Vertrauen oder Vertraulichkeit?

Vertrauen und Verschwiegenheit: Das ist den Deutschen innerhalb einer Freundschaft am Wichtigsten, wie ein kürzlich veröffentlichte Umfrage der GfK herausfand. Doch wie sieht es mit der Verschwiegenheit gegenüber dem besten Freund oder der besten Freundin aus? Darf ich meiner Freundin beispielsweise eine vertrauliche SMS oder E-Mail von einer dritten Person zeigen?
  • Foto: Flickr/Electric Images

Was heißt vertraulich?

Zunächst einmal muss geklärt werden, was „vertraulich“ überhaupt bedeutet. Wikipedia sagt dazu: „Vertraulichkeit ist die Eigenschaft einer Nachricht, nur für einen beschränkten Empfängerkreis vorgesehen zu sein. Weitergabe und Veröffentlichung sind nicht erwünscht.“ Eindeutige Aussage: Der Schreiber möchte nicht, dass seine Nachricht weitergegeben wird. Weil, das muss man noch hinzufügen, er in der Nachricht etwas von sich selbst offenbart.

Die Intention

Doch so einfach wie im Wikipedia-Artikel ist die Praxis dann doch nicht. Schließlich ist die beste Freundin (der Einfachheit halber lasse ich den besten Freund ab hier mal weg) doch auch die größte Vertraute. Und es kann verschiedene Gründe geben, seiner besten Vertrauten den Inhalt einer vertraulichen Nachricht anzuvertrauen. Genau das ist auch das Entscheidende: die Intention. Wieso möchte ich meiner besten Freundin den unbedingt diese SMS oder Email zeigen?

Allgemeine Belustigung

Gerade bei Männern herrscht ja die Angst vor, dass ihre liebesbezeugenden Nachrichten an die Angebetete von deren Freundinnen auseinandergenommen werden. Mit „Sex & the City“ und Co werden solche Klischees bestärkt: Die Frauenrunde amüsiert sich köstlich über die vom Verehrer so mühsam verfassten und ernst gemeinten Zeilen, die eigentlich nicht für alle ihre Freundinnen bestimmt war. Auch wenn es in der Realität vielleicht nicht ganz so krass ist wie in der beliebten Serie, ist da wohl was Wahres dran. Vertrauliche SMS oder E-Mails werden oft ziemlich leichtfertig anderen gezeigt und das zur allgemeinen Belustigung. Hier sollte man sich fragen, ob die Aufmerksamkeit, die man erzielt oder die allgemeine Belustigung es wirklich wert sind, das Vertrauen des Schreibers zu missbrauchen.

Belastende Inhalte

Aber was mache ich, wenn der Inhalt für mich belastend oder verwirrend ist und ich nicht weiß, wie ich damit umgehen soll? Wenn man selbst nicht weiter weiß, ist es oft hilfreich andere Personen in die Situation einzuweihen. Und wer eignet sich dazu besser, als die beste Freundin? Vielleicht betrifft der Inhalt auch nicht mich, sondern den Schreiber. Dieser hat mit etwas gestanden, etwas über sich erzählt, das mich schockiert und überfordert. Auch hier ist es vertretbar, sich bei der besten Freundin Rat zu holen. Schwieriger wird es, wenn es in der SMS oder E-Mail um die beste Freundin selbst geht. Sollte ich mit ihr darüber reden oder Stillschweigen wahren?

Richtig entscheiden

Hier helfen natürlich keine pauschalen Antworten, denn solche Entscheidungen sind situations- und personenabhängig. Deshalb ist es wichtig, sich Zeit zu nehmen, dies zu analysieren, sich über eigene Beweggründe und mögliche Folgen klar zu werden. Nur dann kann man zu einer „richtigen Entscheidung“ gelangen. Es gibt jedoch (mindestens) zwei Dinge zu beachten, wenn man sich dafür entscheidet, Dritte über den Inhalt einer vertraulichen Nachricht in Kenntnis zu setzten:  Zum Einen ist es ein Unterschied, ob die beste Freundin den Schreiber der Nachricht kennt, mit ihm andauernd in Berührung kommt oder er für sie nicht mehr als ein Name ist. Denn die Tatsache, dass die beste Freundin dann etwas über diese Person weiß, was sie nicht wissen sollte, beeinflusst ihr Denken und Verhalten gegenüber dem Schreiber. Hier lohnt es sich auch die Frage zu stellen: Muss es unbedingt die beste Freundin sein, mit der man darüber spricht? Wenn ja, dann noch der Hinweis: Es ist ein Unterschied, ob man mit seiner besten Freundin über den Inhalt einer SMS oder E-Mail redet, oder diese ganz zeigt oder weiterleitet.

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