Tod, Trauer, Trauma: Wo junge Leute Hilfe finden

Plötzlich ist alles anders. Manchmal kommt er ohne Vorwarnung, in anderen Fällen kündigt er sich vorher an. Aber egal wie es geschieht oder wie lange es dauert, der Tod eines nahe stehenden Menschen verändert das eigene Leben radikal. Vor allem junge Menschen werden durch einen solch schmerzlichen Verlust schnell aus der Bahn geworfen. Wie kann man Jugendlichen, die so etwas erlebt haben, helfen? Empfehlenswert ist zum Beispiel das Internetforum www.allesistanders.de, das einen eigenen Bereich für trauernde Jugendliche hat, indem sie Hilfe und Beistand erfahren.

 

Niemand spricht gerne darüber. Und als Jugendlicher, sieht man meist keinen Anlass, um sich mit dem Thema „Sterben“ auseinander zu setzen. Dazu hat man später, wenn man alt ist, noch lang genug Zeit. Dass alte Menschen irgendwann sterben müssen, damit können auch junge Menschen relativ bedacht umgehen. Was aber wenn, die Mutter oder Schwester, der Vater oder Bruder, der Freund, Cousin, die Freundin oder Cousine plötzlich stirbt? Nach außen verkraften Kinder und Jugendliche den Verlust eines Menschen oft besser als Erwachsene, sie wirken gefasster und scheinen stabiler. Aber jeder trauert unterschiedlich – junge Menschen oft ganz anders als alte. Häufig verdrängen sie ihre seelischen Schmerzen und wissen nicht, wie sie mit dem Erlebten umgehen sollen.

Andere Betroffene geben Bestätigung

So ging es auch Leonie, die mit 15 ihre Mutter verlor. „Als trauernde Jugendliche hat mich damals niemand wahrgenommen. Alle waren in ihrer eigenen Trauer gefangen und nach außen hin sah es so aus, als ob ich als Kind den Tod meiner Mutter sehr gut verkraftet hätte.“ Leonie begab sich allein auf die Suche nach Hilfsangeboten für Kinder, die ihre Eltern verloren hatten. Ein Mädchen, deren Vater kurz zuvor gestorben war, berichtete ihr von dem Internetforum für trauernde Jugendliche. „Dort habe ich das erste Mal Leute getroffen, die ähnliche Dinge erlebt haben, wie ich. Ich bekam dort einerseits die Bestätigung, dass meine Gefühle, egal wie paradox und merkwürdig sie mir manchmal erschienen, total normal und okay sind. Es ist mir leichter gefallen zu erzählen, wenn ich ein Gegenüber hatte, das gesagt hat: ‚Ja, das kenne ich’ und nicht gleich in Tränen ausgebrochen ist und mich mitleidig angeschaut hat. Die Phrasen, die nichttrauernde Menschen in der Konfrontation mit dem Thema Tod oft benutzen, können Trauernde untereinander sich sparen.“

Glaubensfragen tauchen ständig auf

Das Internetforum www.allesistanders.de ist eine Initiative der Hospizgruppe Freiburg unter der Trägerschaft von Diakonie und Caritas. Hospize kümmern sich normalerweise um sterbende Menschen, die Freiburger Gruppe will mit ihrem Internetprojekt auch den Hinterbliebenen helfen. Dr. Sandra Gehnke ist Koordinatorin des Projekts \"Alles ist anders\", zuständig für das Beratungstelefon und den Fortbildungsbereich. Sie spricht mit den Jugendlichen über das, was sie bewegt. Das sind in erster Linie keine Glaubensthemen, aber trotzdem tauchen solche Fragen immer wieder auf. Wie kann Gott das zulassen? Kann ich überhaupt noch glauben? Was passiert nach dem Tod? Sandra Gehnke hat einen christlichen Hintergrund betont aber, dass die Arbeit in keiner Weise missionarisch sei. Durch das Internetprojekt finden junge Leute Gleichaltrige, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben oder sie wenden sich direkt an kompetente Mitarbeiter. Dafür gibt es ein Beratungstelefon (Nr. 0761- 88 149 88). Der Internetauftritt erfährt großen Zuspruch. Jeder kann seine Gedanken und Erlebnisse auf der Seite niederschreiben.

Man kann aus der Trauer rauskommen

Isabel ist 14 als ihr Bruder an Krebs starb. Das ist inzwischen zehn Jahre her. Die angehende Sozialpädagogin macht diese ehrenamtliche Arbeit, um selbst wieder mehr über den Verlust ihres Bruders zu reden. „Jugendliche werden in Trauersituationen oft vergessen und sie scheinen meist erhebliche Probleme zu haben, zu zeigen, dass sie innerlich vor die Hunde gehen.“ Die Art der Trauerbewältigung ist jedoch ganz unterschiedlich. David verlor durch Autounfälle zwei seiner Brüder. Neben Gesprächen mit seiner Familie hat ihm das Buch Hiob bei der Verarbeitung weitergeholfen. „Als ich vom Tod meines Bruders hörte, dachte ich, dass es nicht wahr sein kann, nicht wahr sein darf. Besonders als ca. ein halbes Jahr später mein zweiter Bruder bei einem weiteren Unfall starb, konnte ich nicht verstehen, warum Gott das zulässt. Ich habe ihn angeklagt. Da ich eine introvertierte Person bin, zog ich mich zurück. Gleichzeitig fing ich an das Buch Hiob zu lesen, das mir geholfen hat, den Tod aus Gottes Hand anzunehmen. Es klappt nicht immer und oft taucht die Frage nach dem Warum wieder auf. Wir sind eine große Familie mit insgesamt 14 Kindern und tragen alle den gleichen Schmerz. So haben wir oft darüber geredet.“ Ob einem Internetangebote weiterhelfen, ist auch eine Typfrage. David meidet lieber den anonymen Austausch, für andere erleichtert er die Kommunikation. Isabel braucht für ihre Arbeit im Forum Einfühlungsvermögen aber auch Abgrenzung: „Ich habe gelernt die Dinge, über die wir dort sprechen, nicht zu meinen Problemen werden zu lassen. Es macht mich nicht fertig, soviel Leid zu erfahren, weil überzeugt bin, dass man da rauskommen kann.“ Was einem hilft, dass Leben auch mit dieser schmerzvollen Erfahrung wieder auf die Reihe zu bekommen, muss jeder selbst herausfinden. Das Wichtigste dabei ist: Man muss es wollen.

allesistanders.de

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