Vater/Mutter, unser/e im Himmel

Selbst vor dem Allmächtigen macht die Gender-Ideologie keinen Halt. Die Schottische Episkopalkirche will jeden Bezug auf Gott als männliche Person abschaffen. Es handele sich um eine Frage der politischen Korrektheit, erklärten die Bischöfe der anglikanischen Kirche.
  • Geschlechtsneutral soll für eine schottische Kirche bald sogar der liebe Gott sein. Foto: Flickr/S. Hofschlaeger

 

Ist in schottischen Messen bald von „der / die allmächtige Gott / Göttin“ die Rede? Die „Scottish Episcopal Church“ will genau das erreichen. Nach einem Beschluss der rund 50 000 Menschen zählenden Kirche soll jeglicher Bezug auf einen männlichen Gott aus den Gottesdiensten verschwinden. „Wir wollen über Gott als etwas sprechen, das über den Geschlechtern steht“, erklärte man in einer Konferenz der Bischöfe. Man sage nicht, dass Gott nicht männlichen Geschlechts sei, sondern, dass er auch weiblich sei. „Wir versuchen, eine Sprache zu verwenden, die es erlaubt, angemessen das Unbeschreibliche zu beschreiben, eben Gott.“

Dem Zeitgeist angebiedert

Doch das hinter der abstrusen Umbenennung des Allmächtigen weniger die Übermenschlichkeit Gottes steckt, sondern die Gender-Ideologie, räumten die Bischöfe selbst ein: „Es handelt sich um eine Frage der politischen Korrektheit!“

Bei ihrem Bekenntnis zur Gender-Ideologie will es die Kirche allerdings nicht bei symbolträchtigen Worten belassen. Vielmehr soll das neue Vokabular konkreten Einzug in Liturgie und Lesung erhalten. Formulierungen wie „der Herr“ und „der Vater“ sollen dabei ebenso wegfallen wie „er“, „ihn“ und „ihm“.

Unvereinbar mit christlicher Lehre

Konservative Kirchenmitglieder üben heftige Kritik am Unterfangen der Bischöfe: Eine geschlechtsneutrale Darstellung Gottes stünde nicht im Einklang mit der Lehre der Bibel. Zudem sei sie „völlig unnötig“, wie Rev Hall von der „Scottish Prayer Book Society“ beklagt. Wer versuche, die Bedeutung von Gott als Vater und Jesus als Sohn herunterzuspielen, werde zudem „große Schwierigkeiten“ bekommen: „Das Neue Testament ist voller solcher Darstellungen.“

Die Episkopale Kirche Schottlands ist das Pendant zur anglikanischen „Church of England“ und nicht mit der „Church of Scotland“, der schottischen Nationalkirche, zu verwechseln. Sie gilt als besonders liberal und zeitgeistorientiert: So ist etwa die Priesterweihe von bekennenden Homosexuellen erlaubt. Dass die Episkopalen nun aber nicht einmal davor Halt machen, Gott zu gendern, ist eine neue Dimension kirchlicher Anbiederung an die Politische Korrektheit.

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4 Kommentare wurden bereits abgegeben

  • 4.  
    schrieb am 23.04.2012 02:58

    Hallo Dossier!

     

    Ja, die Unterscheidung zwischen Inhalten, die Gottes Ordnung widerspiegeln und solchen, die in der damaligen Gesellschaftsordnung begründbar sind, ist wichtig und mir wohl bewusst.

    Nur: Dass Gott als "Er" bezeichnet wird, hat ja nicht damit zu tun, dass die Bibelverfasser das am treffendsten fanden oder Macht automatisch mit Männlichkeit assoziiert wurde (auch wenn ich nicht bestreite, dass das auch zutrifft) - sondern damit, dass Gott sich ihnen anscheinend so offenbarte, er bezeichnete sich selbst so;

    den Grund dafür sehe ich, wie beschrieben, darin, dass wir uns unser Verhältnis zu Ihm am besten als Vater-Kind-Beziehung vorstellen können. Unabhängig vom Grund aber spricht diese Tatsache doch dafür, dass Gottes Bezeichnung als "Er" nicht (nur) in der damaligen Gesellschaft zu begründen, sondern offenbar von ihm gewollt ist.

    ..oder habe ich dich falsch verstanden?

  • 3.  
    schrieb am 22.11.2010 10:52

    @annika: stimme dir zu, aber muss dir auch wiedersprechen.

    M.E. ist es quatsch, sich über das Geschlecht von Gott Gedanken zu machen. Damals waren automatisch Herrscher und Mächtige Männer, also war klar, dass Gott überall als Mann angeredet wird.

    Was heute aber viel auffällt ist ja schon die Ablehnung des generischen Maskulinums. Warum sagen wir denn „Liebe Kommilitoninnen und Kommilitonen!“? Oder HandwerkerInnen? Oder am liebsten schafft man noch das „man“ in objektiven Texten ab… Weil sich Frauen offenbar trotz allem zurückgesetzt fühlen – und das muss man ernst nehmen.

    In diesem Sinne sehe ich auch den Vorstoß – da ist im Vorfeld ganz viel schief gelaufen. Und da sollten wir uns auch mal an die Nase fassen, ob unsere Gemeinden/Kirchen/Verbände da so offen sind.

    Aus dem Grund aber wird deine „Fehlersuche“, Annika, ganz automatisch stattfinden. Wenn wir nämlich in der Auslegung der Bibel danach unterscheiden, ob eine Anordnung der damaligen Sozialordnung (patriarchalische Gesellschaft = veränderlich) oder Gottes Ordnung (unveränderlich) entspringen. Schau dir mal die Regelung zu Scheidungen an – da hat Gott die Gesellschaftsordnung bei Mose hingenommen; Jesus hat gesagt, wie es sein soll – naja, und heute haben wir wieder mosaische Verhältnisse. Aber das gleiche gilt auch für die Paulus, der natürlich seine Zeit vor Augen hatte, als er mal kurz die Frauen aus allen Leitungsaufgaben der Gemeinde verbannt hat. Der dachte nämlich vor allem an den griechischen Tempeldienst, den Frauen dort verrichten und mit dem er so gar nix zu tun haben wollte.

    Also Annika – wenn du beim Wortlaut stehenbleibst, dann beachtest du meiner Meinung nach nicht Gottes Ordnung, sondern sehr häufig die damalige Sozialordnung. Wer weiß, was Jesus noch zurecht gerückt hätte neben der Scheidung…

  • 2.  
    schrieb am 19.11.2010 22:00

    Klar, Gott hat kein Geschlecht in dem Sinne.

     

    Genau das ist aber der Punkt: In der Bibel wird er trotzdem mit "Er" bezeichnet, und ich glaube, das hat schlicht damit zu tun, dass seine Rolle uns gegenüber am ehesten mit der vergleichbar ist, die er dem Mannes in der Familie zugewiesen hat.

    Zu behaupten, dass die Bezugnahme mit "Ihn", "Er" etc. falsch oder ungerecht sei, würde bedeuten, dass Gott die Bibel falsch hat schreiben lassen - dann hätte er es ja gleich anders machen können... und warum hätte er sonst zu Mose gesagt: "Darum so gehe hin und versammle die Ältesten in Israel und sprich zu ihnen: Der HERR, euer Väter Gott, (...)" 2. Mose 3,16? Falsche Überlieferung?

     

    Da können wir doch gleich ein Projekt starten: Fehlersuche in der Bibel... ich persönlich finde, dass es kein Zwischending gibt zwischen die Bibel ernst nehmen und sie nicht ernst nehmen. Klar, man muss den Kontext berücksichtigen.

     

    Nichts für ungut, aber ich zumindest bin überzeugt, dass Gott die Bibel grundsätzlich als zeitlose Überlieferung hat abfassen lassen.

  • 1.  
    schrieb am 15.11.2010 17:51

    Wörtlich heißt es in Hosea 11,9: "Gott bin ich, kein Mann".

     

    Der Vorwurf, die Kirche biedere sich dem Zeitgeist an, geht wieder einmal ins Leere. Im Gegenteil, sie nimmt die Bibel ernst wie es nur geht, wenn sie fest hält, dass Gott eben nicht männlichen Geschlechts ist.

     

    Anders hätte er/sie auch nicht den Menschen als Mann und Frau zu seinem/ihrem Bilde erschaffen können.

     

    Aber was solls: Wer sich für richtig fromm hält, weiß schon, was in der Bibel steht, noch bevor er richtig nachgeschaut hat...

     

    Der Allmächtige als Mann - Lukas, ist Dir die Vorstellung nicht allzu peinlich?

     

    Seit wann sind Männer allmächtig?

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