Woher willst du eigentlich wissen...

„Du glaubst aber schon an die Evolution, oder?“ „Du kannst doch nicht behaupten, der Urknall hätte nicht stattgefunden!“ „Woher willst du eigentlich wissen, dass die Bibel wahr ist?“ Es sind oft nur so harmlose Gespräche mit Freunden, die häufig zu genau diesen Fragen führen, wo ich mich am liebsten verkriechen würde. Glaube und Physik - ein mehr persönlicher Erfahrungsbericht zum Thema Urknall.
  • Foto: Pixelio/Freestyler

 

Jetzt geht das schon wieder los, denke ich mir, eine endlose Diskussion, in der ich überzeugt werden soll, dass ein Glauben an Gott und Schöpfung uncool und nicht up-to-date ist. Ich weiß nicht, wer das kennt. Ich fühle mich bei diesen Debatten immer ins kalte Wasser geworfen, unwohl, verlassen, irgendwie auf dünnem Eis.

Weltbild und Glaube

Letzte Woche passierte folgendes: Ich besuche die 12. Klasse in einem Gymnasium, mit den Leistungskursen Mathe und Physik. Natürlich gehört auch Religionslehre zu meinen Pflichtbelegungen. Dort hieß der Themenschwerpunkt des ersten Semesters „Weltbild und Glaube“. Die erste Frage des Lehrers dazu war erst einmal: „Jemanden aus dem Physikleistungskurs haben wir nicht hier, oder?“ Das war mein Stichwort. Wer mich kennt weiß was passierte - ich springe auf, reiße die Hände in die Höhe und rufe voller Stolz: „Mathe, Physik – wie Pommes und Ketchup.“

„Toll Matthias, wir beschäftigen uns demnächst mit Schöpfungsgeschichten. Würdest du am Freitag bitte ein Kurzreferat über die Urknalltheorie halten. Danke, du kannst dich wieder hinsetzen.“ Schaboong Volltreffer. Ausgerechnet ich – mal wieder. Und während ich noch sage, es gäbe mindestens 10 Leute, die das besser machen könnten als ich, wächst in mir ein Interesse. Ich möchte doch mehr darüber erfahren. Was ist das konkret, der Urknall, der sich so vielen Menschen glaubhaft gemacht hat. Ist er wirklich erwiesenermaßen geschehen?

Theorie auf wackligen Beinen

3 Tage später. Morgen ist Freitag. Mein Referat ist grob fertig, es soll ja nur 7 Minuten dauern. Wie soll man den Urknall in 7 Minuten erklären? Kann man sich ihn eigentlich erklären? Ich weiß noch nicht, ob ich mich morgen strikt an die Vorgabe halten werde, oder auch ein wenig über das Thema hinausgehen sollte. Denn was ich bisher Erstaunliches herausgefunden habe, zeigt mir, das die Theorie auf wackligen Beinen steht.

1.) Man nimmt an, dass es einen Knall gegeben hat, nach dem die Zeit und der Raum aus dem Nichts entstanden sind - und die Naturgesetze.

2.) Aus einer riesigen brodelnden Energiesuppe entsteht plötzlich durch einen zufälligen Dreckeffekt Materie. Wer da seine Finger im Spiel gehabt hatte, haben Forscher noch nicht herausgefunden.

3.) Die Urknalltheorie und die bekannten physikalischen Gesetze führten zu Wiedersprüchen, die noch nicht erklärt werden können, z.B. Es muss neben der Ausdehnung des Universums noch etwas geben, das eine Kollision aller Planeten aufgrund Newtons Gravitationsgesetzes verhindert. Wer oder was hält alles in seinen Bahnen? Forscher bezeichnen das als „Dunkle Materie“.

4.) Auf dem neusten Stand der Quantenforschung wird angenommen, dass sich die kleinsten Teilchen, aus denen unser Universum aufgebaut ist, ähnlich den Schallwellen bewegen. In 1. Mose 1,3 steht: „Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht.“

5.) Viele Fragen stehen noch offen: Was war vor dem Urknall? Was ist die Dunkle Materie? Woher beziehen Teilchen ihre Materie? Wie kam das viele Wasser der Ozeane auf die Erde? Wie entstand das erste Leben? Wie entstand unser denkender Geist?

Fragen ohne Antworten

Albert Einstein, Entwickler der Relativitätstheorie, auf der die Urknalltheorie grundsätzlich basiert, sagte: „An den großen Entdeckungen kann ich mich nur wenig freuen, weil sie mir das Verstehen des Fundaments vorläufig nicht zu erleichtern scheinen."

Fragen ohne Antworten. Zum Verzweifeln? Nein. Längst beantwortet! Ich gehe ab und zu auf den kleinen Hügel neben unserem Haus und warte auf der kleinen Parkbank dort bis die Sonne untergeht. Ab und zu fahre ich mit dem Rad um unseren Waginger See und freue mich an einem Gänseblümchen, das in der Wiese wächst. Und dass das Gras grün ist. Ab und zu bin auch nachts zu Fuß unterwegs und schaue in den Himmel, um ja nicht zu verpassen, wann das nächste Mal eine Sternschnuppe über den Nachthimmel huscht. In meinem Kopf drin, da freue ich mich über diese Dinge. Diese Freude wird nicht getrübt durch Gedanken, die mich verzweifeln lassen, weil ich das alles nicht begreifen kann. Denn ich weiß, ich darf in meinem Herzen danken, dem Gott, dessen „Wort die Kraft ist, die das Weltall zusammenhält.“ Hebräer 1,3

Letztendlich geht es nicht darum was cool oder up-to-date ist. Es geht um unser Leben.

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4 Kommentare wurden bereits abgegeben

  • 4.  
    schrieb am 11.01.2011 15:20

    Aus dem Umstand, dass Wissenschaftler an die Urknalltheorie glauben, folgt nicht, dass die Urknalltheorie wissenschaftlich ist. Wissenschaft beruht auf Beobachtung, und die Vergangenheit lässt sich nun mal nicht beobachten, und Spekulationen über die Vergangenheit lassen sich nicht experimentell überprüfen. Das Beste, was man über die Vergangenheit aussagen kann, ist ein "educated guess". Ansonsten hat die Wissenschaft keinen Zugriff auf die Vergangenheit, kann also darüber auch keine Aussagen treffen.

    Die Urknalltheorie beruht auf einer Beobachtung in der Gegenwart, die in die Vergangenheit extrapoliert wurde. Die Beobachtung ist: das Universum dehnt sich aus. Was diese Ausdehnung verursacht und seit wann sie stattfindet entzieht sich der wissenschaftlichen Beobachtung. Die Urknalltheorie nimmt lediglich an, dass die Ausdehnung seit Beginn des Universums stattfindet. Überprüfen lässt sich das nicht. Und folglich kann man genauso gut behaupten, das Universum sei ex nihilo geschaffen worden und habe später begonnen sich auszudehnen.

    Die kosmische Hintergrundstrahlung wurde von der Urknalltheorie vorhergesagt. Sie folgt aber lediglich aus der Ausdehnung des Universums und belegt keinesfalls zwingend, dass es einen Urknall gegeben hat. Darüber hinaus folgt aus deren Beobachtung das so genannte "Horizon Problem": Das Licht ist nicht schnell genug, um innerhalb von 13 Milliarden Jahren einen homogenen Termperaturausgleich herzustellen, wie er beobachtet wird: in jeder Richtung 4K. Aber wer weiß, vielleicht ist diese Hintergrundstrahlung ja auch ein lokales Phänomen unseres Sonnensystems, dessen wahre Ursache es noch zu entdecken gilt.

    Aus der gegenwärtig beobachteten Ausdehnung des Alls wird, in Verbindung mit der Annahme, sie fände seit dessen Beginn statt, auf ein Alter von etwa 13 Milliarden Jahren geschlossen. Das kollidiert mit der Beobachtung, dass sich die Galaxien zu schnell drehen, um ihre äußeren Sterne zu behalten. Würden sie sich tatsächlich seit mehreren Milliarden Jahren drehen, dann gäbe es sie bereits nicht mehr. Deswegen gibt es jetzt die Hypothese der Dunklen Materie und der Dunklen Energie, die die benötigte Gravitation aufbringen sollen. Aber vielleicht drehen sie sich ja auch einfach noch nicht so lange?

    Natürlich lassen sich die Aussagen der Bibel über die Vergangenheit genauso wenig wissenschaftlich überprüfen. Man kann aber zeigen, dass sie mit den gegenwärtigen Beobachtungen konsistent sind - wohlgemerkt: den Beobachtungen, nicht deren Interpretationen durch die Wissenschaftler.

    Es gibt daher keinen sachlichen Grund, an den Aussagen der Bibel über die Vergangenheit zu zweifeln. Ob man sie glaubt, ist natürlich wieder eine andere Frage.

  • 3.  
    schrieb am 02.04.2009 16:17

    @denkmal: sehr schöner Beitrag! Er trennt nämlich Glaube und Wissenschaft. Was nämlich die ehrlichen Naturwissenschaftler zugeben ist doch, dass die Aussagen über die Evolution keine Aussagen über Gott treffen.


    Ein wenig müssen wir uns als Christen da an die Nase fassen - wir haben das Dilemma selbst verbockt. Der Aspekt des Glaubens kam doch erst in die Diskussion, als die 110% wortlautgläubigen unter uns behaupteten, die Welt sei in 7 Tagen a 24 Std erschaffen worden. Das ist halt ne Falle, wenn wir Dinosaurierknochen ausbuddeln, Eisschichten analysieren, Gesteinsformationen betrachten, Flusstäler anschauen etc. pp.

    (Die Wortlautverfechter lade ich übrigens zu der Diskussion zum Artikel "Wortlaut nicht alles?" ein)


    Ich persönlich sage den Evolutionstheoretikern immer:

    1. was war denn 1 Sekunde vor dem Urknall und woher kam die Energie dafür aus eurer Perspektive?

    2. Welche Variable in eurer Formel hat denn Gott und wo ist diese weggekürzt? Wenn ihr nämlich all die Jahre naturwissenschaftlich rechnet, dann hat das nichts mit Theologie zu tun. Die theologische Aussage ist: Gott ist größer als die Welt und Gott hat alles in diesem Universum geschaffen. Schön, dass ihr meint herausgefunden zu haben, wie.

    3. Christen sollten sich auch in Demut üben. Wir sind sicher auf theologischem Gebiet, aber in den Naturwissenschaften nicht. Das haben wir gemerkt, als Galileo doch Recht hatte und ich befürchte, dass unser Allwissen auch hier begrenzt ist. Warum der Wortlaut der 7 Tage nicht stimmt, dazu wiederum Diskussion zum Artikel (s.o.)

  • 2.  
    schrieb am 17.02.2009 21:25

    Bitte lasst Euch nicht künstlich in die Defensive drängen, indem aus Glaube und Naturwissenschaft ein Gegensatz gemacht wird, bei dem ihr den Glauben verteidigen müsstet!


    Drei Erkenntnisse sind m.E. wichtig:


    1. Die einzige Wissenschaft, in der etwas wirklich "bewiesen" werden kann, ist die Mathematik. Und dort kann man beweisen, dass man nicht alles beweisen kann.

    In der Mathematik kommt Gott nicht vor. Gott sei Dank!


    2. In den Naturwissenschaften kann man Behauptungen widerlegen, aber niemals wirklich beweisen. Wenn also jemand sagt, die Evolutionstheorie sei nicht "bewiesen", dann ist damit eine Selbstverständlichkeit ausgedrückt. Naturwissenschaftliche Aussagen haben ihre Grenzen immer innerhalb bestimmter Bezugssysteme, und gerade bei den Fragen nach Urknall und Evolution wird es schnell so komplex, dass mit einem "Beweis" der Evolutionstheorie niemals zu rechnen ist, wohl aber mit einem immer differenzierteren Wissensfortschritt, bei dem jede Antwort immer zusätzliche neue Fragen aufwerfen wird.

    Das bedeutet nicht, dass es sinnlos ist, über eine Evolutionstheorie nachzudenken. Vieles davon ist inzwischen ausgesprochen plausibel gemacht worden. Und das wird durch weitere offene Fragen nicht weniger plausibel... Anderes wird wieder umgestoßen werden müssen, wenn neue Erkenntnisse gemacht werden. Das ist ein spannendes Feld und es wird spannend bleiben.

    Wenn irgendein Wissenschaftsjournalist wieder einmal davon faselt, die Evolutionstheorie wäre inzwischen "bewiesen" und "Gott wäre widerlegt", so können wir uns getrost zurücklehnen und uns denken, dass dieser Mensch keine Ahnung hat.


    3. Der Versuch, Gott in eine naturwissenschaftliche Theorie einzubinden, ist gotteslästerlich!


    Naturwissenschaft bedeutet experimentieren, erforschen, verstehen. Wenn Kreationisten oder Vertreter von Intelligent Design meinen, sie könnten Gott in irgendeiner Form als Bestandteil einer naturwissenschaftlichen Theorie einbinden, dann haben sie entweder von Wissenschaftstheorie nichts begriffen oder nicht von Gott, oder von beidem nichts.

    Ein Gott, der Bestandteil einer solchen naturwissenschaftlichen Theorie sein könnte, wäre nichts als ein lächerlicher Götze.

    Der einzigartige allmächtige Gott kann niemals Bestandteil einer naturwissenschaftlichen Theorie sein - oder er wäre nicht Gott.


    (Beweis durch Annahme des Gegenteils und Widerlegung:

    Angenommen, Gott könnte ein Bestandteil einer solchen Theorie sein, dann könnte ich irgendwann eine Rechenformel aufstellen, in der Gott eine Variable ist. Ich könnte diese Formel umbauen, ich hätte möglicherweise sogar das Handwerkszeug, Gott zu manipulieren: Ich wäre mehr als Gott. Ein solcher "Gott", mir als naturwissenschaftlichem Forscher untergeordnet, wäre ein lächerlicher Götze. Damit ist der für diesen Beweis nötige Widerspruch erreicht.)



    "Ich glaube an Gott" ist und bleibt eine Glaubensaussage, die durch kein naturwissenschaftliches Experiment abgesichert werden kann.

    Es ist sinnlos, dies zu versuchen.


    Auf der Seite des Glaubens spricht nichts dagegen, sich der Schöpfung zu freuen (allerdings wird man auch z.B. an Psalm 104,32 denken und darüber erschrecken, dass Gottes Blick Erdbeben und Vulkanausbrüche mit Tausenden von Toten auslösen kann. Die Schöpfung ist nicht so ideal, wie wir Christen sie gerne hätten. Die Schöpfung ist an manchen Stellen ausgesprochen brutal. Und ich erschrecke immer wieder, wenn Christen dies zu schnell und zu einfach abtun und vorgeben, sie hätten Antworten darauf...) und sich auf der anderen naturwissenschaftlichen Seite am Forschen zu beteiligen, wie das mit der Entwicklung gewesen sein könnte. Aber man wird dies immer mit dem Bewusstsein tun, dass man mit naturwissenschaftlichem Forschen niemals Gott erreichen kann, dass Gott in keiner naturwissenschaftlichen Formel und in keinem naturwissenschaftlichen Experiment und in keiner naturwissenschaftlichen Aussage vorkommen kann und will.



    Wenn man so weit ist, kann man gerne seinen Glauben bekennen und sagen: Ich glaube, dass Gott mich geschaffen hat und erhält, wie er auch die Welt geschaffen hat und erhält.


    Und man wird hinzufügen: Dieses Glaubensbekenntnis kann ich nicht beweisen, und im schlimmsten Fall wird sich sogar herausstellen können, dass es ein Irrglauben war.

    Wissen werden wir es erst, wenn wir vor dem Angesicht Gottes stehen. Und wenn es Gott nicht geben sollte, werden wir keine Gelegenheit haben, den Irrtum zu erkennen.

    Das ist die Kehrseite dessen, dass man Glaube und Gott nicht beweisen kann.

    An dieser Stelle kommt der Glaubenszweifel ins Spiel, und ich erinnere daran, dass Martin Luther daran festhielt, dass es Glaube ohne Zweifel nicht gibt.


    Und trotzdem werden wir mit Luther unsere Apfelbäumchen pflanzen, werden wir Gott vertrauen, dass er mit uns ein Ziel hat, und dass er sich etwas dabei gedacht hat, dass die Naturwissenschaftler tolle Theorien aufstellen können über die Entstehung der Welt.


    Dann wissen wir, dass wir unseren Glauben nicht verteidigen müssen, allenfalls verteidigt Gott uns gegenüber unseren Zweifeln. Wir wissen, dass naturwissenschaftliche Aussagen Gott nicht beweisen und nicht widerlegen können. Und wir werden glauben, dass Gott sich etwas dabei gedacht hat, als er uns und die Welt genau so geschaffen hat.

  • 1.  
    schrieb am 31.01.2009 22:50

    da es noch keinen Kommentar gibt, mach ich mal den Anfang...


    Schöner Erfahrungsbericht.

    Ich kenne diese Situation sehr gut, wenn es um die Rechtfertigung der christlichen Schöpfungsidee geht und die Gesprächspartner Dich zunächst für bemitleidenswert halten. Mein Erfolgsrezept ist einfach: ich behaupte, daß es ein mindestens genauso großes Maß an Glauben benötigt, an die zufällige Entstehung durch einen Urknall zu glauben, als es die Schöpfung durch einen persönlichen Gott an Glauben verlangt. Danach ist zumindest die Ausgangsituation ausgeglichen, denn es kann keiner mehr von sich behaupten, er würde den Verstand mehr für sich in Anspruch nehmen können als der andere.


    Auch ist mir der Gedanke, daß mir niemand meine Erfahrungen nehmen kann, die ich in meinem Leben durch Gottes Gegenwart mache, sehr tröstend. Wie Du schon sagtest, es geht um unser Leben, nicht um Zeitgeist.


    Gby,

    Frenky

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