Wenn ein Bauer eine Frau sucht

Seit sieben Jahren begleitet der Fernsehsender RTL einsame Landwirte auf der Suche nach der großen Liebe. Der „fromme Bauer Josef“, der „sanfte Schweinebauer Uwe“ oder der „herzliche Hesse Marcel“, alle haben sie ihre Partnerin für’s Leben schon gefunden – und ganz Deutschland hat zugeschaut. Die Kuppelshow ist zu einem Renner geworden. Aber brauchen wir tatsächlich eine Sendung, die die Partnervermittlung für Bauern übernimmt?
  • Die RTL-Kuppelshow „Bauer sucht Frau“ lockte zum Auftackt der achten Staffel rund sieben Millionen Zuschauer vor die Bildschirme. Foto: pixelio/Cornerstone

 

Seit dieser Woche liegt wieder Liebe in der Luft! Tapsig, ungeschickt, hin und wieder mit übertriebenem Hang zur Romantik oder abschreckendem Macho-Gehabe machen sich neun Landwirte auf die Mission „Frau finden“. Auch dieses Jahr sind die Namen wieder Programm: unter anderem sind ein „kerniger Kartoffelbauer“ und ein „heiterer Hühnerwirt“ mit von der Partie. Der RTL-Erfolgsschlager hat schon am ersten Sendetag sieben Millionen Zuschauer vor den Bildschirm gelockt, denn die herrlich ungezwungenen Bauern erweichen vielen das Herz.

Kritik: Bauern werden lächerlich gemacht

Doch es gibt auch Kritik an der Sendung. Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Gerd Sonnleitner, bemängelte in einem Interview, dass die Bauern als dümmliche, einsame Trottel dargestellt würden, die nicht wüssten, wie sie sich benehmen sollten. Denkt man beispielsweise an die öffentliche Bloßstellung der Kandidaten, die sich vor dem „Scheunenfest“ von Mama die Klamotten herauslegen lassen oder ihrer Herzensdame zum Abendessen lediglich eine Banane anbieten, lässt sich diese Aussage durchaus unterstützen.

Vieles in der Sendung ist überzogen, doch eines darf man nicht vergessen: Tatsächlich haben es vor allem junge Landwirte schwer, eine Lebensgefährtin zu finden. Dabei ist es in kaum einem anderen Arbeitsbereich von so großer Bedeutung, einen Partner zu haben, der einem mit Rat und Tat zur Seite steht, wie in der Landwirtschaft.

Bauer braucht Frau

Ein landwirtschaftlicher Betrieb ist ein Unternehmen, das seine Mitarbeiter von früh bis spät fordert – in der Erntezeit auch nachts. Muss man(n) selber noch Essen kochen und den Haushalt schmeißen, geht wertvolle Zeit verloren und Zeit ist – wie bei jedem anderen selbständigen Unternehmer auch – Geld. Eine Partnerin auf dem Hof, die auch mal mit anpackt und vor allem die Freuden und Sorgen teilt, ist eigentlich unabdingbar.

Eine schwere Entscheidung

Doch die Entscheidung, sich für den Rest seines Lebens an solch einen Betrieb zu binden, schreckt viele Frauen ab. Wo bleibt da beispielsweise der jährliche Urlaub? Ist es trotzdem möglich einen eigenen Beruf auszuüben? Möchte ich mit den Schwiegereltern Tür an Tür wohnen? Alles Fragen, die nicht so leicht zu beantworten sind. Denn eine Entscheidung für dieses Leben schmeißt mitunter die eigene Lebensplanung komplett um.

„Bauer sucht Frau“ zeigt positive Seiten

Der RTL-Erfolgsschlager zeigt diese Aspekte auf und macht deutlich, was ein Umzug auf einen Hof alles mit sich bringt. Doch die Sendung ruft auch die positiven Seiten an dem Beruf ins Bewusstsein. Landluft ist gesund, ein Bauernhof für Kinder ein großer Abenteuerspielplatz und ein eigener Betrieb mit Grund und Boden in Krisenzeiten goldwert. Hinzu kommen die organisatorische Unabhängigkeit und der gestalterischer Spielraum, die man als Angestellter nicht genießen kann.

Und nicht zuletzt unterstützt die Sendung vor allem eine wichtige Bevölkerungsgruppierung, auf die wir auch in unserer Mediengesellschaft immer noch dringend angewiesen sind. Denn eine glückliche Kuh gibt ja, wie mittlerweile sogar wissenschaftlich bewiesen ist, mehr Milch. Und wann könnte die Kuh glücklicher sein, als wenn es ihr Besitzer auch ist.

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