Wir sind gerecht & Sünder – Gott sei Dank!

Wer kann von sich behaupten, dass er bisher in seinem Leben ohne die kleinste 
Sünde durchgekommen ist? Ich nicht. Vielleicht war sogar mal die ein oder andere größere Sünde dabei? 
Mit Sicherheit. Aber wer kann schon sagen, dass er alle diese kleinen und großen Verfehlungen seiner 
gesamten Familie brühwarm aufgetischt bekommen hat? Die Geschichte eines interessanten Abends …
  • Römer 3, 21 – 31

 

Diamantene Hochzeit – 60 Jahre Ehe. Meine Großeltern haben es geschafft. Und wir sind alle da, um zu feiern: meine Eltern und Geschwister, Tanten und Onkel, Cousinen und Cousins. Dass wir als Familie zusammenkommen, passiert nicht mehr so häufig. Berlin, Köln, Freiburg, Jena, Marburg – unsere Lebensmittelpunkte liegen weit auseinander. Aber meine Großeltern geben sich bei allen sich bietenden Möglichkeiten Mühe, um uns zu überzeugen, die weiten Wege zu fahren. Wir tun es dann auch immer wieder gerne.

Liebe Großeltern: Wie gut kennt ihr uns?

Zu einer ordentlichen Feier gehört auch ein ordentliches Programm. Neben musikalisch und dichterisch schönen und schrägen Beiträgen sind wir mit zunehmendem Alter dazu übergegangen, Spiele zu spielen. Wenn das Essen schwer im Magen liegt und der Abend immer später wird, dann ist eigentlich die beste Zeit, um spannungsreiche Familien-Wettkämpfe auszutragen. Am Abend der feierlichen Begehung der Diamantenen Hochzeit hatte sich meine Cousine ein besonderes Spiel ausgedacht: Liebe Großeltern, wie gut kennt ihr uns eigentlich?

Wir sind toll

In der Regel geht man davon aus, das meiste über seine Familie zu wissen. Über den Buschfunk wird ja auch so einiges mitgeteilt: neuer Job, gute Noten in einer Klausur, Wettbewerbsauszeichnung usw. Alles richtig gut. Wir sind doch toll. Nur hin und wieder sickert mal durch, dass kleinere Missgeschicke die positive Statistik trüben. Aber die sind eigentlich nicht der Rede wert. Doch es gibt auch kleine Fehltritte, die man nie zu hören bekommt.

Was keiner wusste ...

Das Spiel ging folgendermaßen: Meine Großeltern saßen mit dem Rücken zur Wand. Hinter ihnen erschienen Fragen, die nur das restliche Publikum sehen konnte. Wer diese Fragen beantworten konnte, durfte aufstehen. Meine Großeltern mussten raten, was die stehenden Verwandten gemeinsam hatten, um so darauf zu kommen, welche Frage hinter ihnen an der Wand stand.

Wir sind echt übel

Das Spiel begann: Wer spielt Geige? Vier standen auf. Meine Omi wusste schnell, dass diese vier eine Affinität zum Streichinstrument aufweisen. Wer ist schon mehr als dreimal geblitzt worden? Na, das sind aber wenige. Vielleicht haben einige einfach aufgehört zu zählen? Dafür erinnerten sich erstaunlich viele an Vergehen aus der Schulzeit. Der Besuch beim Direktor scheint in unserer Familie Tradition zu haben.

Die letzte Frage lautete: Wer hat schon einmal geklaut? Und da stand plötzlich die ganze Familie. Es dauerte eine Weile, bis meine Großeltern die böse Tat entlarvt hatten. Reihum musste jeder erzählen, was er entwendet hatte: Schokolade stand an oberster Stelle. Jeder von uns war groß darin, seinen kleinen Diebstahl auf die damaligen Freunde zu schieben. Handelte es sich hierbei doch immerhin um einen Verstoß gegen eines der Zehn Gebote – das ziemt sich für eine Pfarrersfamilie wenig. Da wollte man in keinem Fall alleine verantwortlich gemacht werden.

Dank der Barmherzigkeit Gottes

Wenn wir ganz ehrlich sind: Uns allen sind schon mal mehr oder weniger größere Fehler im Leben passiert – nichts läuft immer glatt, keiner ist immer perfekt. Aber wir haben Glück: „Simul justus et peccator“ (Zugleich gerecht und Sünder) hat der Reformator Martin Luther in seiner Rechtfertigungslehre geschrieben. Gott ist so barmherzig und nachsichtig mit uns, dass er uns trotz dieser Sünden gerecht spricht – wenn wir denn bereuen.

Das Leben wäre wesentlich uninteressanter

Offen gesagt: Das Leben wäre auch wesentlich uninteressanter – und die Diamantene Hochzeit meiner Großeltern weniger unvergesslich gewesen –, wenn es nicht diese Geschichten zu erzählen gäbe, die uns geprägt haben. Auch die Ehe meiner Großeltern war sicherlich nicht frei von ihnen. Aber sie hätte nicht so lange gehalten und wäre nicht so erfüllt gewesen, wenn Gott nicht immer wieder barmherzig gewesen wäre, alle diese kleinen und großen Sünden von uns zu nehmen und uns gerecht zu sprechen. Zugleich gerecht und Sünder – Gott sei Dank!

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