Wenn das Leben sich nur noch „online“ abspielt

Wir alle schätzen die Vorteile des Internets: Informationen sind einfach und schnell abrufbar und Freunde nur einen Mausklick entfernt. Wir können immer auf dem neuesten Stand sein und sind nicht mehr auf ein vorgefertigtes Programm wie etwa die TV-Nachrichten angewiesen. Wir lesen, hören und sehen nur, was wir für wichtig und interessant halten. Doch es ist gar nicht so einfach, die vielen Nachrichten, Statusmeldungen und Youtube-Videos unter einen Hut zu bekommen.
  • Grafik: Flickr.com/webtreats

 

Heute schon ist zu beobachten, dass viele, gerade junge Menschen, nicht mehr ohne einen Zugang zur virtuellen Welt leben können. Doch wohin kann diese Entwicklung führen?

Wir schreiben das Jahr 2015. Max ist vor zwei Wochen siebzehn Jahre alt geworden und hat das natürlich kräftig nachgefeiert. Noch etwas verkatert steht er auf und setzt sich an den PC. Denn schon früh am Morgen verspürt er diesen Drang, es zieht ihn einfach an den Rechner. Die virtuelle Welt ist zu verlockend: Was gibt es neues im Netz? Haben meine Freunde die Party- Fotos und Videos meiner Feier auch kräftig kommentiert und „Gefällt mir“ angeklickt? Zunächst allerdings besucht er sein E-Mail-Postfach und leert den Spamordner, das war wieder dringend nötig.

Nichts darf von gestern sein

Der nächste Anlaufpunkt auf seiner Reise durch das World-Wide-Web sind seine Profile bei sozialen Netzwerken. Facebook, studiVZ, schülerVZ, lokalisten und wer-kennt-wen, alle wollen sie besucht werden, erneuert, aktualisiert. Nichts darf von gestern sein, nur das Neuste hat Bestand. Also überprüft er seinen Beziehungsstatus, seine Hobbys und das Profilfoto. Auch die neue Lieblingsband, auf die er durch den Youtube-Link eines Schulkameraden aufmerksam gemacht wurde, muss sofort ihren Platz in der persönlichen Hitliste finden.

Ein Blick auf die Uhr offenbart ihm: Noch 15 Minuten für Dusche, Frühstück und den Weg zur Bushaltestelle. „Schon wieder zu viel Zeit im Internet verbracht“, denkt er ärgerlich zwischen Badezimmer und Küche. „Ich sollte mal weniger Zeit mit so was verbringen.“ Aber schon auf dem Schulweg hat unser Max die guten Vorsätze vergessen, an der Bushaltestelle zückt er sein iPhone, er hat natürlich das allerneuste Modell, mit viel Schnickschnack. Das hat jetzt jeder und auch Max wollte da nicht nachstehen. Immer „up to date“ zu sein hat zwar seinen Preis, aber das stört ihn nicht weiter, solange seine Eltern für den teuren Vertrag zahlen und er in Bus und Bahn surfen kann, ist für den Siebzehnjährigen die Welt in Ordnung.

Was verpasse ich gerade?

Auch in der Schule kreisen die  Gedanken nur um das Eine: „Was passiert gerade, was kann ich verpassen?“ In der Freistunde, zum Glück ist die verhasste Mathestunde ausgefallen, geht es erstmal in die Bibliothek. Hier verkriecht er sich besonders gerne in eine abgelegene Ecke, damit er ungestört seine neuste Errungenschaft ausprobieren kann. Er hat zum Geburtstag ein neues Netbook bekommen, einen Minilaptop, den man sehr leicht in die Hand- oder Schultasche stecken kann.

Fröhlich chattet er mit seinem Sitznachbar aus dem Geschichtskurs, er sitzt zwar nur zwei Plätze hinter ihm an seinem Laptop, aber chatten ist eben viel unkomplizierter als peinliches Nebeneinanderstehen auf dem Schulhof. Außerdem hat sich das süße Mädchen aus der Parallelklasse ein neues Fotoalbum angeschafft, echt schöne Bilder, richtig originell. Schnell kommentiert er sie und klickt „Gefällt mir!“ an. Sie soll ja schließlich merken, dass Interesse vorhanden ist.

Zuhause angekommen sitzt die Familie gemeinsam am Mittagstisch. Mit viel Liebe hat die Mutter gekocht, sein Lieblingsessen. Er schmeckt es allerdings gar nicht, zu sehr hängt er seinen Gedanken nach. Hauptakteurin ist immer noch das Mädchen. Ob sie wohl schon gesehen hat, dass ihm die Bilder gefallen? Vielleicht hat sie sogar geantwortet, einen Kommentar geschrieben, vielleicht eine persönliche Nachricht? Er lässt seinen Teller stehen und den Rucksack in der Ecke liegen, nichts kann ihn am heimischen Esstisch halten.

Die Geschichte ist natürlich fiktiv, vielleicht auch überspitzt - zumindest aus der heutigen Sicht. Aber die Tendenzen sind eindeutig vorhanden. Internetfähige Handys, Laptops und Netbooks sind in allen Größen, Farben und Preisklassen zu haben. Wir haben vergessen, dass es auch Zeiten gab, in denen es nicht mal elektrischen Strom gab. Es ist schwierig geworden, sich zu beschäftigen, so ganz ohne Bildschirme, Tasten und Animationen.

Aber Technik ist nicht alles. Anstatt unseren Interessen und Hobbys zu folgen, sind wir Follower bei Twitter. Lesen, was auf der Welt passiert, das scheint das neue Leben zu werden. Gedacht war es ja so eigentlich nicht. Der Kerngedanke war, gemeinsame Erinnerungen und Erlebnisse zu online mit Freunden zu teilen. Isolation ist aber die wirkliche Folge. Die Freizeit spielt sich nur vor dem Rechner ab.

„Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei.“

Gott hat uns nicht für Isolation und Einsamkeit geschaffen, sondern für Familie, Freundschaft und Nächstenliebe. Er will, dass wir uns untereinander lieben und verstehen, dass wir gemeinsam etwas erleben. Gegenüber unseren Mitmenschen hat er uns als Folge der Nächstenliebe aber auch aufgetragen, aufeinander zu achten. Jugendliche wie Max gibt es viele. Sie sind schüchtern, brauchen Distanz um wirklich aus sich heraus kommen zu können. Das Internet bietet all das: Dem Gesprächspartner muss man nicht mehr ins Gesicht sehen, wenn man Abstand will, schaltet man einfach ab. So einfach ist das Leben aber nicht. Betroffene brauchen Hilfe, die Lust am (Er-)Leben muss wieder geweckt werden. Unternehmungen, Feiern, ein Ausflug in die Natur, all das kann viel bewirken. Wie heißt es nämlich so schön? Mittendrin statt nur dabei!

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1 Kommentar wurden bereits abgegeben

  • 1.  
    schrieb am 08.11.2010 18:27

    Na, liebe Laura, da brauchst du bis 2015 nicht zu warten! So was gibt es heute schon. Vielleicht nicht mit iPhone, stattdessen mit Ego-Shootern. Und wenn's zu viel wird, ran an Papas Knarrenschrank und mal eben in der Schule einen kleinen Amok veranstaltet. Schuld sind eh immer die andern.

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