Unzufriedene Jugend – Was könnte bessergehen?

Deutsche Jugendliche sind im Vergleich zu ihren europäischen Altersgenossen überdurchschnittlich unzufrieden. Das hat eine kürzlich veröffentlichte UNICEF-Studie in Industrieländern ergeben. 
Wir haben sechs Jugendliche gefragt, womit sie unzufrieden sind und was sie gerne verändern würden.
  • In vielen Bereichen ihres Lebens heißt es bei Jugendlichen: Daumen runter. Was kann man ändern, damit der Daumen wieder hoch geht? Foto: istock

 

Seid weniger angepasst!

Viele Jugendliche sind unglaublich markenfixiert. Das liegt nicht zuletzt daran, dass die Werbung uns heutzutage mit falschen Versprechen illusorische Weltbilder vorgaukelt. „Wenn du diese Jogginghose mit dem Schriftzug einer Marke kaufst, wirst du anerkannt und dein Leben wird eine einzige Party sein“, ist häufig das, was bei den Käufern ankommt. Deswegen gibt es dann so viele Jugendliche, die sich diesem vermeintlichen Trend anpassen. Wir sollten lernen, selbstbewusster zu werden und uns nicht von der Gesellschaft verändern zu lassen. Ich finde, Menschen verlieren ihre Einzigartigkeit, wenn sie sich anpassen, um akzeptiert zu werden. Kann ich wirklich nur glücklich werden, wenn ich mich nach dem neus­ten Trend richte? Ich glaube nicht.
Malva Tschalamoff (15), Lübeck

Unsere Meinung sollte mehr zählen

Wenn es um Politik und öffentliche Meinungsäußerung zu wichtigen Themen geht, haben wir Jugendliche fast gar nichts zu sagen. Das hat mich besonders geärgert, als Volker Beck von den Grünen vorschlug, Jugendlichen die Möglichkeit zu verwehren, ihre homosexuelle Neigung therapieren zu lassen. Ich finde es einfach unerhört, dass auf der einen Seite jedem Bürger die Freiheit garantiert wird, sich sexuell wie auch immer zu orientieren, und auf der anderen Seite nicht die Möglichkeit eingeräumt wird, sich von solch einer Lebensweise zu distanzieren. Es gibt Jugendliche, die ihre homosexuelle Neigung therapieren lassen möchten, weil sie feststellen, dass solch ein Lebensstil Sünde für sie ist und sie Hilfe brauchen. Wir Jugendliche sollten mehr angehört werden, und auch bei solchen Themen sollte unsere Meinung etwas zählen.
David Kleemann (17), Eisenach

Mit 17 ins Studium ist zu früh

In vielen deutschen Bundesländern ist die Gymnasialzeit von 13 auf 12 Jahre verkürzt worden. Ich wurde mit 5 Jahren eingeschult, bekomme in diesem Jahr mein Abiturzeugnis und bin nicht mal volljährig. Es gibt einige Schüler, die mit 17 Jahren die Schule verlassen, und sie haben kaum Perspektiven für die Zeit danach. Viele Organisationen bieten zwar ein „Soziales Jahr“ an, man muss aber volljährig sein. Findet man dann mal ein Projekt, das auch 17-Jährige aufnimmt, muss man viel Geld zahlen und sich mit Einschränkungen abfinden. Direkt mit dem Studium anfangen möchte ich auch nicht, denn ich finde, dass ich noch nicht genügend Erfahrungen sammeln konnte, um eine Entscheidung über den Rest meines Lebens treffen zu können. Ich wünsche mir, dass zukünftige Jahrgänge besser informiert werden und mehr Entscheidungshilfen für den weiteren Lebensweg bekommen.
Selina Birke (17), 
Bad Homburg

Geht respektvoller 
miteinander um!

Meiner Meinung nach lässt in vielen Bereichen unseres Lebens der Umgang miteinander sehr zu wünschen übrig. In der Schule gibt es oft Jugendliche, die ihr Selbstwertgefühl steigern, indem sie es anderen nehmen: Sie „mobben“ sie regelrecht. Auch die Eltern sind häufig kein gutes Beispiel, wenn sie sich streiten und dann womöglich trennen. Das macht einen sehr nachdenklich und unsicher im Bezug auf sein eigenes späteres Leben. Auch ich habe öfter Differenzen mit meinem Bruder, da er – wie viele Jugendliche heutzutage – ein sehr unsoziales Verhalten an den Tag legt und sich mir gegenüber abschätzig verhält. Dieses ganze ständige Gestreite und schlechte Verhalten geht mir sehr auf die Nerven. Ich finde, wir sollten lernen, anständiger und respektvoller miteinander umzugehen.
Till Gorr (15), Ockstadt

Facebook ist nicht alles!

„Facebook“ ist seit ein paar Jahren total „in“. Viele fühlen sich gezwungen mitzumachen. Ich persönlich sehe es dagegen nicht als ein Muss an. Auf der einen Seite ist es super, da man mit Freunden und Bekannten, die im Ausland leben, in Kontakt bleiben kann und alte Freunde wiederfindet. Einige junge Leute geben aber viel zu viel von sich preis. Es scheint außerdem wichtig zu sein, mindestens 200 „Freunde“ zu haben, von denen man höchstens die Hälfte wirklich kennt. Ich denke, es wird maßlos unterschätzt, was durch Facebook alles ausgelöst werden kann: Neid, Spionage etc. Ich schaffe es auch so, mit anderen Leuten in Kontakt zu bleiben, und kann daher gut auf Facebook verzichten.
Teresa Streicher (18), Freiburg

Wir sollten dankbarer sein

Mich macht unzufrieden, dass wir so oft unzufrieden sind. Wir haben materiell gesehen alles, was wir zum Leben brauchen. Wahrscheinlich bilden wir uns deswegen oft ein, dass wir nicht genug haben. Natürlich gibt es wirkliche Schwierigkeiten im Leben, über die man sich auch aufregen sollte. Aber meistens werden kleine Probleme viel zu groß gemacht. Vielleicht wollen wir ja unzufrieden sein. Wir sollten uns ein Beispiel nehmen an Menschen, die mit fast nichts leben und trotzdem strahlen können. Dankbarkeit für all das, was wir haben, ist am allerwichtigsten. Das müssen wir lernen.
Marie Janssen (16), Barmstedt

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