Was deutsche Olympioniken glauben

Egal, ob Spitzensportler, Funktionär oder Missionar – bei den Olympischen Spielen in der 
britischen Metropole London spielt der christliche Glaube bei nicht wenigen Akteuren eine wichtige Rolle.
  • Foto: flickr/kevin dooley

 

Lukas Müller strahlt mit seiner Goldmedaille um die Wette. Am 1. August wurde der Ruderer vom RC Germania Düsseldorf Olympiasieger mit dem Deutschland-Achter. „Wir waren uns eigentlich sicher, aber es kann immer was passieren. Es war ein hartes Rennen, und vielleicht habe ich zwei, drei Mal gedacht, dass die Briten uns knacken“, so Müller. Der aus dem mittelhessischen Solms-Albshausen stammende 25-Jährige hatte sich bei einer ProChrist-Veranstaltung mit Pfarrer Ulrich Parzany bekehrt. Sein Vater, der Allgemeinmediziner Georg Müller, ist Mitglied der Wetzlarer Brüdergemeinde im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden und Gründer des christlichen humedica-Ärzteteams. Bei der weltweit tätigen Organisation leisten Mediziner seit dem Jahr 2000 ehrenamtlich und kos­tenlos Hilfe in Katastrophengebieten. Müller erklärte gegenüber idea, sein Sohn habe zwar durch den Leistungssport nicht mehr so viel Zeit für die Gemeindearbeit, stehe aber fest im Glauben.

„Ich bin Gott begegnet“

Damit ist Müller nicht allein im deutschen Olympia-Team. Auch der Pistolenschütze Ralf Schumann ist bekennender evangelikaler Christ. Im Interview mit dem „Tagesspiegel“ sagte er: „Gewinnen ist Gnade. Klar muss man sich gut vorbereiten, das ist harte Arbeit. Aber das Gewinnergefühl kann man nicht produzieren, das geht einfach nur über ein gesundes Maß an Training, ein vernünftiges Leben – und eine gesunde Beziehung zu Gott.“ Er glaube, dass Gott ihm helfe. Dass es ihn gibt, habe er selbst erlebt. „2004 in Athen ist es gewesen. Es war nicht diese Art von Kontakt, dass er leibhaftig vor mir stand. Aber ich habe ihn gespürt“, bezeugt Schumann. Er sei damals in einer absoluten Lebenskrise gewesen. „Ich hatte meine Ehe zerstört, meine Familie – bis Gott eingriff.“ Er habe ihm vorher angesagt, dass er Olympiasieger werde. „Und mein Gold war der Beweis, dass es ihn gibt“, erklärt der 50-Jährige. Es sei ein Geschenk gewesen. Seitdem habe sich sein Leben radikal zum Guten hin verändert.

Autogrammkarte mit Bibelvers

Schumann ist Gemeindemitglied der Tübinger Offensiven Stadtmission (TOS), einer evangelikal-charismatischen Freikirche mit eigenem Missionswerk. Auf seinen Autogrammkarten steht der Bibelvers aus dem Brief des Paulus an die Philipper (3,13): „Ich vergesse, was hinter mir liegt, und strecke mich nach dem aus, was vor mir ist.“ Schumann war bereits dreimal Olympiasieger (1992, 1996 und 2004) und zweimal Einzel-Weltmeister (1990 und 1998). Dieses Jahr hatte er weniger Glück: Zum ersten Mal qualifizierte Schumann sich nicht für das olympische Finale. Aber mit nun 7 Olympiateilnahmen ist er Rekordhalter des deutschen Sports: Niemand nahm so oft teil wie er.

Geistliche Unterstützung

Als geistliche Unterstützung stehen den Athleten drei deutsche Sportpfarrer als Seelsorger zur Verfügung. Die EKD entsandte die Pastoren Thomas Weber und (für die Paralympics) Christian Bode, die (katholische) Deutsche Bischofskonferenz Pfarrer Hans-Gerd Schütt. Alle drei verfügten über langjährige Erfahrungen im Sport. Die Pfarrer bieten Gottesdienste im Deutschen Haus an. Jeder Athlet hat von ihnen die Broschüre „Mittendrin“ erhalten. Hier finden sich nicht nur Gebete und besinnliche Texte, sondern auch die Kontaktmöglichkeiten zu den Olympiapfarrern.

Wenn der 4. Platz als Katastrophe gilt

„Wertvoll sind die Gespräche, die sich manchmal nebenbei wie von selbst ergeben. Aber wenn man die Athleten beim Wettkampf beobachten konnte, kann man sie auch ganz persönlich ansprechen“, erzählt Pfarrer Weber. Der Leistungsdruck sei enorm groß. Oft werde schon ein 4. Platz als „Katastrophe“ gewertet. Er wünsche sich, dass die Sportler als Menschen wahrgenommen würden, sagte er gegenüber idea. Gott messe seine Geschöpfe nicht an ihrer Leistung, sondern – wie der Apostel Paulus schreibe: „Aus Gottes Gnade sind wir, was wir sind.“

50 Bibeln für 392 Sportler

Die (evangelische) Deutsche Bibelgesellschaft versorgte die 392 deutschen Olympiateilnehmer im religiösen Zentrum mit 50 „Gute Nachricht Bibeln“ in modernem Deutsch.

Missionarischer Großeinsatz

Auch sonst tut sich missionarisch einiges in London. Tausende beteiligen sich an der evangelistischen Initiative „More than Gold“. Ihr Ziel ist es, mit Menschen über den christlichen Glauben ins Gespräch zu kommen. Überall im Stadtgebiet verteilen sie Wasserflaschen an Besucher, aber auch an Taxi- und Busfahrer. „Die meisten sind so dankbar, wenn sie als Menschen in der Menge wahrgenommen werden. Oft werden wir gefragt: Warum tut ihr das? Und dann ist man schon mitten im Gespräch und kann die Liebe Gottes bezeugen,“ erzählt Sarah-Jane Alley, die die Verteilaktion leitet.

Viel Christliches zu Beginn

Im Olympischen Dorf gibt es ein multi-religiöses Zentrum, das sogenannte „Multi-Faith-Centre“. Jede Weltreligion hat einen eigenen schlichten Raum zur Besinnung. Andacht, Gebet und Gottesdienste sind hier möglich. Und auch die offizielle Eröffnungsfeier am 27. Juli trug christliche Züge: Am Anfang stand – gesungen von einem Kinderchor – das Lied „Jerusalem“ von William Blake, das inspiriert ist von der Legende, Jesus habe England besucht. Und bevor die Sportler einzogen, erklangen alle 5 Strophen des bekannten christlichen Abendchorals „Abide with me“ (Bleib bei mir, Herr) des schottischen Theologen Henry Francis Lyte. Zudem gab es kurze Einblendungen des preisgekrönten Kinofilms „Chariots of fire“ (Die Stunde des Siegers), in dem es unter anderem um einen christlichen Läufer geht, der sonntags nicht starten will. Die Titelmelodie des Films wird vor allen Siegerehrungen eingespielt.

Soziale Netzwerke:

Willkommen! idealisten.net – Das Netzwerk zum Mitmachen!

Deine Beiträge - ob Text, Bild oder Video - sind gefragt! Registriere dich mit Benutzername, E-Mail und Passwort und schon kannst du mitmachen.

 
 
 
 


Du musst eingeloggt sein, um einen Beitrag kommentieren zu können.

1 Kommentar wurden bereits abgegeben

  • 1.  
    schrieb am 25.08.2012 05:41

    William Blake und christlich - das ist ja wohl ein Witz!

    Wenn dann wohl nur bzgl. eines pervertierten Christentums, welches die menschliche Natur und die menschlichen Verlangen idealisiert, seine Gefallenheit und Sündhaftigkeit leugnet und einer rein spekulariven Mystik a la Swedenborg folgt und vollkommen feindlich der Moderne und der Rationalität gegenüber steht. Einer solchen Christlickeit mag sicher auch die postmoderne säkulare Gegenwartskultur folgen. Das Lied "Jerusalem" gehört in manchen anglikanischen Kirchen zum verbannten Liedgut (einfach googlen: "jerusalem banned in cathedral"), warum wohl?

    Ebenso dürfte eine Lektüre seines Buches "Marriage of Heaven and Hell",(Hochzeit von Himmel und Hölle) jedem klar machen wes Geistes Kind Blake war, jedenfalls nicht des Christentums, welches die Apostel verkündigten.

    In Teilen kann man C.S. Lewis' "The Great Divorce" (Die grosse Scheidung) als eine Entgegnung zu Blakes Buch sehen, im Vorwort wird es jedenfalls explizit erwähnt.

     

    Was den Film "Chariots of Fire" angeht (der Titel bezieht sich auf eine Zeile aus dem Lied Jerusalem), so ist dies ein Film in dem zwar Religion ihren Platz hat, und Erfüllung der Gebote nicht aber die Botschaft von Christus. Viel Geld für den Film kam übrigens von Dodi al Fayed, was in diesem Zusammenhang auch interessant ist. Wenn etwas in diesem Film verherrlicht wird, dann England/Großbritannien, dessen Bürger al Fayed so unheimlich gerne geworden wäre, und welches ihn dann angeblich zusammen mit Prinzessin Diana umbringen ließ.

1