Wahre Freunde im Netz?!

Neulich auf YouTube: Videos auf besagtem Portal anzuschauen ist für mich und die meisten meiner Altersgenossen nichts Besonderes mehr, sondern eine absolut normale Sache. Erstaunt war ich, als ich einen Banner entdeckte, auf dem YouTube zum fünfjährigen Bestehen gratuliert wurde. YouTube gibt es also erst seit fünf Jahren!? Sprich, als ich dreizehn war, gab es diese Seite noch gar nicht. Eine etwas schockierende Erkenntnis und Anlass für mich, zu recherchieren, wie lange andere Internetportale schon existieren.
  • Foto: Pixelio/Dieter Schütz

 

Warum SchülerVZ und Co?

Portale wie YouTube ermöglichen aller Welt seine privaten Videoaufzeichnungen zugänglich zu machen. Ebenso erfolgreich sind die Sozialen Netzwerke wie SchülerVZ oder Facebook. Sie haben sicherlich wesentlich dazu beigetragen, dass die Nutzug des Internets solch einen enormen Zuwachs zu verzeichnen hat. Doch welchen Reiz üben diese sozialen Netzwerke überhaupt aus? Warum sind viele Teenager bereit, tatsächlich der ganzen Welt private Details und persönliche Empfindungen zugänglich zu machen? Was diese Seiten so attraktiv macht, ist bestimmt, dass ich es selbst in der Hand habe, wie die anderen mich wahrnehmen sollen. Durch das Profil, das ich anlege, die Gruppen denen ich beitrete und die Fotos, die ich von mir hochlade, kann ich selbst entscheiden, wie „cool“ ich  rüberkommen will. Diese „Coolness“ wiederum wird dann an den "Freunden", die ich  in den Netzwerken sammeln kann, gemessen. Doch ist der Begriff „Freunde“ in diesem Zusammenhang überhaupt angemessen?

Die meisten User kennen ihre "Freunde" überhaupt nicht

Verschiedene Studien belegen, dass die meisten User einen Großteil ihrer Internet-Freunde überhaupt nicht kennen. Die Zahlen schwanken zwischen der Hälfte und einem Drittel Unbekannter in der Freundschaftsliste. Trotz dieser Anonymität werden gerade die virtuellen Freunde, bzw. das soziale Netzwerken an sich, immer wichtiger und erfreuen sich großer Beliebtheit. Doch wenn es innerhalb der letzten drei Jahre schon solch eine rasante Entwicklung gegeben hat, wie mag das wohl in den nächsten drei bis fünf Jahre aussehen? Wie mag das enden, kann man sich sogar fragen. Denn wenn die Entwicklung weiterhin so voranscheitet, ist es meiner Meinung nach unausweichlich, dass man in Zukunft eine neue Definition des Begriffes „Freundschaft“ benötigt.

Wozu Freunde im Netz?

Die Freundschaften, die man im Netz schließt, sind ohne Frage oft praktisch und bringen mir persönlich Vorteile: In einer fremden Stadt weiß ich, wo ich schlafen kann, weil ich dort einen Freund habe. Aber keinen, den ich noch aus „alten Zeiten“ kenne, sondern einen, der mit mir gemeinsam „netzwerkt“ und zufällig auch in der  „share-your-couch“-Community angemeldet ist. Doch ist das, was uns verbindet, dann tatsächlich eine Freundschaft? Schließlich geht es bei unserer Beziehung letzten Endes nur darum, dass ich einen Nutzen aus ihr ziehe. Für den Anderen und seine Probleme interessiere ich mich doch nicht wirklich.

Neudefinition von Freundschaft

Ist in Zeiten, in denen der Freundschaftsbegriff so voreilig verwendet wird, ein Freund noch jemand, mit dem du dein Innerstes teilst?  Nein - wohl eher jemand, mit dem du zufälligerweise das selbe Netzwerk teilst. Ist ein Freund noch jemand, der dich und deine Probleme ganz genau kennt? Nein, wohl eher jemand, der nur das von dir weiß, was du im Netz von dir preisgegeben hast. Ist ein Freund noch jemand, der mit dir durch dick und dünn geht? Nein, wohl eher jemand, der dich grade dann kontaktiert, wenn er dich oder deine Couch gerade dringend braucht. Zu was die modernen und immer mobiler werdenden Computer und Handys uns auch befähigen werden, eine realen Freund und eine Umarmung werden sie nie ersetzen können.

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