Wie die Mutter so die Tochter

Sie ist hübsch, sie ist reich, sie ist eine Stilikone - und sie steht ihrer Mutter in nichts nach: Lourdes Ciccone ist das „Mini-Me“ und die Doppelgängerin ihrer Mutter Madonna. Was sie vormacht, ist nichts Ungewöhnliches. Vorbilder stammen heute immer öfter aus dem familiären Umfeld.
  • Lourdes Ciccone auf dem Cover der „Quality“. Foto: PR

 

Lourdes ist 13 und hat etwa den gleichen Bekanntheitsgrad wie ihre Mutter. Sie war schon ein Promi, bevor sie geboren wurde. Doch das Blitzlichtgewitter verdichtete sich erst recht nach ihrer Geburt. Wie kein anderes Promi-Kind wurde sie von Fotografen umlagert und verfolgt. Verwunderlich? Von klein auf wurde sie als zweite Madonna präsentiert. Und zwar auf beste Weise.

Eigene Modelinie mit 13

Madonnas Zögling genoss schon als Kleinkind gewisse Vorzüge. Sie hatte ihre eigene Stylistin. Pedi- und Maniküre durften nicht fehlen. Berühmte Designer zeigten erst Lourdes ihre Kinderkollektionen, bevor diese der Weltöffentlichkeit zugänglich waren. Madonna hat sich in ihrer Tochter selbst geschaffen und ist Lourdes zum großen Vorbild geworden. Um die Welt schon einmal an den Nachwuchsstar zu gewöhnen, durfte die 13-Jährige auch schon Bühnenluft auf einem Konzert ihrer Mutter in Tel Aviv schnuppern. Lourdes ist Madonnas designte und designierte Nachfolgerin – und das nicht nur auf der Bühne. „Lola“ hat mit Mama Madonna gerade ihre erste Modelinie „Material girl“ entworfen und im Juni die Titelseite des „Quality“-Magazins geziert.

Wo findet man Vorbilder?

„Jugendliche brauchen Vorbilder“, berichtet die Zeitschrift „Transparent“ der Studentenmission in Deutschland (SMD). Doch Vorbilder zu finden, ist gar nicht so leicht. Bei „Deutschland sucht den Superstar“ dürfte man das Supervorbild vergeblich suchen, auch bei „Germany´s Next Topmodel“ punktet höchstens Heidi Klum selbst. Politiker, Lehrer und Kirchenvertreter wirken oft uncool. Eltern auch. Oder doch nicht?

Zwar sind Vorbilder oft eine Mischung aus hübschen Stars und Sternchen, Sportlern, und vielleicht sogar ein bißchen bester Freundin. Aber bei den meisten Deutschen dominieren dann doch die lieben Verwandten und Bekannten. Das zumindest behauptet die Psychologin Bärbel Neumann. Die meisten Umfragen, die seit dem Jahr 2000 gemacht worden sind, kommen zu dem Ergebnis, dass Vorbilder aus dem nahen familiären Umfeld stammen, beginnend mit den eigenen Eltern. Das zeigen zum Bespiel eine Stern-Umfrage aus dem Jahr 2003 und die Shell-Studie aus dem Jahr 2006.

Sehen und lernen

Noch in den letzten Jahrzehnten hatte sich ein anderer Trend abgezeichnet. Es war die Zeit der „Jugend ohne Vorbild“. 1955 hatten 44 Prozent der Jugendlichen ein Vorbild, rund 40 Jahre später waren es nur noch 16 Prozent. Aber Menschen sind so geschaffen, dass sie nachahmen wollen. Wir lernen oft, ohne es bewusst zu steuern. Wir sehen und lernen. In der Psychologie wird dies „Modell-Lernen“ genannt. Schon Kleinkinder gucken ihre ersten Wesenszüge bei den Eltern ab. Zeigt man sich authentisch, neigen andere dazu, sich bestimmte Verhaltensweisen ebenfalls anzueignen. Lächelt jemand ein Kind an, lächelt dieses meist freundlich zurück.

„Wir brauchen menschliche Vorbilder“, sagt der Pfarrer Stefan Pahl. „Gott weiß, dass wir menschliche Vorbilder brauchen, um den Glauben im Alltag zu leben. Die Eltern und die soziale Gemeinschaft prägen durch ihren Vorbildcharakter.“ Wie man sich selbst sehe, werde ganz stark von Eltern, Geschwistern, Freunden und Lehrern mitbestimmt. Sie „liefern uns Vorbilder“, genauso wie viele Akteure aus dem Fernsehen. Somit braucht jede Lourdes ihre Madonna.

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