Was mir meine Taufe bedeutet
660.000 Zuschauer hatte der vom ZDF übertragene Eröffnungsgottesdienst der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Magdeburg Anfang November. Dabei haben Nadine Herden und Tobias Leutritz (beide 28) in wenigen Sätzen über ihre Taufe berichtet. Für idealisten.net erzählen sie noch einmal ausführlicher, warum sie ihnen wichtig ist!
Nadine Herden:
Es war ein weiter Weg
Für mich ist die Taufe der Höhepunkt meines Glaubensweges. Ich wurde vor vier Jahren am Ostermontag in einem Gottesdienst der Evangelischen Studentengemeinde in Magdeburg getauft. Bis ich soweit war, mich in der Taufe zu Gott zu bekennen, war es ein weiter Weg: Aufgewachsen bin ich in Magdeburg ohne Bezug zum Glauben – abgesehen vom jährlichen Kirchgang zu Weihnachten. Nach meinem Abitur im Frühjahr 2003 lebte ich 6 Monate als Au-Pair im englischen St. Albans. Die Kinder meiner Gastfamilie sangen im Kirchenchor, die Gemeinde war ein Teil des alltäglichen Lebens. So besuchte ich in dieser Zeit regelmäßig Gottesdienste und Andachten der anglikanischen Kirche. Im Kirchencafé führte ich spannende Gespräche über den Glauben und die Rolle der Kirche in der heutigen Gesellschaft. Zwar verstand ich nicht immer alles, da z.B. die Lesungen und Predigten in altenglischer Sprache gehalten, doch ohne es bewusst wahrzunehmen, festigte sich mein Glaube.
Seht her, ich glaube!
Zurück in Magdeburg, hatte ich viele Fragen und wollte noch mehr über den christlichen Glauben erfahren. Ein Seminar der Studentengemeinde über Grundlagen des Christentums ermöglichte es mir, mich mit theologischen Fragestellungen und wichtigen Bibeltexten auseinanderzusetzen. Ich lernte, meinen Glauben zu reflektieren. Im Gespräch mit Studentenpfarrer Holger Kaffka und den anderen Kursteilnehmern konnte ich viele Antworten finden. Zum Kursende stand mein Entschluss fest: Ich wollte mich taufen lassen und so Teil der christlichen Gemeinschaft werden. Ich wollte das Abendmahl feiern und zeigen: Seht her, ich glaube! So bin ich Mitglied der evangelischen Kirche geworden.
Ich fühlte mich Gott nahe wie nie zuvor
Es war ein wunderschöner Taufgottesdienst. Im Vorfeld hatten wir den Ablauf mitplanen dürfen, so dass sich unter den Gemeindeliedern auch „Ins Wasser fällt ein Stein“ wiederfand – eines meiner Lieblingslieder. Während der Taufzeremonie bekam jeder Täufling ein weißes Gewand angezogen, und ich fühlte mich Gott nahe wie nie zuvor. Er hat mir seine Hand gereicht, und ich weiß mich von ihm getragen. Die Taufe bedeutet für mich, meinen Glauben an Gott sichtbar zu machen und mich zu ihm zu bekennen.
Nadine Herden ist Absolventin (Betriebswirtschaftslehre und Berufsbildung & Management) der Universität Magdeburg und engagiert sich in der Evangelischen Studentengemeinde Magdeburg im Bereich Öffentlichkeitsarbeit.
Tobias Leutritz:
Meine Taufe hatte für mich lange Zeit kaum Bedeutung
Ich wurde am Pfingstsonntag 1984 getauft – da war ich erst wenige Monate alt. Obwohl meine Eltern Christen sind, konnte ich mit meiner Taufe lange Zeit kaum etwas anfangen. Erst während meines Studiums gewann sie für mich wieder an Bedeutung, als ich anderen Getauften begegnete und Taufen selbst miterlebte. In der Evangelischen Studentengemeinde (ESG) in Magdeburg fand ich eine bunte, tolerante Glaubensgemeinschaft. Sie machte mir die Bedeutung der Taufe und des damit verbundenen Glaubens deutlich. Ich übernahm dort Aufgaben und knüpfte persönliche Kontakte – und wurde so immer mehr Teil dieser Gemeinschaft. Auch wandte ich mich der Kirche wieder zu. Die Vielfalt der Glaubensvorstellungen in der ESG hat mich bereichert. Meine Spiritualität erhielt neuen Auftrieb.
Eintauchen in eine Welt der Gemeinschaft
Taufe bedeutet für mich das Eintauchen in eine Welt, in der die Beziehung zwischen Gott und mir eine ganz besondere Bedeutung hat. Eine Welt, in der Gemeinschaft einen Sinn des Lebens darstellt. Gemeinschaft von Menschen, die bewusst nach der Gnade Gottes suchen und sie auch schon erfahren haben. Das Taufwasser erinnert mich nicht nur an (Sündenbe-)Reinigung, sondern vor allem an die Vielgestaltigkeit des mir geschenkten Lebens – denn auch Wasser hat ganz unterschiedliche Formen: Als Schneekristall verdeutlicht es uns beispielsweise die Herrlichkeit und kreative Schöpferkraft Gottes.
Ein unmittelbares Zeichen der Liebe Gottes
Letztlich ist mir Taufe ein unmittelbares Zeichen der Liebe Gottes. Daran denke ich, wenn mir Vertrauen und Zuwendung fehlen und ich voller Zweifel bin. Das gibt mir Kraft und Mut, Verantwortung zu übernehmen und beispielsweise in der ESG aktiv mitzuarbeiten.
Tobias Leutritz promoviert im Fach Physik an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg und ist ebenfalls in der Öffentlichkeitsarbeit der Evangelischen Studentengemeinde Magdeburg engagiert .
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