Vater, Mutter, Kind – und Karriere?
Gleiche Chancen, gleiche Rechte, gleiches Geld: Die Gleichberechtigung von Mann und Frau wird immer wieder heiß diskutiert. Frauenförderung ist modern, Arbeitserleichterung durch firmeninterne Kinderbetreuung nichts Neues mehr, und auch die Gehälter werden (scheinbar) angepasst. Für qualifizierte Frauen wird so viel getan, dass manchmal die Männer schon wieder zu kurz kommen – findet zumindest die Ex-Gleichstellungsbeauftragte Monika Ebeling. Aber ist es für junge Frauen heute wirklich genauso leicht, Karriere zu machen, wie für junge Männer?
Zu stark für Männer eingesetzt – Job verloren
Die Sozialpädagogin Monika Ebeling aus dem niedersächsischen Goslar hatte im Frühjahr dieses Jahres ihren Job als Gleichstellungsbeauftragte verloren, wie SpiegelOnline berichtet. Ebeling leitet in dem Städtchen einen Kindergarten. Mit ihrer zusätzlichen Halbtagesstelle als Gleichstellungsbeauftragte kam der Ärger: Ihre Kritiker waren der Ansicht, sie setze sich zu stark für die Belange der Männer ein.
Einen Höhepunkt fand die Debatte im so genannten „Tüten-Streit“. Anlässlich einer Kinderschutzwoche sollten Botschaften auf Tütchen gedruckt werden. „Gewalt gegen Frauen und Kinder kommt nicht in die Tüte“ war eine Idee für den Aufdruck. Ebeling allerdings fand dies zu einseitig, da der Spruch sich gegen Männer und Väter richte. Diese seien nicht immer nur Täter, sondern oft auch Opfer häuslicher Gewalt.
Gleichstellung in Deutschland bereits erreicht?
Ursprünglich, so sagt Ebeling, sei ihr Job geschaffen worden, um die Gleichstellung der Frau im Hinblick auf die vermeintliche Besserstellung des Mannes zu fördern. Im Prinzip sei diese Stelle inzwischen überflüssig, denn folge man dem allgemeinen Konsens, sei die Gleichstellung von Mann und Frau in Deutschland bereits erreicht.
„Es wird schnell Männer verachtend“
Allerdings sei das Thema noch lange nicht abgeschlossen. In bestimmten Bereichen seien Männer und Väter nicht gleichgestellt, etwa nach Trennungen oder Scheidungen. Der Umgang der Väter mit ihren Kindern sei in Deutschland erheblich erschwert. Unverheiratete Männer stünden noch schlechter da. „Von rechtlicher Gleichstellung kann da nicht die Rede sein“, so Ebeling. Gleichstellungsjobs seien oft sehr „feministisch und frauenpolitisch“ ausgerichtet. „Es geht oft ganz schnell in eine Männer verachtende Sicht hinein.“
Klassisches Rollenmodell für Studentinnen wenig attraktiv
Doch ein Blick in die hiesige Unternehmenswelt zeigt, dass Frauen noch immer benachteiligt werden. Denn kommt einmal das Thema Gleichberechtigung auf, stellt sich sofort die Frage: Kinder ja – Karriere auch? Für viele junge Menschen wird diese Frage zur Qual. Das klassische Modell, „Mann geht arbeiten, Frau macht Haushalt“, stößt bei vielen Frauen auf Ablehnung. Gerade für Studentinnen scheint dieser Weg wenig attraktiv. Denn für das Muttersein braucht keine Frau einen Master in Soziologie. Die Ausbildung soll schließlich belohnt werden.
Die Freude auf Job und Karriere ist zu groß. Das Ziel, Kind und Karriere zu vereinbaren, lockt heute mit zahlreichen Angeboten. Krippenplätze und Ganztagsbetreuungen werden gerne in Anspruch genommen, so dass Vater und Mutter beide ihrer Arbeit nachgehen können.
Kampf um den Krippenplatz
Doch die Plätze sind so begehrt, dass sie schon vor der Geburt des Kindes angemeldet werden müssen. Und selbst dann ist es ein nervenaufreibender Kampf um den Platz. Oftmals ist Aufdringlichkeit die einzige Möglichkeit, einen Krippenplatz für den Nachwuchs zu bekommen. Ist das Kind dann in Betreuung, können die Eltern wieder ihrer Arbeit nachgehen. Viele Arbeitgeber bieten Lösungen an, in denen Mütter einen Mittelweg zwischen Karriere und Kind gehen können – Krippenplätze sind ein also ein willkommenes, jedoch heißbegehrtes Geschenk.
Von Gleichstellung kann noch keine Rede sein
Gleichberechtigt sind Männer und Frauen dennoch nicht. Wie zahlreiche Studien ernüchternd zeigen, verdienen Frauen durchschnittlich noch immer weniger als Männer. Auch Führungspositionen haben in der Regel noch immer vorrangig Männer inne. In jüngster Vergangenheit mehrten sich allerdings die Vorstöße, tatsächliche Chancengleichheit zu schaffen. Unterstützung seitens des Arbeitsgebers ist keine Seltenheit mehr. Immer mehr Eltern nehmen diese in Anspruch.
Eine längere Auszeit stellt für jede Karriere eine Gefahr dar. Die Familiengründung überschneidet sich meistens mit der Lebensphase, in der gerade im Beruf Karriereschritte getätigt werden. Viele junge Menschen stehen damit vor zukunftsweisenden Entscheidungen. Ist die Frau erst einmal Mutter, kommt sie von der Rolle der Familienmanagerin nur schwer wieder weg. Mehr Chancengleichheit durch eine anders strukturierte Berufswelt wäre da nötig.
Abschied vom klassischen Modell?
Es ist der Abschied vom klassischen Modell, es ist der Ausklang der traditionellen elterlichen Rundum-Betreuung des Kindes. Noch stehen die Versuche, mehr Gleichberechtigung in der Arbeitswelt zu schaffen, in ihren Anfängen. Die Modelle werden noch erprobt, doch gerade von jungen Müttern werden sich bietende Chancen positiv aufgenommen. Vielleicht eine aussichtsreiche und zufriedenstellende Lösung?


