Wie feiern junge Christen Weihnachten?
Gemütlich mit der Familie zusammensitzen? Die freien Tage zum Verreisen nutzen? Oder eine Bescherung mit Freunden? Idealisten.net hat sieben junge Christen gefragt, wie sie Weihnachten feiern – und was ihnen das Fest bedeutet.
Die einzige Christin in der Familie
Bei mir daheim wird Weihnachten im kleinen Kreis gefeiert. An Heiligabend gehen wir gemeinsam in den Gottesdienst – und das, obwohl nur ich in meiner Familie Christ bin. Vielleicht tun es die anderen mir zuliebe, vielleicht aus Tradition – wohl von beidem ein bisschen. Am Weihnachtsfest ist es für mich deshalb immer eine Herausforderung, mich auf das zu besinnen, worum es eigentlich geht: das Kind in der Krippe. In den letzten Wochen hat mich sehr beschäftigt, was damals passiert ist: Gott gibt sein Liebstes, nur damit ich später einmal bei ihm sein kann. Ich möchte mich dieses Jahr darauf besinnen, dankbar und hoffnungsvoll für dieses Geschenk Gottes zu sein – und meine Familie auch etwas davon spüren lassen.
Conny Weihmüller(20), Lehramtsstudentin an der Pädagogischen Hochschule in Heidelberg
Ich muss fliegen
Als Flugbegleiterin muss ich auch an Feiertagen fliegen. So werde ich dieses Jahr Weihnachten in Boston (USA) verbringen – begleitet von meinem Mann. Dort wollen wir an Heiligabend einen Gottesdienst besuchen und im Kollegen-Kreis ein festliches Abendessen genießen. Weihnachten bedeutet für mich, dass Jesus, der Sohn Gottes, für uns Menschen auf die Welt gekommen ist. Ich merke, dass die Art, wie Weihnachten um mich herum gefeiert wird – mit Weihnachtsmann, aufwendigem Schmücken und jeder Menge Geschenke – mich von der eigentlichen Bedeutung des Festes ablenkt. Deshalb habe ich mich entschieden, diese Dinge bleiben zu lassen. Was ich aber jedes Jahr besonders genieße, ist das Treffen mit der ganzen Familie, das diesmal wegen meiner Arbeit schon ein paar Tage vor Weihnachten stattfindet.
Vesna Buchner (31) Flugbegleiterin aus München
Ich bin gespannt auf das baltische Weihnachtsfest
Da ich momentan ein Freiwilliges Soziales Jahr in einer litauischen Gemeinde absolviere, werde ich erstmals Weihnachten ohne meine Familie feiern. Stattdessen habe ich die Möglichkeit, das Fest in Klaipeda (bis 1945 die deutsche Stadt Memel), ungefähr 200km von Kaunas entfernt, mit einer Familie zu verbringen, die mir hier ans Herz gewachsen ist. Ich bin gespannt, wie das Fest aussieht im katholischen Litauen, das einst erzwungen atheistisch war, weil es bis 1991 sowjetisch besetzt war. Geschenke gibt es jedenfalls erst am 1. Weihnachtsfeiertag, dafür an Heiligabend ein Essen, das aus zwölf verschiedenen Speisen besteht – für jeden Monat eine. Ich plane auch einen Besuch am vielleicht schneebedeckten Ostseestrand. Obwohl ich nächste Woche „kaledu senelis“ (Weihnachtsmann) in der Jugendstunde sein werde, bereits einige Geschenke besorgt habe und es in Kaunas einen kleinen Weihnachtsmarkt gibt, kommt bei mir bisher keine besondere Stimmung auf. Meine Vorfreude ist ehrlich gesagt mehr auf die Weihnachtsfeier, das Essen und die Geschenke fixiert, als darauf, den Geburtstag von Jesus zu feiern. Die letzten Jahre wurde mir meist erst spät am Heiligabend die eigentliche Bedeutung des Festes richtig bewusst.
Simon Schwarz (21) macht ein FSJ in der Freien Christengemeinde Kaunas (Litauen).
Die Familie kommt zusammen
Seit ich denken kann, war Weihnachten immer die schönste Zeit im Jahr für mich. Dazu gehört auf jeden Fall der Weihnachtsbaum, bunt hergerichtet mit viel Schmuck, den ich über die Jahre von Freunden geschenkt bekommen und gesammelt habe. Und leckeres Essen während der Feiertage ist natürlich ein Muss! Doch das Wichtigste an Weihnachten ist für mich, dass Jesus zu uns auf die Erde gekommen ist und wir dadurch eine Beziehung zu Gott haben können. Das feiere ich am liebsten gemeinsam mit meiner Familie.
Maike Kraft (28) aus Flensburg arbeitet bei der christlichen Film- und TV-Produktionsfirma „Lifehouse Film“ und für das Missionswerk „Mission of Hope Haiti“.
Ich helfe beim „Weihnachtsfest für Alleinstehende“
Ich verbringe Weihnachten jedes Jahr bei meiner Familie. Am Heiligabend gehen wir zusammen in den Gottesdienst, essen gemeinsam und dann gibt`s Geschenke. Leider kann ich mich da meist nicht auf das ,,wirkliche Weihnachten“ besinnen. Deshalb bin ich die letzten Jahre am 2. Weihnachtstag immer zu einem Weihnachtsanbetungsgottesdienst gegangen. Dort kam ich zur Ruhe und konnte mich auf Gott konzentrieren. Dieses Jahr fragte mich eine Freundin, ob ich ihr nicht bei einem Weihnachtsfest für Alleinstehende helfen wolle. Natürlich sagte ich ja. Wir wollen mit den Menschen, die allein sind, Gemeinschaft haben und werden mit ihnen essen, eine Andacht hören und Lieder singen.
Michaela Rogler (22) lebt in Nürnberg und studiert Soziale Arbeit
Die Geschenke passen nicht alle unter den Baum
Zurzeit arbeite ich im Rahmen meines Studiums in Montréal als Radiomoderator und komme nicht so oft nach Deutschland. Deshalb freue ich mich besonders darauf, an Weihnachten bei meinen Eltern zu sein und Zeit mit der Familie zu verbringen. Außerdem kommen um die Weihnachtszeit auch die meisten meiner Freunde zurück in die „alte Heimat“, so dass wir uns sicherlich treffen werden. An Heiligabend gibt es am späten Nachmittag Abendessen, danach machen wir eine Andacht im Familienkreis und singen zusammen. Anschließend kommt die Bescherung: Mit der Jüngsten anfangend darf jeder nach und nach ein Geschenk unter seiner Decke hervorholen – unsere siebenköpfige Familie ist einfach zu groß, als dass alle Geschenke unter den Baum passen würden. Später lassen wir den Heiligabend in der Christmette der evangelischen Kirche besinnlich ausklingen. Dort treffe ich dann auch viele meiner Freunde aus unserem kleinen Dorf wieder. Eine besondere Tradition ist es, dass sich die Männer (und auch einige Frauen) der Gemeinde „zwischen den Jahren“ treffen, um in der Sporthalle Fußball zu spielen.
Jochen Geck (23) stammt aus Pohlheim-Holzheim und arbeitet momentan in Montreal als Radiomoderator
Ich denke zuerst ans Heimkommen
Da ich seit zweieinhalb Monaten nicht mehr zu Hause wohne und auch nicht mehr zu Hause war, denke ich bei „Weihnachten“ zunächst ans Heimkommen, die vertraute Umgebung und vertraute Menschen. Ich freue mich auch total auf das ganze „Drumherum“: die Stimmung, die Lieder, unser bis auf den letzten Millimeter ausgenutztes Gemeindehaus zum Weihnachtsgottesdienst, unser ausführliches Familienabendessen an Heiligabend und auch das Geschenkeverteilen! Aber das ist eben nur das „Drumherum“. Als wir vor kurzem auf Weihnachtsmärkten eine Umfrage gemacht haben, was Weihnachten den Menschen bedeutet, habe ich auch angefangen, mich selbst zu hinterfragen: Was bedeutet mir das Fest? Und dabei wurde mir bewusst, was für eine krasse Idee Gottes Weihnachten eigentlich ist: Da kommt er, dem unsere Erdkugel vermutlich unter den kleinen Fingernagel passt, auf diese Erde herunter – und das nur aus Liebe! Wenn man sich dessen bewusst wird, ist Weihnachtsfreude nicht etwas, das am 27. Dezember wieder vorbei ist ...
Julia Bothe (19) besucht die „Fire Mountain Training School“ in Bad Liebenzell


