Wenn es in der Seele Nacht wird

Mehr als 5 % aller Kinder und Jugendlichen in Mitteleuropa leiden an einer schweren Depression. Familie und Freunde sind oft überfordert. Katrin Wirth (Kitzingen) betreut in ihrer Praxis für Psychotherapie viele junge Menschen, für die sich die Welt verdunkelt hat. Sie gibt Tipps zum Erkennen von Depressionen und Anleitung zum richtigen Umgang mit den Betroffenen. So kannst auch Du Deinem Freund/Deiner Freundin hilfreich zur Seite stehen.
  • Bei einer Depression kann es lange dauern bis wieder Licht ins Dunkel der Seele kommt; Foto: picture-alliance / Design Pics

 


Kai ist 15. Noch im letzten Jahr war er viel mit seinen Freunden unterwegs, ist mit ihnen in eine Jugendgruppe, ins Kino, zum Sport gegangen. Seit einigen Wochen zieht er sich immer mehr zurück. Er sitzt abends oft noch lang vor dem PC oder einfach nur in seinem Zimmer herum. Er kann sich zu nichts aufraffen. Innerlich geht es Kai schlecht – er kann gar nicht richtig beschreiben, wie genau. Manchmal fühlt sich sein Kopf an, als wäre er mit Watte gefüllt. Seine Freunde sind ziemlich ratlos. Für Kai ist es, als würde er alleine im Dunkeln sitzen.

Traurigkeit, Leere und Bauchschmerzen

Wenn ein Freund über mehrere Wochen immer wieder gedrückte Stimmung, Traurigkeit oder Leere erlebt und dabei auch in seiner Aktivität und Konzentrationsfähigkeit sehr eingeschränkt wird, ist es notwendig, dass Du genauer hinschaust, denn es könnte sich um eine Depression handeln. Sie wird meist begleitet von Schlafstörungen oder deutlich verändertem Appetit – mal wird viel mehr gegessen, mal kaum noch etwas. Einige Betroffene bekommen auch gehäuft Kopf- oder Bauchschmerzen. Sie selbst erleben sich in ihrer Situation als hilflos und kommen schnell zu dem Ergebnis, dass mit ihnen etwas nicht stimmt, dass sie weniger wertvoll oder fähig sind als andere.

Die Ursachen sind vielfältig

Meist sind an der Entstehung einer Depression mehrere Faktoren beteiligt. Depressionen können familiär weitervererbt werden. Aber auch die aktuelle Situation in der Schule und dem sozialen Umfeld spielt eine Rolle: Leistungsdruck, schulische Probleme oder traumatische Erfahrungen können eine Depression genauso auslösen wie Spannungen in Beziehungen, der Familie oder verstörende Ereignisse in der Gemeinde oder Jugendgruppe.

So kannst Du helfen ...

Wenn Du bei einer Dir nahestehenden Person eine Depression bemerkst, unternimmst Du meist erst einmal viele Versuche zu helfen. Vielleicht indem Du ermutigst oder den anderen aus seiner Situation herauslocken möchtest. Wenn das nicht gelingt, wird man schon manchmal ärgerlich oder hilflos. Es entsteht eine Situation, die für alle viel Druck enthält. Oft geraten die Erkrankten und die Helfer in einen Kreislauf aus Enttäuschung und Anspruch.

Professionelle Hilfe holen

Daher ist es zunächst sehr wichtig, dass Du Deinem Freund nahelegst, sich professionelle Hilfe zu holen. Gemeinsam könnt ihr nach einem Psychiater oder Psychotherapeuten suchen, zu dem Dein Freund Vertrauen entwickeln kann. Die Behandlung setzt sich meist aus ganz unterschiedlichen Teilen zusammen, wobei sowohl Medikamente als auch eine psychotherapeutische Begleitung die Negativspirale unterbrechen sollen.

Du kannst Deinen Freund bei dieser Therapie unterstützen, indem Du kleine Ermutigungen aussprichst oder mit und für ihn betest. Es ist aber auch wichtig, sinnvolle Grenzen einzuhalten: Gönnt Euch beiden ab und an eine Pause, macht mal was ganz anderes und versucht, Euch ehrlich zurückzumelden, wie Ihr miteinander umgehen wollt und was nicht geht. Bei aller Hilfsbereitschaft solltest Du gut auf Dich aufpassen. Es ist niemandem geholfen, wenn Du selbst verzweifelst.

Licht ins Dunkel tragen

Für Kai ist es wichtig, dass seine Freunde und seine Familie hinter ihm stehen, auch wenn sie ihn nicht heilen können. Es ist für Betroffene eine große Hilfe, wenn es Menschen gibt, die sich nicht von ihnen abwenden, sondern weiter bei ihnen sind und immer wieder Licht ins Dunkel tragen. Ich erlebe in meiner Praxis, dass Gott selbst Licht schenken möchte, auch wenn das nicht immer gleich sichtbar wird. Es wird Zeit brauchen, bis mit vereinten Kräften und durch die Einbindung verschiedener Unterstützer wieder aus kleinen Lichtfunken Helligkeit in Kais Leben entsteht. 

Literatur zum Thema: Samuel Pfeifer, Depression, Krankheit der 
Moderne – SCM Hänssler – 7,95 EUR
Im Internet findest Du beim Deutschen Bündnis gegen Depression viele Hilfsangebote vor Ort.

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