Was steckt hinter dem Reformationstag?

Im Rummel um Halloween ging der Reformationstag am 31. Oktober auch in diesem Jahr wieder fast gänzlich unter. Doch wofür steht der Reformationstag eigentlich? Wie es zur Reformation kam und warum Luther unsere deutsche Kultur entscheidend geprägt hat.
  • Porträt Martin Luthers von Lucas Cranach d. Älteren

 

Reformation oder Halloween?

Am 31. Oktober wurde in der evangelischen Kirche Reformationstag gefeiert.Durch Halloweenfeiern und den ganzen Rummel darum ist dieser jedoch total in den Hintergrund gedrängt worden. Dabei waren die 95 Thesen die damals an der Kirchentür zu Wittenberg angenagelt wurden, eine echte Befreiung für die Christenheit und eine entscheidende Richtungsgebung für Deutschland. Niemand brauchte sich nach der biblischen Lehre, die Luther neu entdeckte, mehr Sündenvergebung erkaufen oder durch Taten erkämpfen. Der Ablass geriet in die Diskussion und diese spaltete die katholische Kirche in mehrere Konfessionen. Auch ging Luther gegen die  Ämteranhäufung in der katholischen Kirche durch Machthaber an.

Gottes Gnade macht gerecht

Seine Beschäftigung mit den biblischen „Römerbriefen“ ließ Luther an die Gnade  Gottes glauben, die Menschen gerecht macht. Dies stand im krassen Gegensatz zu der Lehre der katholischen Kirche, die den Leuten mit Ablassbriefen das Geld aus der Tasche zog. Noch heute ist der Ablass in der katholischen Kirche zu finden. Man kann zum Beispiel durch Gebete und Wallfahrten Ablässe erreichen. Diese Praxis fiel mir auch wieder auf, als die Jugend sich zum Weltjugendtag in Spanien einfand. Jeder, der an dieser weltweiten Jugendpilgerfahrt teilnahm, konnte einen kompletten Ablass von zeitlichen Sündenstrafen erlangen, jeder der für den Weltjugendtag im Sinne des Papstes betete, einen Teilerlass.

Die vier Grundgedanken der Lehre Luthers

Sündenstrafen sind laut der biblischen Lehre, die Luther neu entdeckte, aber bereits am Kreuz durch Jesu Tod völlig ausgelöscht! Jeder der dies annimmt, kann laut der Bibel frei von dieser Strafe sein.

Vier Grundgedanken umreißen die Lehre Luthers:

SOLA GRATIA – allein durch die Gnade Gottes wird der glaubende Mensch errettet, nicht durch seine Werke

SOLA FIDE – allein durch den Glauben wird der Mensch gerechtfertigt, nicht durch gute Werke

SOLA SCRIPTURA – allein die Schrift ist die Grundlage des christlichen Glaubens, nicht die kirchliche Tradition

SOLUS CHRISTUS – allein die Person, das Wirken und die Lehre Jesu Christi können Grundlage für den Glauben und die Errettung des Menschen sein

Luthers Verfolgung

Für seine Thesen wurde Luther 1518 der Ketzerprozess gemacht. Er wurde unter Druck gesetzt zu widerrufen, blieb aber standhaft und bekräftigte sie. Er dachte, auch den Papst überzeugen zu können.

Wenig später kam es zu einem Streit zwischen dem Theologieprofessor Eck als Vertreter des Papsttums, Philipp Melanchthon und Andreas Bodenstein. Luther übernahm bald die Wortführung und Eck brachte Luther dazu, die Unfehlbarkeit des Papstes und der Konzile öffentlich abzustreiten. Die Kluft zwischen der katholischen Kirche und Luther wurde daraufhin immer größer.

Mit drei größeren Schriften kehrte eine Wende in der Reformation ein. Luther schrieb darin an die Adeligen der deutschen Nation und forderte die Abschaffung des Zölibats und des Kirchenstaates sowie die Abschaffung der Hierarchie zwischen Klerikern und Laien, die Versorgung der Armen und ein Bildungswesen. Er kritisierte die Sakramentenlehre der katholischen Kirche und reduzierte die Sakramente auf drei (Taufe, Abendmahl und Buße). Ferner übte er Kritik an der Praxis des Messopfers, forderte einen Laienkelch für alle Gläubigen und lehrte, dass in Brot und Wein die Präsenz Gottes schon gegeben sei. Er ging zudem gegen Heiligen- Reliquien- und Bilderverehrung an.

Am 15. Juni 1520 drohte der Papst in einer Bulle Luther den Kirchenbann an. Innerhalb von 60 Tagen solle er widerrufen. Doch Luther verbrannte mutig die Bulle und das kanonische Recht. Am 3. Juni 1521 wurde er durch eine weitere Bulle exkommuniziert. Luther wurde vom Papst als Antichrist beschimpft. Karl der V. lud Luther dennoch vor den Wormser Reichstag und verhörte ihn erneut. Man setzte ihn weiter unter Druck, seine Schriften zu widerrufen, was Luther nach einer Bedenkzeit ebenfalls ablehnte.

Die historischen Worte: „Hier stehe ich, Gott helfe mir, ich kann nicht anders!“ prägen bis heute das Bild Luthers in unseren Köpfen. Über Luther wurde im Wormser Edikt die Reichsacht verhängt und er für vogelfrei erklärt. Binnen 21 Tagen sollte er sich in Sicherheit bringen. Bei einem Scheinüberfall wurde er jedoch von sächsischen Soldaten entführt und auf die Wartburg gebracht.

Sein Hauptwerk: Die Bibel in Deutsch

Hier entstand durch seine Lehrbriefe eine evangelische Predigtkultur. Luthers bedeutendste Leistung in diesen Jahren war die Übersetzung des Neuen Testamentes (1522) in eine für diese Zeit verständliche deutsche Sprache. Später folgte auch das Alte Testament (schrittweise bis 1534).

Seine Übersetzung trug maßgeblich auch zur standartdeutschen Schriftkultur bei. Außerdem ist sie lange der Maßstab für alle deutschen Bibelübersetzungen geblieben. Luther haben wir auch Gottesdienste in deutscher Sprache zu verdanken, denn diese wurden zuvor – für Laien unverständlich – in Latein gelesen. Luther holte die Bibel und die christliche Lehre von ihrem Sockel für Privilegierte und Klerus herunter. Ohne ihn wäre Deutschland wahrscheinlich nicht da wo es jetzt steht.

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1 Kommentar wurden bereits abgegeben

  • 1.  
    schrieb am 08.11.2011 14:59

    Kein einziges Wort wurde über Luthers abscheulichen Antisemitismus verschwendet.

     

    de.wikipedia.org/wiki/Luther

     

    In einem objektiven Bericht sollte mindestens in einem Nebensatz erwähnt werden, wie groß Luthers Hass gegen die Juden war und das Luther von vielen Nazis dafür zitiert wurde.

     

    Bei allem Guten was diese Person für uns getan hat, sollte dies trotzdem nie vergessen werden.

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