Wenn junge Leute anfangen zu beten
Vielleicht sind sie Dir in Deiner Nachbargemeinde, an Deiner Uni oder auf einem Jugendkongress schon mal aufgefallen: die kreativen 24-7-Gebetsräume. Sie laden ein, mit Gott auf nicht ganz gewöhnliche Weise zu reden: indem man malt, „Sorgensteine“ unter ein Kreuz legt, Briefe an Gott schreibt, oder seine Schuld aufschreibt und symbolisch in einem „Sündenvernichter“ schreddert. Und sie laden ein, zur Ruhe zu kommen und sich Zeit zu nehmen fürs Gebet. Was heute eine weltweite Bewegung ist, hat vor 12 Jahren mit wenigen jungen Menschen angefangen. Wie „24-7-Prayer“ entstand und wo die Initiative heute steht:
Begeistert von der 100-jährigen Gebetskette
1999: Im Süden Englands sind ein paar junge Menschen der Meinung, dass Gebet doch nicht nur so langweilig sein könne, wie sie es bisher aus ihrer Gemeinde kennen. Begeistert entdecken sie Zinzendorfs Idee der Gebetskette: Von 1727 an beteten im sächsischen Herrnhut über 100 Jahre lang Menschen täglich in stündlichen Schichten rund um die Uhr.
Aus vier Wochen wurden drei Monate – und eine weltweite Bewegung
Das wollten die jungen Engländer auch ausprobieren – zumindest einen Monat lang. Ein bisschen unsicher waren sie sich schon, ob sie es schaffen würden, vier Wochen lang 24 Stunden täglich zu beten. Um ihre Gebete auf kreative Art auszudrücken, brachten sie Farben, Stifte, Papier, CDs, Instrumente u.v.m. mit in den Gebetsraum. Während der einstündigen Gebetszeiten wuchs ihre Begeisterung immer mehr, so dass sie letztendlich sogar drei Monate lang beteten. Andere hörten davon und wurden von der Leidenschaft der jungen Briten für das Gebet angesteckt. Schnell fand die Idee Nachahmer auf der ganzen Welt.
Jeder kann mitmachen
Inzwischen sind es über einhundert Länder, in denen schon solche 24-7-Gebetketten veranstaltet wurden. Allein in Deutschland machen jährlich rund 100 Gruppen mit. Und das ist ganz simpel: Wer die Idee übernehmen möchte, kann sich unabhängig von Konfession, Alter und Herkunft mit einklinken. Einzige Voraussetzung: Jesus muss im Mittelpunkt stehen.
Von einer Gebetsbewegung zu einer Missionsbewegung
„Wir verstehen uns als globale Bewegung im Reich Gottes, die sich selbst und die Mitchristen zum Gebet ruft, um Gottes Willen zu erkennen und diesen auch ganz praktisch umzusetzen“, sagt Valentin Ries, Leiter der 24-7-Prayer-Bewegung in Deutschland. Gerade den letzten Punkt hat die Bewegung im Laufe der Jahre immer stärker in den Fokus genommen. Zwar zählten neben dem Gebet schon immer auch Mission und soziale Gerechtigkeit zu ihren Grundwerten, doch „24-7-Prayer hat sich entwickelt von einer Gebetsbewegung zu einer Missionsbewegung, die sehr viel betet“, so Ries.
„Lebensstil des Antwortens“
Entsprechend stand das jährliche 24-7-Prayer-Europatreffen, das diesmal vom 6. bis 9. Oktober in Frankfurt stattfand, unter dem Motto „Aufstehen“. Brian Heasley aus San Antonio (Ibiza, Spanien), vom internationalen Leitungsteam, rief die rund 350 Teilnehmer dazu auf, einen „Lebensstil des Antwortens“ zu pflegen: „Wir empfangen Segen nicht, um ihn für uns zu behalten, sondern um ihn an die Verlorenen weiterzugeben. Bete, dass Gott dich segnet, indem er Dich sendet.“
Beten auf der Party-Insel Ibiza
Wie das in der Praxis aussehen kann, zeigte Healsey an Beispielen aus seiner Arbeit auf Ibiza. Vor sieben Jahren hatten er und seine Frau den Eindruck, dass Gott sie von England auf die Party-Insel ruft, um dort den Menschen mit seiner Liebe zu begegnen: Sie haben ein kleines Zentrum eingerichtet, in dem Menschen einfach entspannen, ihre E-Mails abrufen, ins Gespräch kommen und beten können. Außerdem gehen sie und ihr Team – das aus vielen Freiwilligen besteht – nachts in die Clubs, bringen Betrunkene nach Hause oder sprechen auf den Straßen Passanten an, ob sie für sie beten dürfen. „Das Überraschende ist, dass wir jeden Sommer über tausend Leute haben, die uns Gebetsanliegen anvertrauen“, so Heasley.
„Jugendliche glauben nicht mehr an die Kirche“
Wie Brian sind viele der Leute, die schon länger Teil der Bewegung sind, inzwischen verstärkt missionarisch engagiert. Für Jugendliche ist 24-7-Prayer aber nach wie vor vor allem anziehend, weil sie Gebet dort ganz neu entdecken können. Sie erleben, wie authentisch es sein kann, wenn sie Gefühle und Gedanken, Ängste und Dank mit ihrer Kreativität vor Gott ausdrücken. „Es ist nicht so, dass Jugendliche heute weniger an Gott glauben, aber sie glauben nicht mehr an die Kirche. Deshalb versuchen wir mit unseren Gebetswochen und -räumen, alternative Orte zu schaffen, an denen sie Gott begegnen können“, sagt Heasley. „Es ist etwas ganz anderes, zu einem Jugendlichen zu sagen, komm und bete um drei Uhr morgens für eine Stunde – denn junge Menschen lieben die Herausforderung!“
Selbst aktiv werden
Und weil sie es selbst erfahren haben, was daraus entstehen kann, wenn junge Menschen sich von und für Gott herausfordern lassen, werden die Leiter von 24-7-Prayer im kommenden Jahr in England und in den USA jeweils 20 Jugendlichen die Möglichkeit geben, sich sechs Monate lang gemeinsam ausschließlich auf Gott auszurichten – in einer Art Jüngerschaftsschule im klösterlichen Stil. Wer eine solche Herausforderung wagen will, kann sich dafür bewerben.
Jetzt schon gestartet ist mit dem Europatreffen eine einjährige Gebetskette im Rhein-Main-Gebiet. Wer sein Gebetsleben auffrischen und Gott mal auf ganz neue Weise begegnen will, sollte seine Jugendgruppe oder Gemeinde dafür mobilisieren und mitmachen. Denn: „Gott handelt, wenn wir uns bewegen“, so Brian Heasley.
Die Geschichte von 24-7-Prayer ist ausführlich auch in dem Buch „Red Moon Rising – Wenn Freunde anfangen zu träumen und zu beten“ von Pete Greig beschrieben.
Schau Dir an, wie Brian Heasley mit seinem Team auf Ibiza arbeitet:
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