schau auch mal bei Wikipedia rein, wenn Du wissen willst, was etwas bedeutet. Manchmal sind die Artikel dort ziemlich gut. Als ich so alt war, wie ich aufgrund Deines Artikels vermute, wie Du alt sein müsstest, gab es das Internet und Wikipedia noch nicht. Da war es ziemlich anstrengend, nachzurecherchieren, was jemand wirklich gesagt oder geschrieben hatte. Nutze die Gelegenheit.

    Die Wahrheit wird Dich freimachen. Wilhelm hat Angst vor der Wahrheit, deswegen biegt er sich die Bibel passend, und er biegt sich die Wirklichkeit passend. Und er meint, er würde die Bibel verteidigen, in der Weise, wie er sie sich passend macht. Das hat die Bibel aber gar nicht nötig.
    Und er meint, er hätte es nötig, mir meinen Bibelglauben abzusprechen, wie er schon vielen anderen ihren Bibelglauben abgesprochen hat und behauptet hat, sie seien "zu liberal"...

    Lies die Bibel, sie ist viel größer und wichtiger als die vielen kleingläubigen Wilhelms unserer Gemeinden.

    Alles Gute

    P.S.: Lieber Wilhelm, ich weiß nicht, warum es Menschen gibt, die sich im verkehrten Geschlecht geboren fühlen. Mit Gender Mainstreaming hat Transsexualität erst einmal nichts zu tun. Transsexualität ist komisch für mich. Aber ich weiß genau: Diese Menschen brauchen meine Zuneigung und Liebe und Unterstützung. Es ist gut, dass ich glauben darf, dass Gott mich mit meinen Fehlern und Problemen so annimmt, wie ich bin. Ich habe viele Fehler und Probleme, ganz gewiss. Und ich kann nur deswegen leben und gebe nicht auf, weil ich diese Liebe Gottes erfahre und daran glaube. Tu mir bitte den Gefallen, und nimm diesen Transsexuellen so an, wie er ist und wie auch Gott versprochen hat, ihn anzunehmen. Auch wenn es komisch für Dich ist.

    PPS: Lieber Wilhelm, GenderMainstreaming stellt sich nicht gegen Gottes Schöpfung. Wenn man es richtig versteht, ist es ein gutes Instrument, die Schöpfung im Sinne Gottes zu gestalten, damit jeder Mensch zu seinem Recht kommt und ihm oder ihr nicht nur wegen seines Geschlechts Rechte vorenthalten werden.
  • Kommentar geschrieben am 1.7.2010

    Gender Mainstreaming: Gräuel & Chance

    Liebe Laura,

    "du sollst nicht falsch Zeugnis reden".
    Es ist zwar modern in evangelikalen Kreisen dummes Zeug nachzuplappern und sich dabei toll zu fühlen. Trotzdem sollte man sich vorher intensiv mit dem Thema auseinander setzen und sorgfältig prüfen, ob man es auch richtig verstanden hat.

    Ich weiß nicht, welche Idioten die Behauptung in die Welt gesetzt hätten, bei Gender Mainstreaming ginge es darum, aus Jungs Mädchen und aus Mädchen Jungs oder aus beiden geschlechtsneutrale Wesen zu machen. Vielleicht mag sogar irgendwann einmal jemand diese Ziele als Arbeitshypothese gehabt haben, aber das hat sich lange überlebt.

    Worum es geht beim Gender Mainstreaming: Dass sorgfältig geprüft wird, dass niemand nur wegen seines Geschlechts benachteiligt wird.

    Das kann z.B. zur Frage führen, warum in Kindergärten immer nur Erzieherinnen arbeiten und nur so wenig Erzieher, und ob es nicht wichtig sein kann, dass kleine Jungen eben auch männliche Erzieher in ausreichender Zahl vorfinden.
    Das kann z.B. zur Frage führen, ob es nicht auch schädlich sein kann, wenn in den Elternabenden der Kindergärten immer nur die Mütter oder nur so wenige Väter anwesend sind.

    Bei Gender Mainstreaming geht es ausdrücklich nicht darum, alle gleich zu machen, sondern die Unterschiede wahrzunehmen und jedem die Chance zu geben, die ihm zusteht, und sie ihm oder ihr nicht nur deswegen zu verweigern, weil die oder der Betreffende gerade im unpassenden Geschlecht auf die Welt gekommen ist.

    Bei Gender Mainstreaming geht es um Gleichberechtigung, nicht um Gleichmacherei. Um Gleichberechtigung nicht nur für Frauen, sondern um Gleichberechtigung für Männer und Frauen. Ums Nachdenken darüber, warum die Bildungschancen für junge Männer derzeit so viel schlechter sind als für junge Frauen.
    Ums Nachdenken darüber, warum Frauen so schlecht in Spitzenpositionen kommen können, und ob es wirklich gut ist, dass Spitzenpositionen fast nur von Männern und ihrer Männerlogik besetzt sind.

    Als mein Freund Fritz Pawelzik ("Karin und Kaminski"), ein alter CVJM-Bruderschaftssekretär, in Afrika Häuptling wurde, kamen die Geschichtenerzähler seines Stammes zu ihm und erzählten ihm alles über die Geschichte seines Stammes. Die Aufgabe der Geschichtenerzähler war es, alles Wichtige über diesen Stamm mündlich zu überliefern. Und da war viel die Rede von gewonnenen Kämpfen und dergleichen mehr.
    Und als die Männer fertig waren, kamen die Frauen und erzählten, wie traurig und "scheiße" es war, dass ihre Kinder in diesen Kämpfen das Leben gelassen hatten...
    Das ist Gender Mainstreaming: Dieselbe Sache aus dem Blickwinkel von Männern UND Frauen zu sehen und zu schauen, ob die alten Entscheidungen nicht neu überdacht werden müssen.

    Vielleicht würden ja mehr Frauen an der Spitze von Unternehmen doch ganz anders mit unserer Erde und Gottes geliebter Schöpfung umgehen, wenn man im Unternehmen mache höhere Positionen auch in Teilzeit besetzen könnte, kombiniert mit einem Firmen-Kindergarten, so dass Frauen auch die Chance haben, Karriere zu machen, ohne dabei die Kinder zu vernachlässigen.
    Ob es dann die Entscheidung gegeben hätte, mit mangelhafter Ausrüstung in mehr als 1000 m nach Erdöl zu bohren? Wer weiß...

    Schließlich: Die Behauptung, Kinder würden schon in frühen Jahren durch Gender Mainstreaming sexualisiert, entbehrt jeder Grundlage. Diese Falschbehauptung ist unverschämt und widerspricht elementaren christlichen Geboten, die Wahrzeit zu sagen und nicht zu lügen.
    Als Pflegevater weiß ich von vielen Kindern, die nachts das sexualisierte Fernsehprogramm mit ihren Eltern gucken mussten und Dr. House besser kannten als die Sendung mit der Maus. Deren Eltern brauchen dringend Hilfe, und es ist gut, dass das Jugendamt (nicht nur deswegen, es ist schon noch etwas gravierender, wenn Kinder aus dem Elternhaus heraus genommen werden) beim Überschreiten von gewissen Grenzen den Kindern eine kindgerechte Entwicklung ermöglicht. In solchem Kontext werden die Kinder sexualisiert, zum Teil sogar missbraucht, wobei Missbrauch in allen Schichten und Religionen vorkommt, auch in evangelikalen Familien. Aber das ist noch ein anderes Tabu-Thema. Mit Gender Mainstreming hat das aber nicht das geringste zu tun.

    Es ist ein fundamentales evangelikales Problem, zu glauben, man wüsste und könnte als besser als die Atheisten. Paulus selbst wusste noch davon, dass er das Gute will und dennoch das Böse vollbringt. Mit dieser Erkenntnis war Paulus ausgesprochen weise. So mancher Fromme heute hat dies gründlich vergessen. Und er (oder sie) verlässt sich auf andere Fromme und plappert deren Gesülz nach, ohne jemals selbst die Fakten überprüft zu haben. Man kommt ja gar nicht auf die Idee, dass die eigenen frommen Lehrer mal einen Fehler machen könnten. Und so plappert man ihnen jeden Schwachsinn nach. Hauptsache, für die Frommen und gegen die Atheisten. Leute, in der Bibel steht, dass manchmal die Atheisten viel näher an der Weisheit dran sind, als die Frommen. Und Jesus empfiehlt gerade den ungerechten Haushalter als Vorbild für die Gläubigen!
    Ist mal jemandem aufgefallen, dass die reuigen Sünder bei Jesus immer gut weg kommen, während die eingebildeten Frommen von ihm aus schärfste kritisiert werden?

    Leute, die Erde ist schon lange nicht mehr als Scheibe bekannt, lasst sie euch nicht als Scheibe vormachen, auch wenn diejenigen, die es behaupten, noch so fromm sein mögen. Auch fromme Menschen sind nicht unfehlbar. Kein Mensch ist unfehlbar.

    Schaut also mal unvoreingenommen rein bei http://de.wikipedia.org/wiki/Gender_Mainstreaming oder oder bei http://www.gender-mainstreaming.net/ , bevor Ihr weiter so krudes Zeug verbreitet oder in Schutz nehmt.
    Die Wahrheit wird euch frei machen.
  • Kommentar geschrieben am 1.3.2009

    Kreationismus in Deutschland

    Hallo Hopetri,



    seit wann ist die Evolutionstheorie widerlegt? Und warum sollen Religionslehrer dieser Theorie widersprechen?



    Die Bibel lädt selbst zu wissenschaftlichem Forschen ein.

    "Sonne" und "Mond" waren in der Umwelt Israels Götter, die jeweiligen Könige (Babylon, Ägypten, Assyrien usw.) waren deren "Ebenbilder". Gleich das erset Kapitel der Bibel nennt Sonne und Mond genau deswegen nicht beim Namen, sondern nennt es das "große und das kleine Licht", von Gott geschaffenes, nicht selbst göttlich. Man darf naturwissenschaftlich hinterfragen, was damit los ist. Und _jeder_ Mensch, männlich wie weiblich ist Gottes Ebenbild. Nicht nur der König. _Das_ kann der Reli-Lehrer sagen. (Und einiges mehr.) Aber wie das abgegangen ist, weiß kein Mensch, das weiß auch der Reli-Lehrer nicht, und deshalb sollte er - als Reli-Lehrer dazu auch die Klappe halten.

    Wohl kann er wissenschaftstheoretisch darauf verweisen, dass es in der Naturwissenschaft keine Beweise gibt, sondern nur das Widerlegen möglich ist. Das heißt: Die Evolutionstheorie kann überhaupt nicht bewiesen werden. In Einzelheiten kann sie sehr plausibel gemacht werden. Aber eine so komplexe Theorie wird niemals "bewiesen" werden können. Wozu auch? Aus dem Zeitalter, als man alle Erkenntnis auf die eine Weltformel zurückführen wollte, sind wir glücklicherweise lange heraus. Heute finden wir mit jeder neuen Antwort zehn unbeantwortete Fragen...



    Kurz und gut: Dass Gott die Welt geschaffen hat, ist eine Glaubensaussage, die weder bewiesen noch widerlegt werden kann. Derartige Aussagen sind nicht Thema von Biologie oder anderen Naturwissenschaften. Also können die Erkenntnisse etwa auch im Bereich der Evolutionstheorie neben dem Glaubensbekenntnis stehen bleiben.



    Wer das nicht begreift, wird den Frevel begehen, Gott in eine naturwissenschaftliche Theorie einzubauen, Gott zum Objekt menschlicher Messmöglichkeiten zu machen. Warum sagen so wenig Menschen, dass Kreationismus in letzter Konsequenz gotteslästerlich ist? Gott in einer alternativen naturwissenschaftlichen Theorie hieße letztlich, Gott als Bestandteil einer physikalischen Messreihe denkbar zu machen. So ein gotteslästerlicher Wahnsinn!



    Gott kann nicht teil einer solchen Messreihe stehen. Gott wird immer "jenseits" aller Messreichen stehen, oder er wäre ein kleiner (jedenfalls als "Gott") lächerlicher Wicht, dem Organisationstalent des Forschers unterworfen und ausgeliefert.



    Machen sich die "Eltern zu Hause" dies genügend klar, was für einen verkorksten Gottglauben sie damit ihren Kindern vermitteln?
  • Kommentar geschrieben am 17.2.2009

    Woher willst du eigentlich wissen...

    Bitte lasst Euch nicht künstlich in die Defensive drängen, indem aus Glaube und Naturwissenschaft ein Gegensatz gemacht wird, bei dem ihr den Glauben verteidigen müsstet!



    Drei Erkenntnisse sind m.E. wichtig:



    1. Die einzige Wissenschaft, in der etwas wirklich "bewiesen" werden kann, ist die Mathematik. Und dort kann man beweisen, dass man nicht alles beweisen kann.

    In der Mathematik kommt Gott nicht vor. Gott sei Dank!



    2. In den Naturwissenschaften kann man Behauptungen widerlegen, aber niemals wirklich beweisen. Wenn also jemand sagt, die Evolutionstheorie sei nicht "bewiesen", dann ist damit eine Selbstverständlichkeit ausgedrückt. Naturwissenschaftliche Aussagen haben ihre Grenzen immer innerhalb bestimmter Bezugssysteme, und gerade bei den Fragen nach Urknall und Evolution wird es schnell so komplex, dass mit einem "Beweis" der Evolutionstheorie niemals zu rechnen ist, wohl aber mit einem immer differenzierteren Wissensfortschritt, bei dem jede Antwort immer zusätzliche neue Fragen aufwerfen wird.

    Das bedeutet nicht, dass es sinnlos ist, über eine Evolutionstheorie nachzudenken. Vieles davon ist inzwischen ausgesprochen plausibel gemacht worden. Und das wird durch weitere offene Fragen nicht weniger plausibel... Anderes wird wieder umgestoßen werden müssen, wenn neue Erkenntnisse gemacht werden. Das ist ein spannendes Feld und es wird spannend bleiben.

    Wenn irgendein Wissenschaftsjournalist wieder einmal davon faselt, die Evolutionstheorie wäre inzwischen "bewiesen" und "Gott wäre widerlegt", so können wir uns getrost zurücklehnen und uns denken, dass dieser Mensch keine Ahnung hat.



    3. Der Versuch, Gott in eine naturwissenschaftliche Theorie einzubinden, ist gotteslästerlich!



    Naturwissenschaft bedeutet experimentieren, erforschen, verstehen. Wenn Kreationisten oder Vertreter von Intelligent Design meinen, sie könnten Gott in irgendeiner Form als Bestandteil einer naturwissenschaftlichen Theorie einbinden, dann haben sie entweder von Wissenschaftstheorie nichts begriffen oder nicht von Gott, oder von beidem nichts.

    Ein Gott, der Bestandteil einer solchen naturwissenschaftlichen Theorie sein könnte, wäre nichts als ein lächerlicher Götze.

    Der einzigartige allmächtige Gott kann niemals Bestandteil einer naturwissenschaftlichen Theorie sein - oder er wäre nicht Gott.



    (Beweis durch Annahme des Gegenteils und Widerlegung:

    Angenommen, Gott könnte ein Bestandteil einer solchen Theorie sein, dann könnte ich irgendwann eine Rechenformel aufstellen, in der Gott eine Variable ist. Ich könnte diese Formel umbauen, ich hätte möglicherweise sogar das Handwerkszeug, Gott zu manipulieren: Ich wäre mehr als Gott. Ein solcher "Gott", mir als naturwissenschaftlichem Forscher untergeordnet, wäre ein lächerlicher Götze. Damit ist der für diesen Beweis nötige Widerspruch erreicht.)





    "Ich glaube an Gott" ist und bleibt eine Glaubensaussage, die durch kein naturwissenschaftliches Experiment abgesichert werden kann.

    Es ist sinnlos, dies zu versuchen.



    Auf der Seite des Glaubens spricht nichts dagegen, sich der Schöpfung zu freuen (allerdings wird man auch z.B. an Psalm 104,32 denken und darüber erschrecken, dass Gottes Blick Erdbeben und Vulkanausbrüche mit Tausenden von Toten auslösen kann. Die Schöpfung ist nicht so ideal, wie wir Christen sie gerne hätten. Die Schöpfung ist an manchen Stellen ausgesprochen brutal. Und ich erschrecke immer wieder, wenn Christen dies zu schnell und zu einfach abtun und vorgeben, sie hätten Antworten darauf...) und sich auf der anderen naturwissenschaftlichen Seite am Forschen zu beteiligen, wie das mit der Entwicklung gewesen sein könnte. Aber man wird dies immer mit dem Bewusstsein tun, dass man mit naturwissenschaftlichem Forschen niemals Gott erreichen kann, dass Gott in keiner naturwissenschaftlichen Formel und in keinem naturwissenschaftlichen Experiment und in keiner naturwissenschaftlichen Aussage vorkommen kann und will.





    Wenn man so weit ist, kann man gerne seinen Glauben bekennen und sagen: Ich glaube, dass Gott mich geschaffen hat und erhält, wie er auch die Welt geschaffen hat und erhält.



    Und man wird hinzufügen: Dieses Glaubensbekenntnis kann ich nicht beweisen, und im schlimmsten Fall wird sich sogar herausstellen können, dass es ein Irrglauben war.

    Wissen werden wir es erst, wenn wir vor dem Angesicht Gottes stehen. Und wenn es Gott nicht geben sollte, werden wir keine Gelegenheit haben, den Irrtum zu erkennen.

    Das ist die Kehrseite dessen, dass man Glaube und Gott nicht beweisen kann.

    An dieser Stelle kommt der Glaubenszweifel ins Spiel, und ich erinnere daran, dass Martin Luther daran festhielt, dass es Glaube ohne Zweifel nicht gibt.



    Und trotzdem werden wir mit Luther unsere Apfelbäumchen pflanzen, werden wir Gott vertrauen, dass er mit uns ein Ziel hat, und dass er sich etwas dabei gedacht hat, dass die Naturwissenschaftler tolle Theorien aufstellen können über die Entstehung der Welt.



    Dann wissen wir, dass wir unseren Glauben nicht verteidigen müssen, allenfalls verteidigt Gott uns gegenüber unseren Zweifeln. Wir wissen, dass naturwissenschaftliche Aussagen Gott nicht beweisen und nicht widerlegen können. Und wir werden glauben, dass Gott sich etwas dabei gedacht hat, als er uns und die Welt genau so geschaffen hat.