Wenn der Einkaufskick zur Sucht wird

Für viele ist es eine nervige Pflicht, für einige eine nette Ablenkung und für andere eine Sucht: Shoppen. Es gibt es immer mehr Menschen, für die Einkaufen zum Zwang geworden ist. Rund 600.000 Menschen sind in Deutschland von Kaufsucht betroffen.
  • Kann schnell zur Sucht werden: Shopping. Foto: Flickr/velorowdy

 

Sie kaufen, nur um zu kaufen – fünf Paar grüne Schuhe und das sechste fehlt auch noch. Dinge, die man nicht braucht und trotzdem kauft, liegen oft unbenutzt im Kleiderschrank. Sie landen im Müll oder in diversen Kisten auf dem Speicher. Was als Spaß und Freizeitbeschäftigung beginnt, artet schnell zur Sucht aus.

Unbewusster Betrug

Kaufsucht zeigt sich in unkontrollierten Einkäufen: Der Konsum weicht stark vom Bedarf ab. Eine große Gefahr besteht im Kauf unnützer Dinge, die sich der Betroffene nicht leisten kann. Viele Kaufsüchtige kämpfen deswegen gegen finanzielle Schwierigkeiten. „Manchmal geht dieses Verhalten sogar ins Kriminelle über, da sie andere Menschen unbewusst betrügen“, sagte die Psychologin Sinje Meiners, die gerade eine Studie zur Erforschung von Kaufsucht durchführt. Den Betroffenen sei das „unendlich peinlich“.

Kaufsucht als Liebesersatz

Der Zwang zu unkontrolliertem Einkaufen wird unter Psychologen „pathologisches Kaufverhalten“ genannt. Er ist ein Ersatz für Anerkennung, Liebe, innere Leere. Meist dient es als Trostpflaster oder zur Belohnung, wenn irgendetwas schief gelaufen ist. Betroffene verspüren in solchen Situation oft den Drang, sich etwas Gutes gönnen zu müssen. Sie brauchten den „Kick“ beim Einkaufen, so Meiners. Haben sie dann ein Teil erworben, löst dies kurzzeitig ein Glücksgefühl aus, aber eben nur kurzzeitig.

Maßnahmen ergreifen

Viele Kaufsüchtige erleben schließlich den großen Zusammenbruch. Die Kreditkarte ist leer, der Kleiderschrank dafür überfüllt und die Konflikte in der Familie häufen sich. Erkennt der Betroffene, dass er an Kaufsucht leidet, sollte er schnell zu Maßnahmen greifen: „Als erstes sollte er die Kreditkarte abgeben, so dass man kein Dispo mehr hat. Außerdem ist es gut, sich keine Kataloge zu besorgen“, rät Meiners. Es sei sinnvoll, eine Selbsthilfegruppe aufzusuchen oder eine Verhaltenstherapie zu machen. Allerdings ist das Angebot dafür in Deutschland sehr dürftig.

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