Welche Werte wünschen wir uns?
Nina Hagen. Die schrille Punk-Diva hat sich 2009 taufen lassen. Ihre Lebensgeschichte erzählt sie in dem Buch „Bekenntnisse“, mit dem sie gerade auf Lesetour durch Deutschland ist. Echte Bekehrung, PR-Aktion oder nur ein weiteres Mosaiksteinchen im schillernden Leben der Musikerin? Die Frankfurter Rundschau plädiert in der heutigen Ausgabe eher für Variante zwei oder drei.
Nachruf auf Nina Hagen
Fast wie ein Nachruf liest sich der Artikel von Maurice Summen. Wo ist plötzlich die immer wieder überraschende Originalität der Nina Hagen hin, jetzt wo sie überzeugt ist, dass Gott sie stets geführt habe? Er kauft der „Ex-Durchgeknallten“, die einst selbst über den Tod Gottes trällerte, diese Überzeugung nicht ab. So belächelt er lieber Hagens Begegnung mit Gott im Drogenrausch, witzelt, die Autobiografie lese sich wie ein Buch von „Sigmund Freud höchst persönlich“ und ist erleichtert, dass Hagen zumindest immer noch Lady Gaga „dissen“ kann.
Christliche Werte bedauern?
Was aber trauert Herr Summen hinterher? Was ist denn eigentlich verloren gegangen? Nina Hagen ist ja keineswegs zum grauen Mäuschen mutiert. „Ich werde mir niemals von irgendwelchen pseudofrommen Vordenkern sagen lassen, was ich zu denken habe“, schreibt sie in ihrem Buch. Wer sie auf der Bühne sieht, wird unverkennbar Nina Hagen sehen – schillernd wie eh und je. Was sich geändert hat, sind ihre Werte. Das wofür sie auf die Bühne geht. Um den Sinn, den sie gefunden hat, weiterzugeben. SINNvoll statt destruktiv, versöhnend statt rebellierend – so könnte man es zugespitzt beschreiben. Wo bitte steuern wir hin, wenn so etwas schon als bedauernswert oder belächelnswert erachtet wird?
„Die strahlt mehr Jesus aus als der Papst“
Wer liest, wie Hagen immer wieder auf der Suche nach Gott war, von einem Tag auf den anderen dem Drogensumpf entrann oder wie sie über ihre Abtreibungen schreibt, kann eigentlich kaum auf die Idee kommen, Hagens Buch als PR-Aktion zu betrachten. „Die strahlt mehr Jesus aus, als der Papst und verkündet das Evangelium klarer, als Billy Graham“, schreibt der Volxbibel-Herausgeber Martin Dreyer in seinem Facebook-Profil. Mit Leib und Seele ist Hagen nun „in christlicher Mission“ unterwegs, wie Summen treffend schreibt. Immerhin hält er ihr zu Gute, dass die Gospels, die sie nun singt, „Johnny-Cash-Qualität“ haben. Davon soll es bald eine CD geben. Es ist also eher Vorfreude als Trauer angebracht.
Wer sich selbst ein Bild von der außergewöhnlichen Lebensgeschichte Nina Hagens machen möchte, sollte ihre kommenden Lesereise-Termine nicht verpassen oder einfach selbst zum Buch greifen:
Nina Hagen auf Lesetour:
2.6. - Rheinsberg (Schlosstheater)
4.6. - Neubrandenburg (HKB)
5.6. - Schwerin (Capitol)
6.6. - Rostock (Stadthalle)
Nina Hagen „Bekenntnisse“, Pattloch Verlag, 296 S., 18 €
1 Kommentar wurden bereits abgegeben
-
1.schrieb am 14.06.2010 21:04
Ich war natürlich anfangs auch skeptisch ob das wohl echt sei. Aber nach einem Besuch auf Ninas Homepage war mir klar: Wer so Zeugnis gibt, hat begriffen worum es geht!
Ob sie nun klarer das Evangelium verkündet als Billy Graham, will ich mal dahin gestellt sein lassen. Aber mehr Jesus ausstrahlen lassen als der Papst - wo ist denn da das Problem?
Nina wird ihren, nein, den Weg von Jesus schon gehen!



