Was bedeutet mir Karfreitag?
Vor 2000 Jahren starb Jesus am Kreuz von Golgatha für die Sünden der Menschheit. Christen erinnern sich am Karfreitag. Aber wie soll man den Tag begehen? Einfach mal ausspannen oder sich besonders auf Gott ausrichten? Idealisten.net hat fünf junge Christen gefragt, was ihnen der Karfreitag bedeutet.
Freude und Mitleid
Dass Jesus für die Sünden der gesamten Menschheit gestorben ist und sie am Kreuz getragen hat, sind Aussagen, die mir schon im Kinderwagen vorgebetet wurden. Jedoch begreife ich erst nach und nach die alles umwälzende Bedeutung dieses Geschehens. Je mehr ich die Welt und die Menschheit in ihrer Perversität kennenlerne, desto mehr kann ich die Grausamkeit erahnen, die Jesus in diesen Momenten zerrissen haben muss. Für mich persönlich wird der Karfreitag von einer zartbitteren Melancholie geprägt sein, die sich in einer Mischung aus dankbarer Freude und trauerndem Mitleid für ihn ausdrückt. Mitleid nicht für das, was er ertragen musste – das war seine Mission. Sondern Mitleid dafür, dass so viele Menschen die historische Wichtigkeit dieses Tages nicht kennen oder anerkennen.
Albert Schmidt (23) studiert Medienwissenschaft und Philosophie an der Uni Trier
Mehrmals im Jahr daran denken
Karfreitag kommt für mich jedes Jahr aufs Neue ganz plötzlich und unerwartet. Von einem Tag auf den anderen soll ich mir bewusst machen, was Jesus wegen meiner Sünde erleiden musste. Natürlich sollte es ein Tag in Trauer und Demut sein. Aber das fällt mir schwer, wenn ich gerade in bester Frühlingslaune bin und mich auf das verlängerte Wochenende mit meiner Familie freue. Ich verdränge das ganze Jahr über recht gut, dass Gottes Liebe zu mir auch ein Opfer forderte – an Karfreitag kann ich darüber schlecht hinwegsehen. Der Tag ist Dreh- und Angelpunkt meines Glaubens. Mit ihm steht und fällt das, was ich als Christ lebe und bezeuge. Aber dass er wegen mir so viel Gewalt und Brutalität erfahren hat und schließlich sterben musste, daran muss ich mehr als nur einmal im Jahr denken und dafür danken.
Mirjam Petermann (21) studiert Germanistik und Evangelische Religionslehre an der Uni Erfurt
Eis essen zu gehen, wäre unangemessen
Bei meinen Großeltern gibt es Karfreitag nur Nudeln zu essen. Mittags findet ein Gottesdienst zur Stunde von Jesu Tod statt. Danach mit Freunden Eis essen zu gehen, wäre für mich unangemessen. Karfreitag ist geschenkte Zeit, die ich nutzen kann, um mich an das zu erinnern, was vor 2000 Jahren auf Golgatha geschah: Ein Unschuldiger nahm alle Schuld auf sich, litt und starb. Etwas unbequem ist das schon. Schöner ist es, die Geburt des Kindes in der Krippe zu feiern oder das leere Grab. Aber ohne Karfreitag wäre das bedeutungslos. Dieses Jahr möchte ich bewusst daran denken, was Jesus für mich getan hat. Und warum mich nicht deshalb etwas beschränken? Der Ostersonntag kommt doch auch dieses Jahr nur zwei Tage später...
Paul Geck (19), Schüler aus Pohlheim bei Gießen
Mein Gott starb als mein Freund
Wie würde ich mich verhalten, wenn ich einem Freund das Leben retten könnte – um den Preis meines eigenen Lebens? Oft stelle ich mir dieses Szenario vor: Würde ich mich schützend vor ihn werfen, um die Kugel abzufangen, die für ihn bestimmt ist? Oder würde ich davonrennen, um mein eigenes Leben zu bewahren? Jesus sagt in Johannes 15, 13, dass niemand mehr Liebe hat, als derjenige, der sein Leben für seine Freunde opfert. Karfreitag ist der Tag, an dem mein Freund sich schützend vor mich warf, um den Zorn Gottes, der für mich bestimmt war, abzuwenden. Er ließ sich für mich verraten und misshandeln. Er wurde an meiner Stelle getötet. Er tat es aus Liebe. Mein Gott starb als mein Freund, um Frieden zwischen mir und ihm zu stiften. Anders als in einem Film ist dieses Ereignis an Karfreitag aber nicht das dramatische Ende, sondern ein gewaltiger Anfang: So wie Jesus drei Tage später auferstanden ist, so wird jeder Mensch, der an ihn glaubt, ewiges Leben haben.
Andreas Fronius (23) studiert Theologie am Theologischen Seminar St. Chrischona in Bettingen bei Basel (CH)
Ich stelle mir alles bildlich vor
Karfreitag ist für mich ein Tag, an dem ich mir ein paar Minuten Zeit nehme, um mir die Ereignisse vom letzten Abendmahl bis zur Hinrichtung auf Golgatha bildlich vorzustellen. Ich sehe alles, höre alles, bekomme alles mit – immer mit dem Hintergedanken: Das hätte eigentich ich erleiden müssen. Der Höhepunkt meines Kopfkinos ist, wenn ich alleine vor dem Kreuz stehe und in die liebevollen Augen des sterbenden Gottessohns aufsehe. Ich frage ihn, den Tränen nahe: „Wozu?“ und Jesus antwortet mir: „Für dich.“ Nach einem solch hautnahen Erlebnis wird mir neu bewusst, was mir im Alltag oft nicht präsent ist: Das wichtigste Ereignis der Weltgeschichte ist der Tod meines „Freundes“ zur Rettung der gesamten Menschheit. In Kombination mit Ostern fällt es mir in diesen Momenten viel leichter, Gott für sein Opfer zu danken und ihn anzubeten.
Christina Drechsel (19), Schülerin aus Breitscheid bei Dillenburg


