Wie Fußball das Leben verändern kann
In den letzten Wochen hat ganz Deutschland gespannt die Fußball-Europameisterschaft in Polen und der Ukraine verfolgt. Hierzulande verbinden wir mit dem runden Leder in erster Linie Sport und Spaß. Für Jugendliche in Kambodscha hat es hingegen vor allem ein Ziel: Sie von der Straße zu holen. Diesen Traum setzt der Schweizer Profi-Fußballtrainer Samuel Schweingruber seit einigen Jahren erfolgreich um – mit Unterstützung des christlichen Hilfswerks Geschenke der Hoffnung. Ein Beitrag von Anja Wetzel.
Die Sonne prallt auf den Trainingsplatz in Battambang, Kambodscha, herab. Das Thermometer zeigt 35 Grad. Kinder kicken ausgelassen mit einem Fußball. Doch die brütende Hitze scheint sie ebenso wenig zu stören wie die Tatsache, dass sie kein Wasser haben. Das Spiel ist für die Mädchen und Jungen eine willkommene Abwechslung in ihrem herausfordernden Alltag: Sie kommen aus den umliegenden Dörfern und leben dort in großer Armut – der Tagesverdienst liegt im Durchschnitt bei knapp 40 Cent.
An Fußball war gar nicht zu denken
Bis vor wenigen Jahren war strukturiertes Training in Kambodscha gar nicht möglich: An Fußball war unter der Schreckensherrschaft der Roten Khmer in den 1970er Jahren und später im Bürgerkrieg nicht zu denken. Durch die jahrelang unsichere Lage konnten sich keine organisierten Strukturen für diesen Sport herausbilden. Auch geschulte Trainer und Schiedsrichter fehlten, als Samuel Schweingruber 2003 im Alter von 23 Jahren bei einem Einsatz der christlichen Organisation „Jugend mit einer Mission“ nach Kambodscha kam.
Mit Fußball benachteiligten Kindern helfen
Aus den ursprünglich geplanten zwei Monaten wurden zwei Jahre. In dieser Zeit entwickelte sich der Traum des Fußballtrainers und Grundschullehrers zu einem klaren Bild: Er wollte zukünftig in Kambodscha den Spaß und die Gemeinschaft beim Fußball nutzen, um benachteiligten Kindern zu helfen und positiven Einfluss auf sie zu nehmen. Sein Ziel: Hoffnung wecken bei denen, die oft keine Hoffnung haben.
Von der FIFA anerkannt
2006 schließlich war es soweit: Der Christ rief die Fußballschule „SALT Akademie“ ins Leben. Die Abkürzung SALT steht dabei für „Sport- und Leiterschaftsprogramm“. Von Samuel und seinen Mitarbeitern geschulte junge Erwachsene aus der Region trainieren seitdem tausende Kinder zweimal die Woche im Fußballspielen. Vor dem Spiel kommt das ganze Team zusammen und erfährt mehr über Respekt, Fairplay, HIV/Aids, Drogen, Alkohol und die Gefahren des Menschenhandels. Ziel der Fußballschule, die auf Basis biblischer Werte arbeitet, ist, das Selbstvertrauen der Mädchen und Jungen zu stärken und sie zu einem positiven Verhalten zu motivieren. Partner sind neben Schulen und Nichtregierungsorganisationen (NGOs) auch häufig Kirchen, die auf diese Weise eine Plattform für ihre Jugendarbeit erhalten.
Inzwischen gibt es sogar ganze Fußball-Ligen der „SALT Akademie“ gibt es in den Städten Battambang, Poipet und Pailin. Das Projekt hat großen Zulauf. Allein 2011 spielten über 3.000 Jugendliche und junge Erwachsene mit. Und: Die Trainer und Schiedsrichter bei SALT zählen zu den besten im Land und sind auch von der FIFA – dem Weltverband des Fußballs – anerkannt.
Bildung ist in Kambodscha für Frauen nicht vorgesehen
Im Laufe der letzten Jahre spezialisierten sich Samuel und sein Team auf Frauenfußball – ein außergewöhnliches Engagement in Kambodscha, denn dort ist die Rolle der Frau noch stark an die Familie gebunden. Eine tiefgehende Schulbildung ist für Frauen nicht vorgesehen. Um Mädchen eine Chance auf eine bessere Arbeitsstelle zu geben, bietet SALT zusätzlich zum Fußballtraining Schulunterricht an – mit Erfolg: Viele der jungen Frauen sind mittlerweile die besten Schüler ihrer Klasse.
Von der Haussklavin zur Profi-Fußballerin
Eine der Trainerinnen der SALT-Kicker, für die Samuel große Hoffnung hegt, ist die 19-jährige Nipha. Sie ist ein großes Vorbild für die Kinder – denn sie hat einen Weg aus einem aussichtslos erscheinenden Leben gefunden: Mit 12 Jahren fiel sie Menschenhändlern zum Opfer und musste als Haussklavin in Thailand Schwerarbeit verrichten. Sie floh und landete in Battambang. Dort lernte sie die SALT Akademie kennen und ließ sich vom Fußball begeistern. Heute ist Nipha Kapitänin der „Mighty Girls“, der erfolgreichsten Mädchenfußballmannschaft Kambodschas, die von Samuel trainiert wird. Der übrigens spielte als Jugendlicher Fußball beim Schweizer FC Frauenfeld – dort, wo einst Jogi Löw seine Trainerkarriere begann.
Wer Samuels Projekt unterstützen möchte, kann eine SMS mit dem Stichwort TEAMGEIST an die 81190 senden (2,99 pro SMS zzgl. Versand) oder sich online unter über das Projekt „Kambodscha: Startschuss“ informieren und spenden.


