Was hat mein Essen mit Gott zu tun?
„Segne Vater diese Speise, uns zur Kraft und dir zum Preise“ betet meine Oma schon seit Jahren vor ihren Mahlzeiten. Oft gehört habe ich es demnach schon, doch erst vor kurzem mal darüber nachgedacht: Das kurze Tischgebet zeigt vor allem die Verknüpfung zwischen Gott und meinem Essen, die mir oft gar nicht so bewusst ist. Fragt sich also: Wie sollte ich als Christ mit dem Essen umgehen?
Meine Nahrungszufuhr lässt sich relativ bequem organisieren: beim lässig durch den Supermarkt schlendern greife ich nebenbei mal rechts, mal links in die Regale und lasse die Produkte in meinen Einkaufswagen fallen. Das macht meine Oma zwar heute auch so, sie hat aber erlebt, was es bedeutet, fürs Essen hart arbeiten zu müssen und wie sehr man beim Anbau von Nahrungsmitteln und deren Ernte von „oben“ abhängig ist. Deshalb ist für sie der Zusammenhang zwischen Gott und Nahrung auch viel natürlicher. Aber in welcher Verbindung steht Gott heute mit unserem Essen?
Ist mein Essen ethisch vertretbar?
Was die Nahrungsbeschaffung angeht, haben wir es heute zwar bequemer, doch zu einfach dürfen wir es uns auch nicht machen: Früher brauchte man sich eher wenig Gedanken um Herkunft und Qualität der Lebensmittel zu machen, schließlich stammten sie oft aus eigenem Anbau. Heute ist das heute nicht mehr der Fall. Skandale um Gammelfleisch & Co. bringen uns zum Nachdenken, ob der Inhalt unseres Einkaufswagens tatsächlich gesundheitlich in Ordnung ist.
Vor allem müssen wir uns aber auch fragen, inwiefern er ethisch vertretbar ist: Fleisch aus Massentierhaltung!? Bis zur Unnatürlichkeit gespritztes Gemüse!? Kaffee, an dem der Bauer in Guatemala kaum etwas verdient hat!? Darf ich als Christ, der moralisch vorbildlich leben möchte, nicht eigentlich nur Bio- und Fair-Trade-Lebensmittel kaufen?
Was sagt die Bibel zum Essen?
In der Bibel finden wir keine Einkaufsliste und keinen Essensplan, die uns als Christen sagen, wie wir uns ernähren sollen. Dennoch kommt Essen in der Bibel häufiger vor, als manch einer annimmt: Sie enthält eine recht große Bandbreite an Essenvorschriften und -vorschlägen. Interessant ist, was Paulus in einem Brief an die Römer schreibt:
„So essen die einen guten Gewissens alles, während andere meinen, kein Fleisch essen zu dürfen. Niemand sollte deswegen auf die verächtlich herabschauen, die bestimmte Speisen meiden. Diese wiederum dürfen niemanden verurteilen, weil er das Fleisch der Opfertiere isst. Denn Gott hat den einen wie den anderen in seine Gemeinschaft aufgenommen. Du bist nicht der Herr deines Mitmenschen. Mit welchem Recht willst du ihn also verurteilen? Ob er im Glauben standfest bleibt oder ob er fällt, ist eine Sache zwischen ihm und Gott, seinem Herrn.“(Römer 12,2-4)
Wir sollten uns Gedanken über unser Kauf- und Essverhalten machen
Klar wird dadurch, dass wir als Christen uns nicht an spezifische Essensvorschriften halten müssen, was aber nicht heißt, dass wir uns keine Gedanken, über das was wir zu uns nehmen, machen sollten. Denken wir noch einmal an das eingangs erwähnte Tischgebet. Es soll „uns zur Kraft“ dienen. Klar, unser Körper braucht Nährstoffe, Energie, Flüssigkeit. Sonst fallen wir irgendwann „vom Fleisch“. Wir bitten Gott also, dass uns das Essen kräftigt und uns auch gut bekommt.
Doch dann geht es noch weiter: Die Mahlzeit soll auch „ihm zum Preise“ sein. Klingt seltsam – Gott mit dem Essen ehren … Wie soll das gehen? Ich denke, es kann heißen, sich bewusst zu machen, was man isst. Sich also Gedanken zu machen, sich zu informieren, seinen gottgegebenen Verstand zu nutzen und auch Verantwortung zu übernehmen, für das, was auf den Tisch kommt:
Stellen die Herstellungsmethoden einen zerstörerischen Eingriff in Gottes Schöpfung dar? Können wir den Anbau mit dem Gebot der Nächstenliebe vereinbaren? Zumindest in der Theorie ist man damit schon mal einen Schritt weiter, wenngleich die Praxis – allein schon durch den finanziellen Aspekt – sich weitaus schwieriger darstellt. Aber wir müssen ja auch nicht von jetzt auf gleich unser komplettes Ess- und Einkaufsverhalten umschmeißen. Wir können einen Anfang machen, indem wir einfach bewusster einkaufen und essen.


