Wie ein Schuhkarton den Glauben brachte
Vor 10 Jahren hatte Marlena Dobrowolskas Familie weder fließendes Wasser noch eine eigene Toilette. Weil ihre Eltern arbeitslos waren, bekam das Mädchen bei „Weihnachten im Schuhkarton“ ein Päckchen – und fand dadurch zum Glauben. Heute geht es ihrer Familie deutlich besser – und die 21-jährige Polin engagiert sich selbst für Kinder und Jugendliche. Lies Ihre Geschichte:
Das Geld reichte mitunter nicht einmal fürs Essen
Einen Dolmetscher braucht sie nicht – Marlena Dobrowolska spricht fließend Deutsch. Dass sie einmal durch Deutschland reisen und von ihrem Leben berichten würde, hätte die 21-jährige Polin aus Lodz vor 10 Jahren nicht für möglich gehalten. Damals reichte in ihrer Familie das Geld mitunter nicht einmal fürs Essen. „In unserer Wohnung gab es kein fließendes Wasser und wenn wir auf Toilette wollten, mussten wir immer in den Hof rausgehen,“ erzählt sie. Da ihre Eltern – der Vater gelernter Automechaniker, die Mutter Verkäuferin – arbeitslos waren, erhielten sie Sozialleistungen.
Eines Tages kam vom Sozialamt die Einladung zu „Weihnachten im Schuhkarton“, einer Aktion, bei der in einer kleinen Freien evangelischen Gemeinde Weihnachtsgeschenke an bedürftige Kinder verteilt wurden. Jedes Jahr werden so weltweit über acht Millionen Päckchen an Kinder in Not verschenkt. In Deutschland, Schweiz und Österreich wird die Aktion vom christlichen Hilfswerk „Geschenke der Hoffnung“ organisiert.
Begeistert vom lebendigen Glauben
„Am meisten habe ich mich über die Schulhefte in meinem Karton gefreut“, erinnert sich Marlena. Mit dem Päckchen bekam ihre Familie gleich noch eine Einladung zum Gottesdienst der Gemeinde. Als sie den besuchten, war Marlena sofort begeistert. Es war zwar nicht das erste Mal, dass sie mit dem Glauben in Berührung kam: Von klein auf war sie katholisch erzogen worden. Doch mit Gott konnte sie trotzdem nur wenig anfangen. „99 % der Polen sind Katholiken. Doch was ich als Kirche erlebt hatte, waren vor allem starre Traditionen“, sagt Marlena. „In der Freien evangelischen Gemeinde dagegen spürte ich lebendigen Glauben. Die Menschen sagten etwas und handelten auch danach. Sie wollten uns von Anfang an helfen.“
Endlich fließendes Wasser
Bald schon besuchte die Familie regelmäßig die Gemeinde. Marlena nahm an Sonntagschule, Kinderlagern und Mädchentreffs teil. Außerdem begann sie, in der Bibel zu lesen und zu beten. Mit 14 ließ sie sich taufen. „Seit ich Jesus kennengelernt habe, hat sich unglaublich viel in meinem Leben verändert.“ Zwar ist das Geld auch heute noch manchmal knapp, doch der 6-köpfigen Familie von Marlena geht es viel besser. „Wir haben jetzt eine Toilette, fließendes Wasser und auch eine größere Wohnung. Und mein Vater betreibt wieder eine eigene Autowerkstatt – auch wenn die Aufträge nicht immer regelmäßig reinkommen“, erzählt sie fröhlich – und fügt etwas betrübt hinzu: „Leider kommen meine Eltern und Geschwister inzwischen nicht mehr mit zur Gemeinde. Warum, weiß ich auch nicht.“
Engagiert in der Kinder- und Jugendarbeit
Die 21-jährige hingegen engagiert sich nun mit vollem Einsatz selbst für die Kinder- und Jugendarbeit. Sonntagsschule, Jugendtreff, Mädchentreff, Hauskreis, Kinder- und Jugendlager – überall arbeitet sie mit. Sie ist inzwischen – laut ihrem Pastor – sogar eine der wichtigsten Mitarbeiterinnen der Gemeinde. Zudem fängt sie im kommenden Monat eine dreijährige, kostenlose Bibelschulausbildung an. Dafür wird sie einmal im Monat für ein Wochenende ins über 200 km entfernte Bydgoszcz fahren.
Zwei völlig unterschiedliche Welten
Auch beruflich möchte die Polin mal mit Kindern arbeiten – als Deutsch-Lehrerin. „Die Sprache fasziniert mich. In der Gemeinde bringe ich sie schon den Kindern bei – das macht mir unglaublich viel Spaß.“ Und so ist ihr Besuch in Deutschland für die Germanistik-Studentin etwas Besonderes – auch weil sie hier mit einem ganz anderen Lebensstandard konfrontiert wird: „Polen und Deutschland sind zwei völlig unterschiedliche Welten“, stellt sie fest.
Armen Kindern helfen und den Glauben weitergeben
Doch auch wenn es ihr hier sehr gut gefällt – den Wunsch, die ärmlichen Verhältnisse hinter sich zu lassen und vielleicht nach Deutschland zu gehen, hegt Marlena nicht. Was sie durch „Weihnachten im Schuhkarton“ und das Kennenlernen eines lebendigen Glaubens erfahren hat, will sie auch weitergeben: „Ich möchte auf jeden Fall in Polen bleiben, um armen Kindern zu helfen und von meinem Glauben zu erzählen. Am meisten wünsche ich mir aber, dass meine Familie wieder zu Jesus findet. “


