
Kommentar geschrieben am 16.2.2011
Zum Arzteid: Den offensichtlichen Eidbruch ("in den Dienst der Menschlichkeit"; Abtreibungen sind, egal, wie man es dreht, sicher kein Akt der Menschlichkeit!) mit dem Verweis auf eine "andere Ethik" zu entschuldigen, das ist genau die Art von Relativierung, um die sich der Artikel dreht. Du relativierst diese klar ersichtliche Schuld damit, sie hätten halt eine andere Sichtweise: "Schließlich könnte man jemanden vor den Kopf stoßen, der ganz anderer Meinung ist!"
Genau diese Haltung ist das Grundproblem christlicher Politik. Wir müssen aufhören, von "argumentum ad irgendwas" herumzufabulieren, wir müssen anfangen, Klartext zu reden. Uns zu christlichen Positionen glasklar bekennen, ohne peinlichst genau darauf zu achten, ob man hier nicht zulasten des politischen Gegners manipuliert oder zu konfrontativ auftritt.
"Nur weil Andersdenkende nicht unsere Werte vertreten bedeutet ja nicht, dass sie keine hätten." Natürlich lässt sich die hedonistische Beliebigkeit des Zeitgeists in gewisser Form als "Wertvorstellung" verdrehen. Aus christlich-konservativer Sicht ist sie allerdings höchstens das Entartungsstadium eines entfesselten Werteverfalls, dem schnellstmöglich der Garaus bereitet werden muss. Mit dem "Zeugnis der Liebe" gewinnt man keinen politischen Richtungsstreit und erst recht keine mediale Dominanz. Mit deutlichen Worten und einem offensiven Auftreten schon eher.