Wie mich eine SMS zurück zum Glauben brachte

Rund 7.500 Besucher werden zum Willow-Creek-Leitungskongress in Stuttgart erwartet, der heute begonnen hat. Auch Jasmin Weiß ist mit dabei. Denn einer der Vorgängerkongresse hat ihr Leben grundlegend verändert.
  • Foto: privat

 

Jasmin Weiß (30) wächst in Mosbach bei Heidelberg auf – „in einer gutbürgerlichen Familie“, wie sie sagt. Zwar ist sie getauft, aber im Alltag spielt der Glaube eigentlich keine Rolle. Dabei ist sie in der Grundschule besonders vom Religionsunterricht fasziniert: „Der Pfarrer konnte die biblischen Geschichten so spannend erzählen.“ Auch in ihrer Freizeit hat Jasmin Kontakt zu Christen. Denn neben dem Schulgebäude befindet sich die Zentrale des Missionswerks „Operation Mobilisation“. „Mit den Missionarskindern habe ich mich immer gut verstanden.“

Nie wieder Musik für Gott machen

Doch ihre eigentliche Leidenschaft ist die Musik. Sie singt, tanzt, spielt Klavier, gewinnt zahlreiche Preise bei „Jugend musiziert“ und weiß bereits mit 13 Jahren, dass sie einmal Operngesang studieren möchte. „Mein Leben lief glatt und erfolgreich“, sagt sie. Bis zum Jahr 2001, das einen tiefen Einschnitt bringt. Jasmin hat gerade Abitur gemacht, als ein sehr guter Freund tödlich verunglückt. „Das hat mir den Boden unter den Füßen weggerissen.“ Die junge Frau hadert mit Gott. „Ich habe ihm gesagt: O. K., es gibt dich. Aber ich werde nie wieder Musik für dich machen.“ Auch aus ihrem Freundes- und Bekanntenkreis zieht sie sich zurück, kapselt sich ab.

Erfolg ist nicht alles

Ein Stipendienjahr in Israel zerschlägt sich wegen der instabilen politischen Lage vor Ort. Stattdessen entscheidet sich Jasmin für ein Freiwilliges Soziales Jahr in einer Akutpsychiatrie in Freiburg. Der Chef dort ist Christ, singt in seiner Freizeit im Kammerchor. Mit ihm führt sie viele Gespräche. „Rückblickend sehe ich, dass Gott mir auch in diesen schweren Zeiten immer die richtigen Menschen zur Seite gestellt hat. In dieser Phase merkte ich erstmals, dass persönlicher Erfolg nicht alles ist im Leben.“ Sie möchte Menschen helfen, entscheidet sich, in Waldenburg (zwischen Nürnberg und Heilbronn) eine Ausbildung zur Sporttherapeutin zu machen.

Eine Kurznachricht mit Folgen

Dort bekommt sie Kontakt zu einem christlichen Ehepaar, das sie 2003 zum Willow-Creek-Kongress nach Nürnberg mitnimmt. „Zunächst dachte ich, was sollen die mir Neues erzählen? Ich brauche das nicht.“ Doch sie kommt trotzdem mit. Als Willow-Creek-Gründer Bill Hybels (aus South Barrington bei Chicago) an einem Abend über Vergebung spricht und dazu auffordert, jemandem per Handy eine Kurzmitteilung zu schicken, mit dem man sich versöhnen wolle, fällt Jasmin sofort jemand ein – ein Pastor, der ihr nach dem Tod ihres Freundes offen gesagt hatte, dass sie sich mit ihrem damaligen Lebensstil von Gott entfernt. „Ich habe das damals als überhebliche Belehrung empfunden und den Kontakt abgebrochen.“ Während sie anfängt zu tippen, fällt ihr Blick wenige Reihen weiter vorn genau auf diesen Mann. Die beiden sprechen sich noch am selben Abend aus.

„Das war zugleich der Beginn meiner Versöhnung mit Gott“, sagt sie. „An diesem Abend habe ich Gott gesagt: O. K., ich will wieder mit dir leben.“ Als eine Antwort darauf sieht sie die Tatsache, dass sie bei einem der Willow-Creek-Folgekongresse ihren jetzigen Mann Kornelius kennengelernt hat, mit dem sie heute in Butzbach (bei Gießen) lebt und dort zur Evangelischen Stadtmission gehört.

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