Kommentar geschrieben am 14.1.2011
So, so: "audiatur et altera pars" - Nun, die Gegenseite wurde angehört, sie wird im Artikel ausreichend zitiert, um daraus gewisse Schlussfolgerungen zu ziehen. Wenn die Parteivorsitzende der umbenannten SED (und das ist die Linkspartei, es handelt sich um dasselbe Rechtssubjekt) ohne jegliche Distanzierung von den weltweiten Verbrechen des Kommunismus "auf den Weg zum Kommunismus" machen will, an einer gleichnamigen Diskussionsrunde teilnimmt und unmissverständliche Äußerungen macht, ist es kein Akt der Verleumdung, dies ernst zu nehmen. Derartige Äußerungen sind auch nicht mehr mit "demokratischer Sozialismus" schönzureden (vergleichbare Floskeln pflegte auch das SED-Regime zu benutzen), sie sind eine Kampfansage an die freiheitlich-demokratische Grundordnung.
Die von den Vorrednern so sorgfältig beachtete Trennung von kommunistischer Theorie und kommunistischer Praxis ist dieselbe Einstellung, welche das Erstarken kommunistischer Regime in der Geschichte immer und immer wieder ermöglicht hat: Man tut so, als hätten Praxis und Theorie nichts miteinander zu tun und um den "wahren" Kommunismus zu erreichen, müsste man es nur noch einmal "richtig" probieren. Die Folgen sind bekannt.
Stalin 30-40 Millionen, Mao 70-80 Millionen, Pol Pot und die Kim-Dynastie je 1-2 Millionen, dazu kommen Osteuropa, die DDR, Kuba, Vietnam, und, und, und: Was ich damit sagen will: Schon oft wurde die kommunistische Theorie in die Praxis umgesetzt oder es versucht und ausnahmslos jedes Mal endete dies in Massakern und Massenvernichtungen. Die Brutalität des Kommunismus in seiner Praxis ist keine Ausartung der Ideologie, sondern unverweigerlich mit ihr verbunden und anders nicht realisierbar. Und nun will es die Linke wieder versuchen, um diesmal garantiert alles richtig zu machen? Nein, danke. Will sich Gesine Lötzsch der Geschichte ungeachtet erneut auf den Weg in den Kommunismus machen, kann man dies nicht einfach so stehen lassen. Man würde der NPD ja auch nicht erlauben, von den Wegen in den Faschismus zu philosophieren und den nationalsozialistischen Staatsterror als "Vision von Frieden und Gerechtigkeit" zu verklären. Dies wäre aber de facto dasselbe.
Kein Wort in meinem Artikel, welches der Linkspartei direkt attestiert, hier wieder Gulags zu eröffnen. Ich werfe der Partei aber vor, mit dem Feuer zu spielen, geschichtsvergessen zu agieren und gewaltsame Ausartungen in einem möglichen Realsozialismus X.0 zumindest billigend in Kauf zu nehmen - sonst würde man sich nicht derart radikal und undistanziert äußern.