Was ist eigentlich Liebe?

Die Liebe ist das entscheidende Kriterium für Wahrheit. Nach Aussage der Bibel löst die Erkenntnis der Wahrheit in uns Liebe aus. Daraus folgt unmittelbar die Frage: Was genau ist eigentlich Liebe?
  • Foto: Flickr/dev null

 

Liebe ist Wertbejahung

Schlagen wir das doch mal im Lexikon nach:

"Liebe ist der Sammelbegriff einer Vielfalt menschlicher Gefühlsbedingungen, denen die rational nur unvollständig begründbare Wertbejahung eines Subjekts oder Objekts zugrunde liegt." (Brockhaus Lexikon)

Das klingt ziemlich geschwollen. Etwas verständlicher formuliert sagt das Zitat nichts anderes als: Liebe ist Wertbejahung, die von Gefühlen begleitet wird.

Entgegen der landläufigen, hauptsächlich durch Spielfilme und Romane geprägte Meinung ist Liebe kein Gefühl, sondern lediglich von Gefühlen begleitet. Der Kern der Liebe ist Wertbejahung.

Das kommt auch in der vielzitierten zentralen Aussage der frohen Botschaft zum Ausdruck:

"So hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen leiblichen Sohn gab, […]" (Johannes 3,16)

Die Liebe Gottes zur Welt drückt sich in dem Preis aus, den er für ihre Erlösung bezahlt. Folglich ist die Liebe auch im Verständnis der Bibel im Wesentlichen Wertbejahung.

Werte kann man messen

Nun kann man Werte in aller Regel messen. Das gilt auch für die Liebe.

Der Wert einer Ware ist der höchste Preis, den irgendjemand zu bezahlen bereit ist. Das wird deutlich, wenn man an Versteigerungen denkt, wo oft wahre Liebhaber(!)preise für Dinge bezahlt werden. Wer den höchsten Preis bietet,  bekommt den Zuschlag. Und der Preis für den etwas versteigert wurde, gilt fortan als der Wert der Sache.

Der Wert einer Ware wird allein durch die Nachfrage bestimmt. Er ist theoretisch begrenzt durch den höchsten Preis, den ein Nachfrager bezahlen kann, und er ist bestimmt durch den höchsten Preis, den ein Nachfrager zu zahlen bereit ist. (Der Preis einer Ware wird dagegen durch einen Ausgleichsprozess von Angebot und Nachfrage bestimmt. Der Wert und der Preis einer Ware ist meistens nicht dasselbe.)

Genauso wird auch der Wert eines Menschen ausschließlich durch die Nachfrage bestimmt. Ein Mensch, nach dem niemand fragt, der fühlt sich ungeliebt und wertlos. Wie aber drückt sich diese Nachfrage aus?

Die fünf Währungen der Liebe

Der Wert einer Ware wird in Geld ausgedrückt. Je nach dem, welche Währung gilt, entspricht der Wert einer Ware einem anderen Geldbetrag. Auch für die Liebe gibt es Währungen. Und genauso, wie in einem Land nicht einfach jede Währung akzeptiert wird, so wird von einem Menschen nicht jede Währung der Liebe akzeptiert.

Das wurde von Dr. Gary Chapman in seinem Werk ”Die fünf Sprachen der Liebe“ bereits qualitativ ausgedrückt. Er sagt im Wesentlichen: Genauso wie in einem bestimmten Land nicht jede Sprache verstanden wird, so wird auch von einem bestimmten Menschen nicht jede Sprache der Liebe verstanden. Ein Mensch fühlt sich nur dann geliebt, wenn die Liebe in seiner Liebessprache ausgedrückt wird.

Ich erweitere das um eine quantitative Betrachtung: Je mehr ein Mensch Liebe in seiner Spache empfängt, desto mehr fühlt er sich geliebt. Und deswegen bezeichne ich die von Dr. Chapman identifizierten Liebessprachen als Währungen der Liebe. Und die sind:

  1. Words of Affirmation (Worte der Bestätigung)
  2. Quality Time (Zeit und Aufmerksamkeit)
  3. Receiving of Gifts (Empfang von Geschenken)
  4. Acts of Service (Hilfsdienste)
  5. Physical Touch (Zärtlichkeit)


Jeder Mensch ist unterschiedlich darin, welche Währungen der Liebe er akzeptiert. Und es ist eine Herausforderung für den Liebenden, herauszufinden, welche das sind. Viele Beziehungskrisen lassen sich darauf zurückführen, dass man genau das nicht voneinander weiß. Man liebt zwar einander, aber die Liebe kommt beim jeweils anderen nicht an, weil sie in der falschen Währung ausgedrückt wird, und man fühlt sich trotz aller Liebe ungeliebt.

Frage an den Leser

Welche Sprachen der Liebe spricht Gott? In welchen Währungen teilt er Liebe aus, und in welchen Währungen möchte er sie empfangen?

An welchen Zitaten der Bibel lassen sich Gottes Liebessprachen erkennen? In welcher Deiner Liebessprachen hat Gott schon seine Liebe zu Dir ausgedrückt? Ich finde es wichtig, dass das jeder selbst entdeckt, und deswegen mag ich die Antwort hier nicht vorwegnehmen. Nur soviel: Ich glaube, dass Gott seine Liebe in allen genannten Sprachen oder Währungen ausdrückt.

Wer eine entsprechende Entdeckung in der Bibel oder in seinem Leben gemacht hat, mag sie gerne als Kommentar zu diesem Artikel anfügen.

 

Dieser Text ist eine Weiterführung zum Beitrag „Die Epistimologie der Bibel“.

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3 Kommentare wurden bereits abgegeben

  • 3.  
    schrieb am 15.05.2011 20:15

    Ja, Liebe ist ein Geschenk. Aber es gibt unterschiedliche Sprachen der Liebe, das stimmt. Ich mach mal ein persönliches Beispiel: Mein Papa ist jemand, der einen nicht oft in den Arm nimmt oder sagt:„Ich liebe dich“. Aber er schenkt mir immer wieder was oder hat mir was mitgebracht von der Kur, wenn er weg war. Das ist seine Art, seine Liebe mir gegenüber auszudrücken. Ich dagegen schreib eher kleine Botschaften oder räume die Küche auf, weil ich weiß, das freut meinen Papa. Bei meinen Freund – na klar – ist es leichter, die Liebe zu zeigen. Ihn zu umarmen oder zu beschenken und zu sagen, dass ich ihn liebe, fällt mir sehr leicht. Ich weiß auch, dass er das braucht und diese Sprache der Liebe versteht.

  • 2.  
    schrieb am 02.01.2011 15:12

    Danke, SimonJahn, für Deine Hinweise. Ich habe mich tatsächlich missverständlich und unsauber ausgedrückt.

    Es geht hier nicht um den objektiven Wert von Menschen, sondern es geht darum, welchen Wert ein Mensch für mich hat, und wie wertvoll ich mich als Mensch fühle. Und das lässt sich durchaus in den fünf genannten Währungen messen.

    Es ist leicht gesagt, dass man jemanden liebt, aber ob das wahr ist, das sieht man erst am Verhalten. Wenn ich mir für einen Menschen - oder für Gott - keine Zeit nehme (Quality Time), ihm meine Hilfe verweigere (Acts of Service), schlecht über ihn rede (Words of Affirmation), dann ist es schon fraglich, ob ich diesen Menschen - oder Gott - tatsächlich liebe.

    Des weiteren ist es eine wichtige Erkenntnis, dass sich die Liebessprachen der Menschen unterscheiden. So kann es durchaus sein, dass man sich gegenseitig aufrichtig liebt und das auch durch sein Verhalten zeigt, der andere sich aber dennoch nicht geliebt fühlt, weil er eben nicht die Signale bekommt, die er versteht.

    Und wie oft kommt es vor, dass wir uns von Gott nicht geliebt fühlen? Das mag durchaus auch daran liegen, dass wir seine Signale übersehen, weil wir andere erwarten.

  • 1.  
    schrieb am 21.12.2010 17:08

    In einigen Punkten kann ich Dir nicht zustimmen.

    Wenn Liebe Wertbejahung ist, gibt es doch auf der einen Seite den Wert und auf der anderen Seite denjenigen, der ihn bejaht. Der Wert an sich hat noch nichts mit Liebe zu tun, erst die „Bewegung“ der aktiven Bejahung drückt doch die Liebe (zu diesem Wert) aus. Ausdruck findet das in dem „Ja“ der Vermählung. In so fern ist das Entscheidende doch die Bejahung.

    Du schreibst: „Genauso wird auch der Wert eines Menschen ausschließlich durch die Nachfrage bestimmt. Ein Mensch, nach dem niemand fragt, der fühlt sich ungeliebt und wertlos.“

    Du vermischt hier zwei Ebenen: den Wert und das Wertgefühl. Wenn der Wert, so wie Du sagst, messbar ist, müsste es nach Deinen Ausführen konsequenterweise heißen: „Ein Mensch, nach dem niemand fragt, IST ungeliebt und wertlos“ oder „Genauso wird auch DAS WERTGEFÜHL eines Menschen ausschließlich durch die Nachfrage bestimmt.“ Erstes widerspricht der Bibel, zweites stimmt sicherlich.

    Die Frage über den Wert des Menschen, lässt sich denke ich nur aus Gottes Perspektive beurteilen, dem jeder unendlich viel Wert ist und der nach jedem fragt und ihm Liebe entgegenbringt.

    Auch finde ich, dass die Gleichsetzung von Liebe und Währung mehr als schief ist. Mit einer Währung, also mit Geld, kann ich mir etwas kaufen. Ich bezahle und bekomme etwas, das dann mein Eigentum ist. Das funktioniert aber bei Liebe nicht. Liebe ist ein Geschenk, dass ich jemandem entgegenbringe – ohne Gegenleistung.

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