Weg mit der Wehrpflicht?

In Deutschland wie in der Schweiz herrscht Wehrpflicht. Immer wieder wird diskutiert, den Grundwehrdienst bei der Bundeswehr abzuschaffen. Die Sozialdemokraten zum Beispiel wollen stattdessen eine \"freiwillige Wehrpflicht\" einführen. Künftig sollen junge Männer frei entscheiden können, ob sie zur Bundeswehr gehen oder stattdessen als Zivildienstleistender zum Beispiel im Krankenhaus oder Altenheim helfen. Wie denken Betroffene darüber?

„Stünde ich heute wieder vor der Entscheidung, würde ich wieder zum Bund gehen“, sagt Christopher Oehmichen. Von Juli 2004 bis März 2005 leistete er in Hermeskeil (bei Trier) und Tauberbischofsheim seinen Grundwehrdienst ab. Im Rückblick gut drei Jahre danach empfindet er, dass es eine tolle Erfahrung gewesen ist - obwohl er es während dieser Zeit gehasst habe, manchmal nach nur 4 Stunden Schlaf um fünf Uhr aufstehen und mit 15 Kilo Gepäck durch die Gegend rennen zu müssen. Nach der dreimonatigen Grundausbildung kam er zur Aufklärungs-Artillerie nach Bayern. An den Wochenenden fuhr er meist in seine Heimat Erzhausen (bei Darmstadt) und besuchte auch weiterhin seine alte Gemeinde, die Freie evangelische Gemeinde Darmstadt. „So bekam ich am Wochenende auch genug geistliche Nahrung für die Woche“

Abschaffung der Wehrpflicht wäre sinnvoll
Die Abschaffung der Wehrpflicht wäre aus seiner Sicht sinnvoll. „Schließlich kommen manche mit einer Null-Bock-Stimmung hierher. Und das ist insbesondere, wenn man im Team zusammenarbeiten muss, schwierig. Zusätzlich drückt dies, das ohnehin schon niedrige Niveau“ Nach dem Grundwehrdienst habe man leider oft untätig „rumgesessen“. Da wäre es schon besser, wenn jeder frei entscheiden könne, was er in den neun Monaten machen will. Oehmichen plädiert für eine grundsätzliche Dienstpflicht - für Männer und Frauen beim Militär oder z.B. im sozialen Bereich. Die Frage, ob auch Frauen zum Dienst an der Waffe verpflichtet werden sollten, sieht er mit geteilter Meinung. „Ich habe erlebt, dass ein gemischtes Heer sehr kompliziert ist. Während der Ausbilder bei uns einfach ins Zimmer kommen kann, muss er bei der Frau immer anklopfen. Generell werden sie vorsichtiger behandelt als wir. Vielleicht wäre daher eine reine Frauen-Truppe besser“

Zivi als „Dienst für die Gesellschaft“
Ganz andere Erfahrungen hat Jonathan Steinert (Erlbach-Kirchberg bei Chemnitz/Sachsen) gemacht. Von September 2004 bis Juni 2005 absolvierte er im Begegnungs- und Bildungszentrum des Jugendverbandes „Entschieden für Christus“ (EC) in Woltersdorf bei Berlin seinen Zivildienst. Die Entscheidung für den Zivildienst stand bei ihm schon vor der Musterung fest. „Man kann während seines Zivildienstes einen sinnvolleren Dienst für die Gesellschaft leisten. Zudem wollte ich auch nicht lernen, wie man auf andere Menschen oder Objekte schießt.“ Am Tag der Musterung gab er dann auch gleich seine schriftliche Begründung für die Verweigerung des Dienstes an der Waffe beim zuständigen Amt ab. Auch wenn er bei der Musterung durchgefallen wäre - was bedeutet hätte, dass er weder zum Bund noch eine Zivildienststelle hätte antreten müssen - hätte er wohl beim EC einige Monate ausgeholfen. „Schließlich hatte ich mich auf die zehn Monate dort gefreut. Ich wollte mal rauskommen, was anderes sehen.“ Als Problem sieht er jedoch, dass auch beim Zivildienst einige unmotiviert an ihre Aufgaben herangehen. „Vielleicht sollte man mehr Werbung dafür machen, welche Chancen diese Zeit einem bietet, wie man zum Beispiel durch einen Einsatz im Krankenhaus oder Altenheim seinen Horizont erweitern kann“ Er fragt sich, ob nicht auch die jungen Frauen für eine bestimmte Zeit für einen Dienst - wahlweise beim Bund oder eben als Zivi - verpflichtet werden sollten. Und auch für die zahlreichen sozialen Einrichtungen - die oft auch einen christlichen Hintergrund haben - wäre eine neue Regelung von Vorteil. Schließlich sind momentan nur knapp die Hälfte der zur Verfügung stehenden Zivildienststellen besetzt.

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