Tim Tebow: Hilft Gott beim Gewinnen?

Der Footballspieler Tim Tebow sorgt für reichlich Gesprächsstoff in Amerika. Aber nicht nur durch seine sportliche Leistungen. Tebow lebt seinen christlichen Glauben auf dem Spielfeld aus wie kaum ein anderer. Damit polarisiert er – und regt die Menschen zum Nachdenken über Gott an: Hilft der tatsächlich beim Gewinnen?
  • Das Niederknieen von Tim Tebow während des Spiels ist mit „tebowing“ schon zum geflügelten Wort unter amerikanischen Footballfans geworden. Foto: dpa

 

Tim Tebow polarisiert. Dabei fällt der 24-jährige Spieler des Footballteams Denver Broncos – anders als die meisten seiner Quarterback-Kollegen – nicht nur durch überragende Leistungen auf dem Spielfeld auf, sondern vor allem durch eins: Tebow ist bekennender Christ. Doch um damit in einer Gesellschaft wie der amerikanischen, in der einer der Hauptwahlgründe für Präsidentschaftskandidaten das religiöse Bekenntnis ist, aufzufallen, muss man es mit dem Glauben schon sehr ernst nehmen.

Niederknieen auf dem Rasen

Und das tut Tebow: Gelungene Spielzüge feiert er damit, dass er auf dem Rasen zum Gebet niederkniet – eine Pose, die nun als „Te-Bowing“ (ein Wortspiel aus seinem Nachnahmen und dem Verb „to bow“ = sich verbeugen, verneigen) bekannt und von Fans und Kollegen nachgeahmt und parodiert wird. In Interviews nach Spielen gelten seine ersten Worte dem Dank an Jesus Christus. Während des Superbowls 2009 trat Tebow mit seiner Mutter in einem Werbeclip der Lebensrechtsbewegung auf. Und in spielfreien Zeiten macht der Missionarssohn, der auf den Philippinen geboren wurde, Missionseinsätze.

Einer der hoffnungsvollsten Nachwuchsspieler des Landes

Nun ist Tim Tebow nicht irgendein Spieler. Schon während seiner Collegezeit brach er viele Rekorde und galt als einer der hoffnungsvollsten Nachwuchsspieler des Landes. Collegefootball ist in den USA ein Milliardengeschäft, und für viele Fans sogar bedeutender als die Profiliga NFL. Tebow führte sein Team als Quarterback – die Schlüsselposition im American Football – zum Landesmeistertitel und gewann als jüngster Spieler in der Geschichte die „Heisman Trophy“ – die wichtigste Auszeichnung für Collegefootballspieler.

92 Millionen Menschen suchen Bibelvers bei Google

Auch damals hielt Tebow schon mit seinem Glauben nicht hinterm Berg. Auf die schwarzen Streifen, die sich Footballspieler zum Schutz gegen Lichtreflexionen unter die Augen malen, schrieb er Verweisstellen für Bibelverse, wie zum Beispiel Johannes 3,16 – ein Vers, der nach dem betreffenden Spiel von 92 Millionen Menschen bei Google gesucht wurde. Außerdem predigte Tebow in der Kabine und besuchte Gefängnisse, um mit den Insassen zu beten.

Durch eine Sondergenehmigung in die High-School-Mannschaft

Tim Tebow hat auch für einen Footballspieler eine ungewöhnliche Geschichte: Nachdem er die ersten Jahre seines Lebens auf den Philippinen verbracht hatte, wurden er uns seine vier Geschwister auch nach dem Umzug in die USA weiterhin zu Hause von der Mutter unterrichtet. Durch eine Sondergenehmigung durfte er trotzdem in der Footballmannschaft der örtlichen High School mitmachen.

Tim Tebow polarisiert

Inzwischen spielt Tebow in der NFL Woche für Woche vor einem Millionenpublikum. Anders als seine Teamkollegen bekommt er jedoch viele emotionale Rekationen ab. Dem einen Lager der Fans und Kommentatoren gilt er ob seines unorthodoxen Spiels, dass auf langen Laufwegen beruht, als ein Game Winner, für die anderen ist er der schlechteste Spieler der Liga, weil die statistischen Werte seines Spiels nicht an die anderer Spieler heranreichen.

Jeder scheint eine Meinung über ihn zu haben

Doch er erfährt als Spieler viel mehr Aufmerksamkeit, als es für einen Quarterback seiner Qualität üblich ist. Es scheint, dass jeder Footballinteressierte eine Meinung über ihn hat – keinen lässt sein Spiel und sein Auftreten wirklich kalt. Grund dafür dürfte in erster Linie sein entschiedenes Ausleben des Glaubens sein. Wirft er einen Fehlpass, kommt sogleich die Frage auf, warum Gott ihn im Stich lasse. So bringt Tim Tebow die Millionen von Anhängern einer ganzen Sportart ins Nachdenken.

Cacau, Klopp & Co.

Und auch wenn hierzulande die Diskussionen und Emotionen nicht so hochkochen: in Deutschland gibt es ebenfalls bekennende Christen im Spitzensport. Man kennt sie vor allem aus dem Fußball: Der Nationalstürmer, DFB-Integrationsbeauftragte und Spieler des VfB Stuttgart Cacau ist vielleicht der bekannteste. Aber auch für Dortmunds Meistertrainer Jürgen Klopp, Ex-Köln-Trainer Frank Schäfer und Stürmer Didier Ya Konan von Hannover 96 spielt der christlichen Glaube eine zentrale Rolle im Leben.

Ihnen allen ist gemeinsam, dass sie sich zwar durch ihr offensives Bekenntnis angreifbar machen, aber dass sie angesichts des gesellschaftlichen Stellenwerts von Sport die einmalige Chance haben, ihren Glauben in Erfolg wie Misserfolg authentisch einem Massenpublikum vorzuleben.

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