Was kostet die Meinungsfreiheit?
Freiheit befürwortet eigentlich jeder. Was sie aber alles kostet und abverlangt, merkt man häufig erst bei Detailfragen. Bisher konnte die Medienaufsicht in den USA unanständige Ausdrücke per Gesetz unterbinden. Ein Gericht erklärte die Vorschriften dazu jetzt allerdings als verfassungswidrig. Ist dies ein Sieg für die Meinungsfreiheit oder ein weiteres Indiz des Sittenverfalls?
Die US-Medienaufsicht Federal Communications Commission (FCC) verhängte bis jetzt regelmäßig saftige Geldstrafen für Radio- und Fernsehsender, auf denen zwischen 6 und 22 Uhr anstößige Wörter wie „fuck“ zu hören waren oder die freizügige Szenen zeigten. Ein Beispiel: Wie in Deutschland laufen im US-Fernsehen massenweise Doku-Soaps. Der Sender Fox sprang mit der Show „Married by America“ auf diesen Zug auf und wollte Singles bis vor den Traualtar führen. Nicht fehlen durften in den Sendungen die Junggesellenabschiede, auf denen es zuweilen sehr feuchtfröhlich zuging. Einmal waren dabei auch Striptease-Tänzerinnen zu sehen. Ein teurer Spaß für Fox, weil auch die Zensurbehörde FCC zugeschaut hatte und eine Strafe von mehr als einer Million Dollar verhängte.
Wo enden die Zuständigkeiten der Zensurbehörde?
Es gibt genügend Gründe, ein hartes Durchgreifen gegen „Sittenstrolche“ im Fernsehen zu befürworten. Man könnte argumentieren, dass eine strenge Medienaufsicht die einzige Möglichkeit ist, die Hyper-Sexualisierung der Gesellschaft zu verhindern. Wenn es hierfür keine strikten Regeln gibt, setzen die Sender auf Sex und Kriminalität, weil sich damit eben ordentlich Geld verdienen lässt. Somit dient ein Verbot von unanständigen Wörtern und Bildern letztendlich einem guten Zweck, nämlich der Erziehung der Zuschauer zu vernünftigen Bürgern.
Diese Herangehensweise hat jedoch einen Haken, denn der Staat muss – um angeblich „gute Zwecke“ zu verwirklichen – einen längeren Hebel installieren. Wer diesen bedienen darf, kann darüber entscheiden, was gut und was böse ist. Die Gefahr, dass dann nicht nur „Sittendelikte“, sondern auch politische Meinungen verboten werden, ist groß. In Österreich sorgen sich Journalisten gerade um ihre Meinungs- und Pressefreiheit, weil ein so genanntes „Terrorismuspräventionsgesetz“ ihre Recherche- und Berichterstattungsmöglichkeiten zu beschneiden droht.
Bei „Sittenstrolchen“ einfach ausschalten!
Freiheit muss auch immer die Freiheit der Anderen sein. Auch sie müssen behaupten dürfen, was sie wollen. Grenzen müssen natürlich dort gesetzt werden, wo die Freiheit ausgenutzt wird, um Menschenrechte zu verletzen. Im Umgang mit „Sittenstrolchen“ aber gibt es nur eine souveräne Reaktion: Einfach ausschalten.


