Wenn die Mensa zum Missionsfeld wird

In Tübingen luden die Hochschul-SMD (Studentenmission in Deutschland), die Gruppe „Campus für Christus“ und das Albrecht-Bengel-Haus kürzlich zu Hochschultagen ein. Über drei außergewöhnliche Juni-Abende berichtet Julia Autenrieth.
  • Foto: Frank Hartmann

 

Ein gelbes Fragezeichen steht mitten in der Tübinger Mensa. Es ist auf einem Sockel platziert, darunter ist das Wort „Denkmal“ zu lesen. Wo sich sonst Tisch an Tisch reiht, findet man nun eine große Bühne. Davor einige Hundert Stühle. Obwohl die Essensausgaben schon lange geschlossen sind, ist alles voller Menschen.

„Denk.mal …was du noch nie gedacht hast“ – das ist das Motto der Tübinger Hochschultage 2012. An drei Abenden gibt es Raum für Fragen, die sonst an der Uni eher selten angesprochen werden: Passen Glaube und Vernunft überhaupt zusammen? Hat der christliche Glaube eigentlich die Wahrheit für sich gepachtet? Wofür lebe ich eigentlich? An diesem Abend sind 500 Leute der Einladung gefolgt, an den beiden zuvor waren es kaum weniger.

Wissenschaftlich und trotzdem auf den Punkt

Die Vorträge hält der Evangelist Matthias Clausen, der 2011 auch bei der Jugendevangelisation JesusHouse predigte. Heute Abend versucht er, auf die Frage nach dem Sinn des Lebens eine Antwort zu geben. Die Studenten zeigen sich begeistert von seiner „humorvollen und hochinteressanten Art“, wie einer sagt. Und eine Theologiestudentin meint: „Er war wissenschaftlich und hat es trotzdem auf den Punkt gebracht. Das schaffen viele Professoren nicht.“  Zum Schluss erklärt Clausen, wie man das Gehörte praktisch werden lässt. Jeder Anwesende erhält ein Gebet in gedruckter Form zum Mitnehmen. Der Abend klingt bei Getränken, Muffins und Snacks aus. Die Studenten diskutieren über das Gehörte und knüpfen neue Kontakte.

Einige Besucher haben die Hochschultage wirklich ins Nachdenken gebracht: „Ich bin nicht gläubig und habe nichts mit der Kirche zu tun, aber ich war an allen drei Abenden dabei“, erzählt eine Studentin. „Matthias Clausen sieht beide Seiten der Medaille und lässt auch Kritik zu. Ich überlege wirklich, ob ich zum Glaubenskurs gehe.“ Beim Glaubenskurs „Denk mal weiter“ können alle Neugierigen mehr über das Leben mit Jesus erfahren. Und tatsächlich: 7 junge Leute melden sich am Ende der Veranstaltung für den Kurs an.

Die Studenten organisierten alles selbst

Joel Rosenfelder, Politik- und Spanischstudent in Tübingen, hat seit einem Jahr viel Zeit in die Vorbereitung der Hochschultage investiert – gemeinsam mit anderen Studenten aus dem Albrecht-Bengel-Haus, von „Campus für Christus“ und der SMD. Von der Themenfindung über Finanzierung, Werbung und Einladeaktionen bis hin zu Technik, Musik und Rahmenprogramm organisierten sie alles selbst – mit tatkräftiger Unterstützung der örtlichen Gemeinden. Joel ist sehr dankbar für das Ergebnis: „Der Aufwand hat sich auf jeden Fall gelohnt! Viele Studenten haben ihre Freunde und Kommilitonen mitgebracht, die keinen Gemeindeanschluss haben. Jetzt ist es wichtig, mit ihnen in Kontakt zu bleiben, damit die Hochschultage nicht einfach zu Ende gehen, sondern nun erst richtig zu wirken beginnen.“

Langsam gewinnt die Mensa wird ihre ursprüngliche Erscheinung zurück. Bühne und Technik landen im Auto. Auch das gelbe Fragezeichen verschwindet. Doch in vielen Köpfen bleibt es zurück – wichtige Fragen sind aufgeworfen, einige beantwortet worden.

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