Mischa Marin: Was Gott aus Krisen machen kann

Mit seiner Band „Allee der Kosmonauten“ und dem Projekt „Zeichen der Zeit“ schaffte er es 2003 bis 2006 mehrfach in die Charts. Nun meldet sich Mischa Marin mit seinem ersten Soloalbum „Die Mehrzahl von Glück“ zurück. In unserem Interview spricht er über Krisen, Glück und die Bedeutung von Erfolg.
  • Wandelt nun auf Solo-Pfaden: der einstige Allee der Kosmonauten-Sänger Mischa Marin. Fotos: Sergej Falk

 

Mischa, Du warst mit „Allee der Kosmonauten“ sehr erfolgreich. Warum habt Ihr Euch 2008 aufgelöst?
Unsere Vorstellungen hatten sich einfach zu weit auseinanderentwickelt. Die Monate vor der Auflösung standen wir uns immer mehr auf den Füßen. Jeder hatte seine eigenen Vorstellungen und wollte sie durchziehen. Wir diskutierten viel, stritten auch immer wieder. Wir hatten zwar nach wie vor Freude an den Auftritten, doch das Außenrum war sehr beschwerlich geworden. Trotzdem, die Band nach so vielen Jahren aufzugeben, war kein einfacher Schritt. Ich glaube, das war insbesondere für unser soziales Umfeld schon ein wenig wie eine Scheidung.

Wie ging es danach für Dich weiter?
Die Musik hatte mich zuvor völlig in Beschlag genommen. Deshalb habe ich die Auflösung der Band als Chance gesehen, mir erst mal eine Auszeit zu nehmen und mich mit Themen auseinanderzusetzen, für die ich zuvor keine Zeit gehabt hatte. All diese Fragen, die wir unter dem Schlagwort Gerechtigkeit verbuchen und die jetzt auch in das Album mit eingeflossen sind. Schon bald fing ich wieder an, neue Lieder zu schreiben. Sogar das Studio war schon angemietet. Da kam aus heiterem Himmel ein gesundheitlicher „Breakdown“. Ich hatte mich immer für einen sportlichen Typ gehalten. Plötzlich war ich so schwach, dass ich nicht mal mehr eine Treppe hochgehen konnte. Aber kein Arzt fand die Ursache. Und so wurde ich immer ängstlicher: Was wird mit mir passieren? Was mit uns als Familie? In dieser Zeit hat mir meine Gemeinde – die Freie evangelische Gemeinde Worms – viel Halt gegeben. Ich habe dann von den Ältesten über mir beten lassen, wie es die Bibel sagt (Jakobus 5,14). Am nächsten Tag war ich wieder „aufgerichtet“. Ich bin überzeugt, ich kann heute hier nur so sitzen, weil Gott dieses Gebet erhört hat. Ich bin bestimmt kein besserer Christ. Warum Gott das in meinem Fall getan hat und bei anderen nicht so, wie wir es uns wünschen, weiß ich nicht. Aber ich empfinde seitdem jeden Tag als ein großes Geschenk, viel mehr noch als vorher.

Dein Album ist aber gar nicht so melancholisch geworden, wie man nach diesen Tiefschlägen vermuten könnte. Du hast auch viele beglückende Erfahrungen in den letzten Jahren gemacht.
Ja. Einer der schönsten Momente war zum Beispiel, als ich Papa wurde. Da habe ich Freude erlebt, die ich so vorher nicht gekannt hatte. Bevor ich Christ geworden bin, konnte ich mir nicht mal vorstellen zu heiraten. Als ich die Kleine dann im Arm meiner Frau liegen sah, dachte ich mir: Junge, was für ein Idiot warst du nur, dir so ein Glück so lange vorzuenthalten?

Einige Lieder der CD erzählen sehr persönliche Geschichten, z. B. wie Du Deine Frau kennen und lieben gelernt hast oder von der Geburt Deiner Tochter. Wieso hast Du das veröffentlicht?
Ich bin nicht der Typ, der wild darauf ist, sein Privatleben allen auszubreiten. Aber ich habe das Persönliche bewusst nicht rausgenommen, um ein authentisches Zeugnis zu geben von dem, was ich erlebt habe: den Höhen wie den Tiefen. Und ich möchte zeigen, was Gott aus Krisen machen kann.

Ist es Dein Ziel, wieder so erfolgreich zu werden wie mit „Allee der Kosmonauten“ und „Zeichen der Zeit“?
Wenn du immer im Fokus der Medien stehst und dann plötzlich nicht mehr, ist das ja nicht per se schlimm. Du kannst trotzdem ein tolles Leben haben. Aber die Leute schauen dich mit fragendem Blick an: Was ist denn jetzt los? Warum kommt nichts mehr über dich im Fernsehen? Und auch wenn du selbst kein Problem damit hast, kann dich diese Erwartungshaltung von außen doch ganz schön verunsichern. Erfolg um des Erfolges willen ist nicht mein Ziel. Ich verbinde mit der Musik mehr. Ich möchte Menschen ermutigen und motivieren. Aber ich mag Herausforderungen. Und ich wünsche mir natürlich, dass meine Musik Gehör findet und Herzen erreicht.

Mischa Marin: „Die Mehrzahl von Glück“, 14 Lieder, 59 Min., Gerth Medien, 17,99 € / 28,95 SFr

 

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