Twilight: Im sexuellen Rausch des Blutsaugens

Vampire sind in: Wenn in dieser Woche in den USA „Bis(s) zum Ende der Nacht“ (Teil 1) erscheint, wird die DVD schnell die Bestsellerlisten stürmen. Ähnlich wird es Ende März in Deutschland sein. Vor allem Teenager sind fasziniert von den Geschichten um Edward Cullen. Doch längst geht es bei Vampiren nicht mehr um den Gruseleffekt, wie noch 1897 bei Dracula. Spätestens mit „Twilight“ sind Vampire auch Objekte der Begierde geworden.
  • Robert Pattison und Kristen Steward spielen die Hauptrollen in der Verfilmung der Vampir-Saga „Twilight“. Bild: Ascot Elite/PR

 

In den letzten 30 Jahren gab es im Vampir-Genre zwei große Erfolgsstories: Anne Rices „Interview mit einem Vampir“ und die „Twilight” von Stephenie Meyer. In beiden vollzog sich eine bedenkliche Wandlung des Themas: Vom eigentlichen Kampf zwischen Gut und Böse, in dem natürlich eine tragische Liebesgeschichte mit Happy End nicht fehlen darf, erfuhr der Vampir-Roman eine komplette Wandlung hin zu einer Geschichte, in der die Grenzen zwischen Gut und Böse nicht mehr greifbar sind und in der anstatt einer Liebesgeschichte eine ständige Erotik unter der Oberfläche knistert, die selbst den Akt des Tötens in ein verführerisches Licht rückt.

Homoerotik im Vampirgewand

Anne Rice veröffentlichte 1976 den ersten Teil ihrer Vampirsaga „Interview mit einem Vampir“, der 1994 mit großem Erfolg verfilmt wurde. Im Buch wie in der Verfilmung herrscht eine grundsätzlich sexualisierte Stimmung vor. Die Hauptcharaktere stehen in einem oft homosexuellen Spannungsverhältnis zueinander, in das ein junges Mädchen gerissen wird, deren Geist zwar altert, die aber in einem Kindeskörper gefangen bleibt.

Ein ungesundes Bild von Sexualität

Tod, Gewalt, Verzweiflung und Liebe finden in der zehnteiligen Romanreihe eine wortgewaltige Verbindung, die viele Leser fesselt. Das teilweise exzessive Töten wird als sexueller Rausch dargestellt – es ist der Akt des Aussaugens, der das Zentrum der Geschichten bildet. Und da die Hauptcharaktere vor allem böse Menschen töten und die Welt so von Verbrechern befreien, wird das Gewissen der meist jungen Leserschaft beruhigt und so ein ungesundes Bild von Sexualität vermittelt.

Gewalt wird romantisiert

Beziehungen sind in diesen Geschichten zum Scheitern verurteilt, da sie sowieso nur der Verdrängung der Einsamkeit dienen. So ist der häufige Partnerwechsel der einzige Weg aus diesem Leben in Verzweiflung. Weggefährten kann es nur wenige geben und diese verlieren auch schnell ihre sexuelle Anziehungskraft, und es bleibt nur die Flucht zum nächsten Opfer. Gewalt wird im Gewand der Fantasygeschichte mit romantisierenden Bildern verherrlicht und wirkt normal.

Der Kampf um die Gunst der jungen Leserinnen

Die zweite große Vampir-Erfolgsgeschichte der letzten Jahre in Buch und Film ist die „Twilight“-Saga von Stephenie Meyer. Auch hier geht es um eine tragische Liebesgeschichte, die aber speziell auf heranwachsende Mädchen zugeschnitten ist. Wie bei Anne Rice geht es in der Buchreihe nicht um den Kampf zwischen Gut und Böse – eher im Gegenteil. Zwei ursprünglich bösartige Lebensformen – Vampire und Werwölfe – liefern sich einen Kampf um die Gunst der jungen Leserinnen und natürlich um das Herz der Hauptakteurin Bella, die sich in den Vampir Edward verliebt und zugleich Jacob, einen Werwolf, als besten Freund hat.

Lüsterne Vampire statt gefährliche Blutsauger

Auch in „Twilight“ hat der Akt des Beissens einen erotischen Anstrich. Lüstern reißen die Vampire ihren Mund auf, wenn sie Bella ihre Zähne an den Hals setzen wollen. Stöhnend windet sich das junge Mädchen und versucht, den Bedrängern zu entkommen. In allen Teilen sieht sich Bella ständig von erregten Männerblicken umgeben, etwas von dem manches heranwachsende Mädchen träumen mag. Die Vergiftung Bellas durch den Feind, der sie zu einem Vampir machen wollte, und der Versuch Edwards, sie zu retten, wirkt wie eine Szene aus einem schlechten Pornofilm. Und die durch lustvolles Stöhnen untermalte Tonspur will nicht so recht zu dem qualvoll sterbenden Mädchen passen. Selbst die lebensgefährliche Geburt von Bellas Kind erscheint eher als eine übertriebene Dauererregung in einem schlechten Softporno als ein verzweifelter Kampf ums Überleben im Wochenbett.

Twilight macht die Verbindung von Gewalt und Sexualität salonfähig

Versteckt, aber dennoch deutlich wahrnehmbar, ist die Verbindung von Gewalt und Sexualität durch Filme wie „Twilight“ salonfähig geworden. Bei aller Sexualisierung, die uns täglich durch Werbung und Medien umgibt – diese subtile Form des sexuellen Reizes, die sich gerade an junge Menschen wendet darf nicht unterschätzt werden! Und da sich damit offensichtlich Milliarden verdienen lassen, werden mit Sicherheit weitere Jugendbücher folgen, die Bilder in den Köpfen junger Leser erzeugen, die die Entwicklung ihres Sexualverständnisses nachhaltig beschädigen können! Von der Schönheit der Sexualität, wie Gott sie sich ausgedacht hat, ist da nicht mehr viel übrig.

Soziale Netzwerke:

Willkommen! idealisten.net – Das Netzwerk zum Mitmachen!

Deine Beiträge - ob Text, Bild oder Video - sind gefragt! Registriere dich mit Benutzername, E-Mail und Passwort und schon kannst du mitmachen.

 
 
 
 


Du musst eingeloggt sein, um einen Beitrag kommentieren zu können.