Wie in Bethlehem Weihnachten gefeiert wurde

In einer Höhle in Bethlehem wurde vor rund 2000 Jahren der Sohn Gottes geboren. Heute steht darüber eine Kirche. Rund 100.000 Menschen drängten sich in diesem Jahr auf dem Krippenplatz vor dieser Kirche in Bethlehem. Es ist das Ereignis, auf das die Stadt seit Wochen hingefiebert hatte.
  • Fotos: Anja Reumschüssel

 

Natürlich ist Weihnachten das höchste Fest der Christen - in Bethlehem, wo alles begann, ist es aber auch ein Fest für die ganze Stadt. Auf dem Krippenplatz drängen sich Christen und Muslime, Touristen und Einheimische. Mit roten Baretts auf dem Kopf ziehen die Pfadfinderinnen der Terra Santa Girls School vorbei, dahinter folgt der schrille Klang von Dudelsäcken und das Stakkato von Trommeln. Sämtliche Schulen und Institutionen Bethlehems ziehen in bunten Uniformen und fröhlicher Musik Richtung Geburtskirche.

Die Menschenmenge drängt sich dicht an die Hauswände in den engen Gassen der Bethlehemer Altstadt. Kleine Kinder halten sich an grellbunten Gasluftballons fest, die Erwachsenen knabbern Erdnüsse. Es ist endlich Weihnachten in der Weihnachtsstadt – mit besinnlich hat das Fest an diesem Morgen vor Heiligabend aber nichts zu tun.

Volksfeststimmung

Aus den Geschäften dröhnen die Weihnachtslieder in ohrenbetäubender Lautstärke, aufblasbare Weihnachtsmänner entlang der Krippenstraße winken den Touristen zu. Ein wenig Ruhe findet man nur in den zahlreichen Souvenirgeschäften der Innenstadt. Hier ist manchmal sogar noch Zeit für einen heißen Tee und ein kurzes Gespräch. Draußen geht der Weihnachtstrubel weiter.

100.000 Menschen sollen nach offiziellen Schätzungen an diesem 24. Dezember Bethlehem besucht haben. Das ist die höchste Zahl seit dem Ausbruch der zweiten Intifada im Jahr 2000. Inmitten all dieser mit Pudelmützen, Palästinenserschals und Norwegermützen bedeckten Köpfe ragt ein 15 Meter-Weihnachtsbaum in die Höhe. Nachts blinken seine Lichter hektisch in der Dunkelheit, tagsüber glänzen seine roten und silbernen Kugeln in der Sonne.

Der Ort, an dem alles begann

Um die Mittagszeit hält der lateinische Patriarch Jerusalems, Fouad Twal, in der Geburtskirche Einzug. Dort wird er den Tag über mehrere Messen mit Tausenden von Gläubigen feiern. Den Abschluss bildet die Mitternachtsmesse. Es ist der Ort, an dem alles begann. Wo Maria in einer Höhle – über der heute die Geburtskirche steht – Jesus zur Welt brachte.

Weihnachtslieder in drei Sprachen

Viele Kirchen in Bethlehem bieten Alternativen zu den vielbesuchten Gottesdiensten in der Geburtskirche an. So auch die deutsch-lutherische Weihnachtskirche in der Altstadt. Der Gottesdienst wird auf arabisch, englisch und deutsch gehalten. Weihnachtslieder wie „Stille Nacht“ und „Es ist ein Ros' entsprungen“ erklingen gleichzeitig in drei Sprachen. Ebenso das Vaterunser. Es entsteht ein seltenes Gefühl von Zusammengehörigkeit völlig unterschiedlicher Kulturen. Doch an Weihnachten geht es schließlich nicht um einen bestimmten Ort, sondern um die Besinnung auf Gottes Sohn, der Frieden in die Welt brachte. Einen Frieden, den jeder Mensch selbst weitertragen muss.

Hoffnung auf eine friedliche Zukunft

An nur wenigen Orten der Welt wird das so deutlich wie in Bethlehem. Denn nur wenige Kilometer von der Geburtskirche entfernt trennt eine meterhohe Mauer zwei Völker und zwei Religionen. Auch darauf wird an diesem Festtag immer wieder aufmerksam gemacht. Das Motto des diesjährigen Weihnachtsfestes in Bethlehem lautet „Palästina feiert die Hoffnung“. Es ist die Hoffnung auf eine friedliche Zukunft als palästinensischer Staat neben Israel. 

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