Wie Du dem Schönheitswahn entfliehen kannst
Depressionen, Selbstzweifel, Magersucht und Schönheits-OPs - die Folgen des Schönheitswahns sind vielseitig. Und schädlich. Den Bildern, die uns im Fernsehen, auf Plakatwänden und in Zeitschriften einen vermeintlichen Spiegel vorhalten und uns sagen, wir müssten schöner sein, können wir kaum entrinnen. Helfen kann dagegen nur ein gesundes Selbstbewusstsein. Und das Wissen, dass jeder Mensch anders schön ist.
Meistens sind es junge Menschen, die dem Schönheitswahn ausgeliefert sind. Mädchen, die sich mit ihren Idolen in Bravo und Co. vergleichen, Jungen, die immer noch einen Kopf kleiner als die Klassenkameraden sind. Wenn das Selbstbewusstsein nicht ausgeprägt genug ist, können diese Vergleiche nicht nur jungen Menschen in ihrer Entwicklung schaden.
Mollig ist schön
Dagegen anzugehen ist nicht einfach. Wir vergleichen uns automatisch – mit den retuschierten Gesichtern auf Werbeplakaten, aber auch mit Menschen in unserem Umkreis. Doch wenn wir den Blick in ein anderes Land oder eine andere Zeit werfen, relativiert sich unser Schönheitsbild. Noch Anfang des 20. Jahrhunderts galten mollige Frauen als das Nonplusultra, auch in den meisten nicht-westlichen Ländern dieser Welt werden korpulentere Frauen als schöner angesehen als dünne. Denn sie gelten als gesund und fruchtbar. Eine helle Haut und große Augen sind ebenfalls in den meisten nicht-westlichen Ländern ein bedeutendes Schönheitsmerkmal.
Die eigene, natürliche Schönheit wirken lassen
Doch egal, was gerade angesagt ist, ob Wespentaille oder Speckröllchen – Schönheit ist individuell! Und wenn Übergewicht (ab einem Body-Mass-Index von 25) und „Schönheitsfehler“ nicht gerade ein medizinisches Problem darstellen, sollte jeder lernen, die eigene, natürliche Schönheit wirken zu lassen. Und die kommt tatsächlich auch von innen. Wer zufrieden mit sich und seinem Leben ist, der strahlt nach außen, dessen Lachen steckt an und überschattet alles, was als Schönheitsfehler gelten könnte.
Diese Zufriedenheit kann man lernen, auch wenn es Zeit braucht, die festgefahrene Einstellung zu sich und seinem Körper zu ändern. Eine tägliche Übung könnte sein, sich vor den Spiegel zu stellen und alle negativen Gedanken auszublenden. Ein liebevoller Blick auf den eigenen Körper – so wie eine Mutter ihr Kind und wie Gott jeden Menschen anschaut – hilft, das eigene Selbstbild zu verändern.
Die Schönsten sind oft nicht die Glücklichsten
Helfen kann auch, all die retuschierten Models und Stars einmal anzuschauen, wenn sie kein Make-Up tragen oder ihr Foto aufwändig bearbeitet wurde. Das Internet hilft dabei. Niemand ist im echten Leben so perfekt, wie Photoshop ihn aussehen lässt. Statt sich mit Menschen in den Medien zu vergleichen, wäre es außerdem realistischer, sich im Freundes- und Bekanntenkreis umzuschauen, wenn man sich schon vergleichen will: Wie viele haben tatsächlich die perfekte Figur? Wer entspricht wirklich dem gängigen Schönheitsideal unserer Zeit? Und wenn sich da im echten Leben tatsächlich jemand findet – ist der glücklich? Oft sind es gar nicht die Schönsten, die den liebevollen Partner gefunden haben, den erfüllenden Job und die schönste Wohnung. Das sind nämlich doch meist eher die, die wissen, was sie wollen, und mit sich selbst zufrieden sind – genau so, wie Gott sie schuf.
Lies auch den ersten Teil dieses Beitrags, der darstellt, wie der allgegenwärtige Schönheitswahn gemacht wird und was er für Auswirkungen auf viele junge Menschen hat.
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1.schrieb am 19.06.2012 14:31
Hmmm .... Ich bin etwas zwiegespalten was diesen Artikel anbelangt. Einerseits stimmt es natürlich: Dass in unserer Gesellschaft ein so uniformes Schönheitsideal verbreitet ist, ist auch aus meiner Sicht bedenklich. Es gilt das ja nicht nur in Bezug auf das Gewicht, sondern eben auch leider in Bezug auf alle möglichen anderen Belange – wie etwa auch das Aussehen des Gesichtes (von wenigen Ausnahmen mal abgesehen scheinen mir ungeschminkte Frauengesichter wesentlich hübscher als all die zugepuderten „Plastik-Batzen“, die einem in den Straßen dieser Tage entgegenkommen). Echte Menschen aber sehen nun mal verschieden aus, und gerade diese Vielfalt macht die Menschen aus meiner Sicht interessant. Aus eben diesem Grund kritisiere ich ja auch u. a. bei jeder möglichen Gelegenheit, die sich mir bietet, dieses Schundwerk von „Serie“, das sich Germanys Next Topmodel nennt.
Zusätzlich wichtig fände ich noch die Kritik an der übersteigerten Sexualisierung der Plakat-Models. Dass es in einer Zeit, in der Frauen eigentlich bereits als gleichberechtigte Subjekte wahrgenommen werden, weiterhin noch – oder wenn man ehrlich ist sogar noch mehr als früher – gang und gäbe ist, Frauen auf Plakaten und in Fernsehspots – auch und ins besondere im öffentlichen Raum – als Objekte von Sexualfantasien als Kaufreiz zu präsentieren, ist schon wirklich merkwürdig und bedenklich.
ALLERDINGS:
Die Aussage „[n]och Anfang des 20. Jahrhunderts [hätten] mollige Frauen als das Nonplusultra [gegolten]“ ist schlichtweg FALSCH – zumindest für die europäische Geschichte. Diese Behauptung findet man zwar häufig, aber dadurch, dass man etwas häufig wiederholt, wird es auch nicht richtiger. Abgesehen von der frühesten Urzeit in der wohl weibliche Göttinen in der Regel dick waren (bzw. zumindest so dargestellt wurden – vermutlich weil man Dicksein mit Schwangerschaften in Verbindung brachte und diese – evtl. aus Unkenntnis über den Zusammenhang von Zeugung und Geburt – als göttliches [da Leben-Schaffendes] Element im Weiblichen identifizierte), war Schlankheit in quasi ALLEN Epochen – aus welchen Gründen auch immer – Schönheitsideal. Bereits die alten Mykener, Griechen und Römer stellten neben ihren Königen und Kaisern (die, hätten sie dick sein wollen, ja durchaus die Mittel dazu gehabt hätten) sogar ihre Götter – bis hin zu den Liebesgöttinen – i. d. R. als jung, muskulös und schlank dar. Dies gilt ebenso für das Mittelalter. (Neben Bauern – die da verarmt freilich eh dürr waren – wurden hier auch Adelige, aber auch Heilige und Kirchenleute i. d. R. als schlank oder als normalgewichtig dargestellt. Sowohl Adelige als auch Kirchenleute hatten eigentlich die Mittel, sich den Wanst voll zu schlagen – und taten dies in der Realität wohl auch. Man muss also auch hier von einer Idealvorstellung ausgehen.) Nach dem muskulösen „griechischen“ Idealkörper der Renaissance wandelte sich im Barock das Ideal kurzzeitig hin zum „Vollweib“ – der molligen Frau mit Rubensfigur. Wirklich arg „dicke“ bzw. „fette“ Personen galten allerdings in der europäischen Kultur noch nie als hübsch. In außereuropäischen Kulturen war das in der Geschichte zugegebenermaßen anders, hier galten in 62% der Fälle dicke Personen als besonders attraktiv. (vgl. J. L. Anderson, C. B. Crawford, J. Nadeau, J. Lindberg: Was the Duchess of Windsor right? A cross-cultural review of the socioecology of ideals of female body shape. In: Ethology and Sociobiology. 13, 1992, S. 197–227).
Auch Magersucht ist kein Problem, das einzig in jüngerer Zeit existent ist. Die auf Schlankheit getrimmten Ideale Europas und Asiens führten auch in vergangenen Zeiten zu diesem Problem. Die Konkurbinen der chinesischen Tang Dynastie waren i.d. R. untergewichtig [vgl. Was ist was: Das Alte China] und von Kaiserin „Sisi“ ist bekannt, dass sie sich vor jedem Essen wiegen lies, und ihre Diener Anweisung hatten ihr bei einem Gewicht von über 50 kg – bei einer Körpergröße von 1,72 (!!!) – nichts zu Essen zu gaben [vgl. u.a. www.spiegel.de/spiegel/print/d-14318140.html].
Zu Recht ist hier an Untergewicht die krankhafte, selbstzerstörerische und gefährliche Seite herausgestellt. Bedenklich ist aber, dass – so bald die Sprache auf Übergewicht kommt – dieses implizit als normal dargestellt wird.
Tatsache ist: Sowohl Magersucht/Bulemie/Anorexia nervosa etc. (BMI von unter 18,5) als auch Übergewicht/Präadipositas (BMI über 25) und Fettleibigkeit/Adipositas (BMI über 30) sind gesundheitlich gefährlich; sowohl Magersucht als auch Fettleibigkeit setzen die Lebenserwartung in nicht geringem Rahmen herab, und auch ‚normales‘ Übergewicht hat nicht zu unterschätzende gesundheitliche Langzeitfolgen, wie etwa Gehprobleme im Alter.
In Sachen Epidemiologie und Ausbreitung stellt hierbei krankhaftes Übergewicht sogar ein WEITAUS größeres Problem dar, als krankhaftes Untergewicht. Die Verbreitung der Magersucht an und für sich wird in der Regel zwischen 3,5-5 % [vgl. www.magersucht-online.de/presse/presseinformationen/presseinformation_zahlen.pdf - Verrechnete Zahlen der Universität Ulm] angenommen. Die Wahrscheinlichkeit, während des ganzen Lebens mindestens ein Mal an Magersucht zu erkranken, beträgt – trotz der von der Uni Bielefeld harausgefundenen gestörten Selbstwahrnehmung) –für Frauen „nur“ ca. 1-7 %. Entgegen häufiger gegenläufiger Annahmen ist die Erkrankungsrate auch in jüngerer Zeit kaum darüber hinaus angestiegen [vgl. www.essstoerungs-netzwerk.de/anorexie.html].
Zum Vergleich: [Krankhaft] Übergewichtig sind nach einer Studie des Robert-Koch-Institutes 15,0 % der Kinder in Deutschland im Alter von 3-17 Jahren – und 6,3 % sind sogar fettleibig [vgl. B.-M. Kurth, Rosario A. Schaffrath: Die Verbreitung von Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland. In: Bundesgesundheitsblatt. 2007 Mai-Juni; 50(5-6), S. 736-743.] Bei den Erwachsenen liegt der Prozentsatz an krankhaft übergewichtigen Menschen sogar noch höher. Nach einer Statistik der zuständigen EU-Kommission aus dem Jahr 2010 geht hervor, dass 59,7 % (!) aller Erwachsenen Bundesbürger krankhaft übergewichtig sind [vgl. www.berlin.de/special/gesundheit-und-beauty/nachrichten/1274772-211-%C3%BCbergewichtdeutschesinddickespitzeineur.html]. An Fettleibigkeit leiden je nach Studie immerhin noch zwischen 11,3-12,3 % und 17,1-19,0 % der Erwachsenen Bevölkerung [vgl. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Statistisches Jahrbuch 2005. S. 238].
Freilich mindern diese Zahlen nicht die Gefahr, die von krankhaftem Untergewicht ausgeht. Aber sie zeigen doch ganz deutlich, dass krankhaftes Übergewicht ein mindestens ebenso großes Problem darstellt.
Heißt das, dass ich will, dass jeder exakt gleich aussieht, und niemand seine Fettpölsterchen haben darf?
Nein.
Aber es heißt, dass es eben sehr wohl eine Grenze gibt, ab der Gewicht ein großes Problem darstellt. Und zwar nicht nur nach unten.
Im Fazit lässt sich also sagen, dass ich mit den Grundaussagen und Prämissen des Artikels übereinstimme, allerdings finde, dass er das Problem etwas einseitig angeht.



