Wenn sich 57.000 an einem Tag bekehren

Rund 15 Millionen Menschen sind im vergangenen Jahr über das Internet Christ geworden. Diese Zahl von Glaubensentscheidungen registrierten die evangelistischen Internetangebote des internationalen Missionswerks „Campus für Christus“ (Orlando/US-Bundesstaat Florida). Damit hat sich die Zahl der Bekehrungen gegenüber dem Vorjahr um 50 Prozent erhöht.
  • Was ist von Massenbekehrungen über das Internet zu halten? Foto: Pixelio/Gerd Altmann

 

Wie der Medienzweig des Missionswerks, Global Media Outreach (GMO, Campbell/US-Bundesstaat Kalifornien), dieser Tage mitgeteilt hat, kamen rund 112 Millionen Menschen über die rund 150 evangelistischen Internetseiten mit dem Missionswerk in Kontakt. Im Dezember verzeichnete man an einem Tag sogar 687.000 Anfragen und knapp 57.000 Menschen hätten sich an diesem Tag für ein Leben mit Jesus Christus entschieden. Mehr als 5.500 ehrenamtliche Internet-Missionare beantworteten die zahlreichen E-Mail-Anfragen. Nach Angaben von GMO-Leiter Walt Wilson werde man mit der Internet-Technologie im Jahr 2020 in der Lage sein, jeden Menschen auf der Welt mit dem Evangelium in Kontakt zu bringen. Wilson kündigte an, dass sich GMO von „Campus für Christus“ trennen wolle. Beide Werke wollen aber weiterhin in enger Partnerschaft zusammenarbeiten. So wird der Präsident von „Campus für Christus“, Steve Douglass (Orlando), Mitglied des Vorstands von GMO sein. Außerdem plant Wilson, die mehr als 150 Webseiten unter der Portalseite „Godlife.com“ zusammenzuführen. „Campus für Christus“ wurde 1951 von Bill Bright (1923-2004) gegründet. Es umfasst 29 missionarische Werke und Initiativen in 191 Ländern. Die deutsche Zentrale befindet sich in Gießen.

Alles "echte" Christen?

Doch was ist von solchen Massenbekehrungen über das Internet zu halten? Sind hier wirklich 15 Millionen Menschen "echte" Christen geworden? Keiner wird das beantworten können... Doch wenn ich an meine "Glaubensgeschichte" denke, wie sehr hat es mir geholfen, mit anderen ins persönliche Gespräch zu treten, mich mit einem Gegenüber auszutauschen, nachzuhaken, Fragen zu stellen. Sicher, das kann man alles über das Internet auch machen. Doch wie sollen 5.500 Internet-Missionare allein an einem Tag 687.000 Anfragen beantworten? Jeder dieser Ansprechpartner hätte 125 Anfragen auf dem Tisch - und das an nur einem Tag! Klar, es ist wichtig, dass es dieses Angebot gibt. Nur was diese Zahlen wirklich bedeuten, darüber kann nur spekuliert werden. Schließlich sehnen sich "junge" Christen nach Gemeinschaft und Austausch. Doch wo explodieren denn die Gemeindezahlen? Kennen Sie jemanden, der sich über das Internet bekehrt hat und sich nun nach einer Gemeinde umschaut? Ich leider nicht...

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