Was Musik mit uns macht

Vom Fahrstuhl bis zur Shoppingtour, von Blumenkindern bis Emos, von Lebensgefühle und Freiheit bis zur Gefangenschaft und Folter: Musik ist aus keinem Lebensbereich, aus keinem Zeitalter und aus keinem Land wegzudenken. Sie schafft Zusammenhalt und Kaufkraft, kann gesund machen – oder auch wahnsinnig.
  • Foto: flickr/Kashirin Nickolai

 

Musik schafft Zusammenhalt

Wer kennt nicht „Blowin' in the wind“ von Bob Dylan oder „Where have all the flowers gone“ von Pete Seeger? Es sind zwei der bekanntesten Antikriegslieder. Musik wie diese löst Gefühle aus, die mit einer bestimmten Lebenseinstellung einhergehen. Antikriegslieder für die richtige Stimmung beim gewaltfreien Widerstand. Punkrock als Soundtrack einer ganzen Subkultur, Emocore als Erkennungsmerkmal und für das Zugehörigkeitsgefühl zu einer bestimmten Gruppe. Nicht nur im Teeniealter dient die Frage „Was für Musik magst du?“ auch der Identifikation. Gleicher Musikgeschmack bedeutet: Ich verstehe mich mit dir, wir sind ähnlich, wir könnten Freunde werden. Gleichzeitig dient Musik gerade Jugendlichen dazu, sich von anderen, besonders von anderen Generationen, abzugrenzen.

Musik schafft Verkäufe

„Merciii, dass es dich giiibt!“ Die Melodie dazu ist jedem im Kopf und wer die eckigen Packungen im Supermarkt sieht oder die schmalen Schokoriegel angeboten bekommt, erinnert sich schnell an den Werbejingle. Musik gehört zur Werbung wie die Milch zu den Cornflakes. Schon im 13. Jahrhundert haben Händler Lieder gedichtet, um lautstark ihre Waren anzupreisen. Heute dienen Werbejingles dazu, den Zuhörer bewusst und unbewusst mit dem Produkt und der Marke zu verbinden. Musik, oder auch nur kurze Töne wie das c-c-c-e-c der Telekom, sollen jedem direkt Marke und Produkt ins Gedächtnis rufen. Sie soll aber auch positive Gefühle wecken, die dann natürlich mit Marke und Produkt in Verbindung gebracht werden. Dafür werden besonders Töne gewählt, die auch Aufmerksamkeit erregen, wenn andere Geräusche dominieren oder der Zuhörer mit den Gedanken woanders ist.

Musik macht gesund

Musik als Heilmittel? Klingt nach Esoterik und Aberglaube, angeblich ist aber etwas dran. Wer selbst singt, steigert sein Immunsystem, fanden Wissenschaftler des Instituts für Musikpädagogik der Uni Frankfurt am Main in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Sängerbund in einer Studie 2007 heraus. Vor allem klassische Musik kann bei psychischen Problemen wie Ängsten und Depressionen, aber auch gegen Schmerzen helfen. Außerdem steigert sie die Konzentrationsfähigkeit und Kreativität. Schwangeren wird geraten, ihre ungeborenen Kinder schon im Mutterleib mit klassischer Musik zu beschallen, um die Entwicklung ihres Gehirns zu fördern.

Musik macht verrückt

Normalerweise ist Musik etwas Gutes. Sie ist angenehm, sorgt für gute Stimmung, Ruhe, Spannung - je nach Bedarf. Doch Musik kann auch schaden. Die Situation kennt wahrscheinlich jeder: Du sitzt im Zug, willst lesen, schlafen oder einfach aus dem Fenster schauen. Und dann meint irgendjemand, er muss den ganzen Wagen mit nervender Musik aus plärrenden Handylautsprechern beglücken. Die Situation kennt aber wahrscheinlich und hoffentlich keiner: Du sitzt in einem dunklen Raum, die Hände hinter dem Rücken gefesselt, unbeweglich, stundenlang und aus dem Lautsprecher tönt AC/DC, Britney Spears oder das Sesamstraßenlied. Es ist eine Foltermethode, die in Guantanamo angewandt wurde. Klingt erstmal lustig, ist es aber nicht. „Laut abgespielt, löst solche Musik einen Adrenalinschub aus, der Mensch findet keine Ruhe mehr“, sagt Christine Schoenmakers von Amnesty International.

Musik als Glaubensausdruck

„Jeder Christ ein Gitarrist“ lautet ein bekannter Spruch, der davon zeugt, dass Musik gerade auch in Glaubensfragen eine wichtige Rolle spielt. Kein Gottesdienst kommt ohne Musik aus – egal ob Orgel-Choräle oder moderne Worshipsongs im Rockgewand. Und auch in Kleingruppen, auf Freizeiten oder bei der persönlichen Zeit mit Gott kann Musik eine besondere Form sein, um mit Gott zu reden, um ihm zu danken oder seine Ängste und Sorgen vor ihn zu bringen. Schon die Bibel enthält eine ganze Sammlung an Liedern: die Psalmen. In ihnen werden Christen immer wieder auch aufgefordert, Gott musikalisch zu begegnen: „Singet ihm ein neues Lied; spielt schön auf den Saiten mit fröhlichem Schall!“ (Psalm 33,3).

 

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