Vertrauen lernen in Afrika
Für dieses Jahr hatte ich frühzeitig meine Urlaubspläne perfekt gemacht. Das Flugticket nach Norwegen war so gut wie gebucht, die Unterkunft bei einer Gastfamilie geregelt. Doch Gott hatte einen anderen Plan für meinen Urlaub: Er rief mich nach Afrika – für einen Missionseinsatz!
Ich lernte zwei Mitarbeiter des Missionswerkes Diguna (s. u.) kennen, die mir von dem dreiwöchigen Missionseinsatz „Kids for Jesus“ in Kenia erzählten. Knappe drei Monate waren es bis zum Abflug. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt weder einen gültigen Reisepass, die notwendigen Schutzimpfungen noch die passende Ausrüstung. Trotzdem entschied ich mich dafür, mit ihnen nach Kenia zu fliegen.
Die Kinder rannten uns entgegen
Gemeinsam mit elf jungen Christen verschiedener Konfessionen aus Deutschland und einem Team von Kenianern und deutschen Missionaren machten wir uns auf, um in kenianischen Schulen den Kindern von Gott zu erzählen. Wir „Mzungus“, was so viel heißt wie „weiße Männer“, waren eine echte Attraktion. In einem alten offenen deutschen Lastkraftwagen fuhren wir quer durch den afrikanischen Busch. Die Kinder sahen uns schon von weitem – sie rannten uns in ihren bunten Kleidern barfuss entgegen, winkten, lachten und riefen.
So viele Kinder hatte ich in meinem Leben noch nicht gesehen. Tatsächlich sind etwa 40 Prozent der Bevölkerung Kenias jünger als 15 Jahre. Wir beteten mit ihnen, spielten Theater, lasen aus der Bibel vor und berichteten von unserem Glauben. Sie hingen uns an den Lippen – so oft passiert es nicht, dass diese Kinder Besuch bekommen.
Zerrissene Röcke und offene Herzen
Eine Gruppe von Schülern und Lehrern ist mir besonders in Erinnerung geblieben: Es war die „Friends School - Lurale Pimary“, die ärmste Schule, die wir besuchten. Die Gebäude waren baufälliger als die anderen, die Kleider dreckiger, die Röcke der Mädchen zerrissener, von Büchern keine Spur. Aber ihre Herzen waren so offen für uns Besucher und für Gott. Wir waren einfach „karibuni sana“ - „herzlich willkommen“!
Ohne Gott könnten sie nicht bestehen
Auf einmal war mir klar, warum die Menschen Kenias Jesus eher in ihr Leben einladen als wir Europäer: Sie wissen, dass sie nicht alleine bestehen können. Dort gibt es keine Elektrizität, keine Supermärkte, kein sauberes Wasser, keine guten Straßen und keine medizinische Versorgung nach europäischem Standard. „Wir vertrauen einfach auf das Gebet und darauf, dass Gott uns helfen wird“, erzählte Pastor und Diguna-Mitarbeiter Stephen Kilel. In Europa hingegen ist der Wohlstand so groß, dass ein Leben ohne Gott scheinbar möglich ist.
Leben unter freiem Himmel
Während unseres Einsatzes lebten wir in einer kenianischen Großfamilie. Ich staunte nicht schlecht, als Missionar John Mutali von seinen 20 Geschwistern erzählte. Dazu kamen jede Menge Kinder, Cousins, Tanten und Freunde, die bei der Familie wohnten. Das Leben spielte sich fast ausschließlich draußen ab: Wir kochten unter freiem Himmel, wir duschten draußen, wir aßen auf der Terrasse und schliefen im Zelt. Wir schlossen Freundschaft mit den Familienmitgliedern, unterhielten uns bis in die Nacht.
Die Hautfarbe spielte irgendwann keine Rolle mehr
Irgendwann sahen wir die Hautfarbe nicht mehr. Vielmehr freuten wir uns immer mehr an der Vielfalt der Menschen, die Gott auf dieser Erde geschaffen hat – egal ob schwarz oder weiß. Es hat sich absolut gelohnt, auf Gottes Stimme zu hören. Auch wenn meine Reise nach Afrika rational nicht begründbar war, konnte ich dort Erfahrungen sammeln, die für mein Leben und das Leben vieler anderer wertvoll sind.
Diguna - Die gute Nachricht für Afrika
Das evangelische Missionswerk Diguna (Haiger/Hessen) betreibt seit 1972 Missionsstationen in den ostafrikanischen Ländern Kenia, Kongo, Uganda und Sudan. Diguna unterhält in diesen Ländern u. a. Kinderheime, Schulen und Radiostationen. In Kooperation mit lokalen Kirchen und Gemeinden führt das Missionswerk zudem evangelistische Einsätze durch. Zu diesen evangelistischen Einsätzen zählt auch die Freizeit „Kids for Jesus“, bei der wir acht Grundschulen und Gymnasien in der Gegend bei Eldoret, Kenia besuchten.
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