Wie mein Geld den Hunger in der Welt schürt

Weltweit leidet rund eine Milliarde Menschen an Hunger. Die meisten davon sind Kinder. Und die allermeisten davon leben sehr weit weg von uns. Doch trotzdem haben wir unseren Anteil an ihrem Hunger. Nämlich durch unser Geld bei Banken, die mit Lebensmittelspekulationen Profit machen. Denn Wetten auf Lebensmittel sind eine der Ursachen für steigende Lebensmittelpreise und Nahrungsknappheit.
  • Foto: flickr/kadluba

 

Etwa jeder siebte auf dieser Welt leidet an Unterernährung. Alle drei Sekunden stirbt jemand an Unterernährung. Zwar lebt ein Großteil der Hungernden in Entwicklungsländern, aber auch in den USA haben nach einer Studie der Organisation „Feeding America“ rund 37 Millionen Menschen - knapp die Hälfte der Einwohnerzahl Deutschlands - nicht genug zu essen.

Menschengemachter Hunger

So viel zu den nakten Fakten, die recht bekannt sind. Überraschender mögen die Ursachen für den Hunger in der Welt sein. Dazu gehört natürlich die zunehmende Nachfrage nach Essen durch steigende Bevölkerungszahlen und Biosprit, die Verteuerung von Dünger und Erdöl und die allgemeine Lebensmittelknappheit. Zu den Ursachen gehören aber auch die Finanzmärkte. Denn dort wird seit 2003 immer mehr mit Lebensmitteln spekuliert.

Dadurch steigen die Lebensmittelpreise und die knapp 3 Milliarden Menschen auf der Welt, die mit weniger als zwei Dollar pro Tag auskommen müssen, können sich ihr Essen kaum noch leisten. So stieg die Zahl der hungernden Menschen nach Schätzungen der Weltbank 2009 um 40 Millionen im vergleich zum Vorjahr, weil alltägliche Lebensmittel teurer geworden waren.

Mein Anteil

Was hat das nun mit mir zu tun? Ganz einfach: Ich habe ein Konto bei einer Bank X, diese Bank verwendet mein Geld, um mehr Geld zu verdienen (dafür bekomme ich dann als Dank ein paar Prozent Zinsen auf mein Konto). Und dieses Geld verdienen manche Banken unter anderem mit Investitionen in Lebensmittel. So investiert Bank X beispielsweise in Weizen und hofft darauf, dass die Weizenpreise demnächst steigen, damit sie ihre Anlagen dann für mehr Geld wieder verkaufen kann. Und damit ist Bank X nur eine von vielen, die ihr Geld auf den Rohstoffmarkt pumpen.

Je mehr Anleger aber auf Lebensmittel setzen, desto mehr steigen auch die Lebensmittelpreise – die Nachfrage scheint ja ebenfalls gestiegen zu sein. Im Gegensatz zu den Spekulanten an der Börse, die statt des Weizens selbst nur an dessen Preis interessiert sind, brauchen die Menschen in armen Ländern den Weizen aber ganz real – und können ihn sich dann kaum noch leisten.

Spekulanten nehmen Nahrungsmittelknappheit in Kauf

Zudem wird bei solchen Spekulationen mitunter realer Weizen eingekauft und irgendwo gelagert, um den Preis in die Höhe zu treiben. Dieser Weizen fehlt natürlich in den Töpfen derer, die nicht genug zu essen haben. Auch Lebensmittelknappheit wird so von den Lebensmittelspekulanten in Kauf genommen. Und all das mit meinem Geld.

„Unethischer Wettgegenstand“

Hans Bass, Professor für Volkswirtschaft an der Universität Bremen, nennt Lebensmittel darum einen „unethischen Wettgegenstand“. Denn es ist ein bekannter Effekt an den Rohstoffmärkten: Je mehr in Nahrungsmittel investiert wird, desto mehr steigen auch die Nahrungsmittelpreise.

„Hände weg vom Acker, Mann“

Der gleichen Meinung wie Professor Bass sind laut einer Studie der Verbrauchschutzorganisation foodwatch auch 84 Prozent der Deutschen. Foodwatch hat deswegen die Aktion „Hände weg vom Acker, Mann“ ins Leben gerufen, die Josef Ackermann als Vorsitzenden der Deutschen Bank AG und Präsident des Weltbankenverbandes IIF, dazu auffordert, Lebensmittelspekulationen zu unterlassen.

„Unethische Banken“

Doch nicht nur die Deutsche Bank mischt fleißig mit. Auch die Commerzbank, Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken sind laut einem ARD-Bericht an Lebensmittelspekulationen beteiligt. Die Aktion von foodwatch zeigt aber Wirkung: Ackermann will jetzt prüfen, wie sich die Lebensmittelspekulationen der Deutschen Bank auf die Hungernden der Welt auswirken und im Frühjahr 2012 entsprechende Konsequenzen ziehen. Doch so lange müssen wir nicht warten. Jeder, der sein Geld auf einem Konto hat, kann selbst etwas tun.

Der Bank die eigenen Bedenken deutlich mitteilen

Denn an Lebensmittelspekulationen sind wir alle beteiligt – sofern wir ein Konto bei einer der Banken haben, die mit solchen Praktiken reicher werden. Ein erster Schritt in die richtige Richtung ist, sich bei seiner Bank zu informieren, ob sie auch in Lebensmittel investiert – und deutlich zu sagen, dass einem das nicht passt.

Zu alternativen Banken wechseln

Wer dann sein Geld lieber nachhaltig und sozialverträglich anlegen will, sollte bei sogenannten alternativen Banken ein Konto eröffnen. Diese Banken legen ihr Kapital nach ökologischen und sozial-verantwortlichen Kriterien an. So zum Beispiel die GLS Gemeinschaftsbank aus Bochum, die in soziale und ökologische Projekte investiert. Wer langfristig und nachhaltig Geld anlegen will, kann sich auch über Anlagen bei der Ökumenischen Entwicklungsgenossenschaft informieren. Die vergibt faire Kredite an Unternehmen in Entwicklungsländern.

Die Verzinsung ist bei solchen Banken natürlich geringer als bei den großen Kreditinstituten. Dafür bleibt aber das Wissen, mit seinem Geld niemandem geschadet zu haben. Und wer zu einer alternativen Bank wechselt, sollte seine alte Bank unbedingt wissen lassen, warum sie einen Kunden verloren hat.

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1 Kommentar wurden bereits abgegeben

  • 1.  
    schrieb am 06.12.2011 12:43

    Danke für den Bericht! Bin selbst seit einiger Zeit bei der GLS-Bank und hoffe, dass sich noch viele "Wutbürger" und Idealisten anschließen! Schließlich ist dies ein kleiner Schritt, der nicht weh tut und nur etwas Schreibarbeit erfordert.

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