Wenn sich die Hormone melden ...
Ist Sex vor der Ehe okay? Und was ist mit Selbstbefriedigung? Das sind vor allem für junge Christen drängende Fragen – auch wenn es den meisten schwerfällt, darüber zu sprechen. Benjamin Schaffner, Leiter der Beratungsstelle „KommCare“ in Basel, gibt Tipps für einen guten Umgang mit der eigenen Sexualität.
Zuerst einmal: Gott liebt Sexualität, er ist ihr Erfinder und hat sie als Geschenk in jedem Menschen angelegt. Es ist also nicht im Sinne Gottes, wenn wir Sexualität verteufeln.
Selbstbefriedigung
Um das Thema kommt wahrscheinlich keiner herum. Sie ist gerade in der Pubertät vor allem bei Jungen durchaus normal. Wird Selbstbefriedigung allerdings zur Sucht, sollte man sich fragen, ob man damit nicht versucht, persönliche Sehnsüchte jenseits der Sexualität zu „beruhigen“. Sexualität ist jedoch nicht dazu geeignet, Defizite unserer Persönlichkeit auszufüllen, sie ist kein „Medikament“.
In unserer Beratungsstelle überlegen wir in solchen Fällen mit den Betroffenen, wie sie ihre Bedürfnisse anders stillen können. Wenn jemand beispielsweise mit Ablehnung durch andere zu kämpfen hat, empfehlen wir ihm, lieber einen Freund oder Mentor anzurufen und ihn um Ermutigung zu bitten, anstatt zu onanieren. Nur für eine Befreiung von der Selbstbefriedigung zu beten, halte ich für wenig hilfreich, weil damit der eigentliche Konflikt nicht gelöst wird. Besonders problematisch ist Selbstbefriedigung in Verbindung mit Pornografie. Diese Kombination führt oftmals zur Sucht und raubt dem Menschen die Selbstachtung.
Fantasien
Die Vorstellungskraft ist ein weiteres Geschenk Gottes an uns. Ohne sie wäre unser Leben trostlos und wir hätten Mühe, kreativ oder voller Freude zu sein. Daher ist es fragwürdig, allein darauf zu bauen, sexuelle Gedanken einfach nur „wegbeten“ zu wollen, denn spätestens in der ehelichen Sexualität brauchen wir die Fähigkeit, Erregung zu empfinden.
Helfen kann einem die Aussage von Martin Luther: „Ich kann nichts dafür, dass die Vögel über meinem Kopf kreisen, aber ich kann verhindern, dass sie auf meinem Kopf ein Nest bauen.“ In diesem Sinne muss man wegen eines Gedankens – oder auch einer Fantasie – in einer übersexualisierten Gesellschaft nicht gleich den Kopf in den Sand stecken, solange man sich klar entscheidet, sie nicht weiter zu nähren oder gar auszuleben – z. B. mit Pornografie.
Sex vor der Ehe
Und wie steht es mit dem Sex vor der Ehe? Man muss doch probieren, wie es überhaupt funktioniert, ist das Argument vieler Jugendlicher. Aber frage Dich doch mal: Möchtest Du auch „ausprobiert“ werden? Möchtest Du einen Partner, der nie gelernt hat, zu warten? Träumst Du wirklich von einem Partner, der schon unterschiedliche sexuelle Begegnungen hatte und sie in Eure Sexualität „mitbringt“? Gott hat sich Sexualität nicht ohne Grund für die Ehe gedacht. Und niemand hat einen Partner verdient, der Sexualität testet. Sei es Dir wert, verantwortlich damit umzugehen. So kann sie großer Segen und eine Bereicherung in Deinem Leben werden.
Wer Probleme im Bereich Sexualität hat, sollte sich auf jeden Fall einem Seelsorger anvertrauen und vielleicht auch professionelle Beratung in Anspruch nehmen. Ich selbst habe erfahren dürfen, wie befreiend und heilsam offene Gespräche sein können
Professionelle Hilfe bei sexuellen Probleme bietet u.a. das Weiße Kreuz: www.weisses-kreuz.de • 05609 83990 (D) | www.wkz.ch • 062 76760000 (CH) und auch die Beratungsstelle „KommCare“ von Autor Benjamin Schaffner: www.kommcare.ch • 061 3016642 (CH)
Kommentare Bisher wurden 5 Kommentare geschrieben
5 Kommentare wurden bereits abgegeben
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5.schrieb am 23.04.2012 03:34
Lieber Religionslehrer,
die Religion, die du Lehrst, ist offenbar die Wissenschaft, nicht aber das Evangelium nach Jesus Christus.
Das ist mit der historisch-kritischen Theologie leider kaum vereinbar... ein sehr interessantes Buch in dem Zusammenhang ist "Original oder Fälschung" von Eta Linnemann.
Dass die Bibel von Menschen geschrieben wurde, bestreitet kein ernsthafter Christ. Aber: Wenn es deshalb unmöglich wäre, dass sie von Gott inspiriert und sein Wort ist, würde das bedeuten, dass jeder nur seine eigene Version von "Gottes Wort" in sie hineininterpretieren kann - als gemeinsame Glaubensgrundlage unbrauchbar, da können wir sie ja auch gleich wegschmeißen.
Wenn Du lieber "modern" (eine sehr relative Kategorie) sein willst, als nach Gottes Wort zu fragen, tu das, aber ermutige nicht andere dazu.
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4.schrieb am 25.01.2012 19:28
Sex nur in der Ehe zwischen Mann und Frau - da fehlt noch die Offenheit zur Zeugung!
Die menschliche Sexualität in ihrer ganzen Vielfalt auf eine einzige Verhaltensweise zu reduzieren - das ist die repressive und unnatürliche Sexualmoral vor allem der römisch-katholischen Kirche, aber auch der evangelikal-fundamentalistischen Gruppierungen. Unter Ignoranz aller Erkenntnisse der modernen Wissenschaften (Medizin, Psychologie, Sexualwissenschaft, Biologie etc.) wird ein menschliches Grundbedürfnis auf Fortpflanzung reduziert. Sexualität hat noch mehr Komponenten - beispielsweise Kommunikation und Lustgewinn. Warum soll es das nur in der Ehe zwischen Mann und Frau geben? Haben Jugendliche, Singles und Unverheiratete keine sexuellen Bedürfnisse? Es ist absurd, diese einfach abschneiden zu sollen, wie z.B. die RKK fordert. Das Ableiten aus einem 2000 - 4000 Jahre alten Buch kann nicht überzeugen. Die moderne Theologie legt die Bibel nicht wortwörtlich, sondern historisch-kritisch aus. Die Bibel ist Menschenwerk, geschrieben vor langer Zeit, von ca. 100 verschiedenen Autoren und vor einem ganz bestimmten sozialen, kulturellen und politischen Hintergrund. Das alles gilt es zu berücksichtigen - nicht wortwörtliches Übernehmen einzelner aus dem Zusammenhang gerissener Bibelverse, was man in christlichen Internetforen so schön lesen kann.
Sexuelle Orientierungen und Verhaltensweisen wie Homosexualität, Selbstbefriedigung und Sex außerhalb der Ehe sind Grund- und Menschenrechte im Rahmen selbstbestimmter Sexualität - das sollten wir uns von den nicht beteiligten alten Herren der Kirche nicht nehmen lassen!
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3.schrieb am 08.01.2012 13:12
Stimmt! Jede Art sexueller Betätigung gehört in eine Ehe zwischen Mann und Frau.
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2.schrieb am 04.01.2012 11:11
@Jonatan:
Gott sei Dank hat ja das vor kurzer Zeit gefeierte Weihnachtsfest noch mehr zu bieten als nur Geschenke und Kerzen. Nämlich Jesus kam auf die Welt um uns genau von solchen Dingen in unserem Leben, die wir im Nachhinein bereuen, zu befreien und uns wieder herzustellen. Durch seinen Tod am Kreuz gibt er uns immer wieder eine neue Chance. Und das hat jeder Mensch, ob er nun Sex vor der Ehe hatte oder nicht, so bitter nötig. Gott liebt jeden von uns genau gleich, wir sind alle wertvoll in seinen Augen, dass hat er uns durch Jesus, seinen Sohn, so klar gezeigt.
Im Übrigen wäre es naiv zu glauben, dass diejenigen, welche vor der Ehe noch keine körperliche sexuelle Beziehung hatten, keine Probleme mit Sexualität hätten. Lustgedanken und Pornografie sind genauso gravierend und belasten die Beziehung zu einem Partner.
Vielleicht sind die Aussagen dieses Artikels nicht eindeutig, aber ich glaube der Autor wollte einfach dazu ermutigen stark zu bleiben und mit Sex zu warten. Dies kann nicht genug getan werden in einer Welt, wo ständig das Gegenteil, eben für dieses Ausprobieren von Sex, gepredigt wird.
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1.schrieb am 08.11.2011 15:04
"Und niemand hat einen Partner verdient, der Sexualität testet."
Und somit sind diese Personen weniger wertvoll und sollten nicht von Christen geheiratet werden? Falls also jemand Sex vor der Ehe hat, später zum Christentum übertritt, dann sollte man diese Person nicht heiraten (man hat ja schließlich "etwas besseres verdient als so eine Person, die Sexualität testet")?



