Was Google uns beim Suchen verschweigt
Über 90 Prozent der deutschen Internetnutzer suchen mit Google. Google sammelt währenddessen Daten der Nutzer und verdient damit Geld. Soweit nichts neues. Doch wer beim Internetgiganten sucht, bekommt auch Informationen vorenthalten, die ihn vielleicht interessiert hätten. Aufgrund spezieller Filter befindet man sich in einer Informationsblase. Wer die durchbrechen will, muss sich auskennen.
Wenn du im Internet etwas finden willst, womit suchst du? Richtig: Google. Zumindest ist das bei über 90 Prozent der deutschen Internetnutzer so. Nun versuche ein kleines Experiment: Gib einen Suchbegriff, beispielsweise „Ägypten“ ein, und bitte einen Freund (egal wo auf der Welt), mit dem selben Begriff zu suchen. Ein Vergleich eurer Ergebnisse wird zeigen: Google sucht nicht immer gleich.
Vielleicht beschäftigst du dich viel mit Politik, liest und schaust ständig Nachrichten, bist auf Twitter Berichten von ägyptischen Demonstranten gefolgt und engagierst dich bei Amnesty International. Dein Freund dagegen nutzt jeden Urlaub für Reisen in neue Länder, kocht gerne arabisch, betreibt einen Blog über seine neuesten Reiseerfahrungen und hat neulich eine Schnorchelausrüstung bei eBay bestellt.
Google merkt sich, was dich interessiert
Wenn du nach Ägypten googelst, werden dir nun höchstwahrscheinlich Nachrichtenwebseiten und Berichte über den Arabischen Frühling angeboten. Dein Freund bekommt Vorschläge zu Tauchressorts am Roten Meer und günstige Hotelangebote. Denn Google merkt sich seit über zwei Jahren genau, wer du bist und was dich interessiert. Das funktioniert gut, so lange du der einzige bist, der deinen Rechner benutzt, du deine Cookies nie löschst und deinen Computer schon seit Jahren nicht mehr formatiert hast. Das geht aber auch, wenn du gerade auf gmail eingeloggt bist und gleichzeitig mit Google im Internet suchst.
Informationsverlust
Je mehr Google über dich weiß, desto gezielter zeigt die Suchmaschine nur Informationen an, die dich auf Grund deiner bisherigen Tätigkeiten im Internet interessieren dürften. Du wolltest auch gar keine Hotelangebote, sondern Nachrichten zur aktuellen Lage auf dem Tahrir-Platz? Super. Dein Freund wollte einen Urlaub in Ägypten buchen? Auch super. Dein Freund bucht den Urlaub, hat aber nicht erfahren, dass die Unruhen gerade wieder losgehen? Nicht so gut.
Das Problem der personalisierten Suchergebnisse ist nämlich, dass wir nur noch bestimmte, nämlich gefilterte Informationen bekommen. Wir werden in eine Blase – die sogenannte „Filter Bubble“ – gesteckt. Das heißt, du bist abgeschnitten von anderen Informationen, die dich auch interessieren, deinen Horizont erweitern oder dich sonst irgendwie bereichern könnten.
Auch bei Facebook wird gefiltert
Das gleiche Phänomen gibt es auf Facebook. Hast du dich schonmal gefragt, warum du immer nur noch die Statusmeldungen von den gleichen Freunden liest? Facebook filtert ebenfalls seit einiger Zeit die Updates deiner Kontakte. Facebook-Freunde, mit denen du öfter bei dem Social Network kommunizierst, deren Links du häufiger anklickst oder durch deren Fotoalben du dich vor kurzem gewühlt hast, zählt Facebook nun zu deinen engen Kontakten.
Menschen, mit denen du auf Facebook schon länger nicht mehr zu tun hattest – auch wenn ihr vielleicht jeden Tag drei Stunden telefoniert – erscheinen dort nicht mehr. Sie sind für dich uninteressant – hat Facebook dann beschlossen. So verpasst du vielleicht, dass ein alter Freund, dem du schon lange mal wieder schreiben wolltest, Vater wird, oder eine Freundin auch eine Ägyptenreise plant.
Das Verknüpfungs-Potential des Internet bleibt ungenutzt
Zurück zu Google: Dessen Suchergebnisse sind abhängig vom Standort des Computers, von der bisherigen Suchgeschichte, selbst vom genutzten Computer, Betriebssystem und Browser. Das Internet als unüberschaubare Masse an Menschen und Geschichten bietet eigentlich das Potential, uns mit Informationen in Kontakt zu bringen, die wir sonst nie erfahren hätten. Dazu zählen auch Meinungen von Menschen, die anders wählen, anders denken und anders glauben als wir selbst. Die ursprüngliche Idee des Internet, Menschen weltweit zu vernetzen, uns miteinander in Kontakt zu bringen, über Länder-, Kultur-, Religions- und Geschlechtergrenzen hinaus, wird also durch die Filter-Blasen vereitelt.
Raus aus der Blase – die Alternativen
Das kannst du hinnehmen und dich in deiner Blase, die Google, Facebook, Yahoo & Co. um dich herum aufbauen, gemütlich einrichten. Du kannst sie aber auch zum Platzen bringen. Denn zum Google-Giganten gibt es einige Alternativen, die ebenso effektiv das Internet durchsuchen und deren Suchergebnisse die Balance zwischen Informationen, die auf dich abgestimmt sind, und Informationen, mit denen du vielleicht nicht rechnest, besser hält.
Metager sucht in mehreren Suchmaschinen gleichzeitig – sicher ein Weg, um auch auf unerwartete Informationen zu stoßen. Anonym kannst du auf ixquick suchen, dort werden keine Nutzerdaten gespeichert. Wer beim Recherchieren gleich noch was Gutes tun will, kann Suchideen verwenden. Die noch recht unbekannte Suchmaschine spendet 80% ihrer Werbeeinnahmen an Kinder in Not. Ähnlich macht es Ecosia. Hier werden 80% der Einnahmen an für den Regenwaldschutz gespendet.
Wie man die personalisierte Suche umgeht
Natürlich kannst du Google aber auch treu bleiben. Ein „&pws=0“ hinter dem Suchbegriff deaktiviert die personalisierte Suche und liefert dir Informationen, die nicht auf deinen früheren Aktivitäten im Internet basieren. Ein Vergleich zwischen personalisierter und nicht-personalisierter Suche kann interessant sein.



