Switchfoot: Die Ambivalenz der Dinge

Sie sind eine der erfolgreichsten christlichen Bands weltweit: Switchfoot. Auch in der säkularen Musikszene gehören sie längst zu den Top-Acts. Mit ihrem achten Album „Vive Verses“ sind die Kalifornier nun auf Platz 8 der US-amerikanischen Charts eingestiegen. Mit der CD beweist die Band altbekannte Größe, wagt aber auch Experimente.
  • Kommen mit ihrem neuen Album „Vice Verses“ im November auch nach Deutschland: die US-Chartstürmer Switchfood. Foto: PR

 

Jeder Segen hat auch seine Kehrseite

Das achte Album in 15 Jahren Bandgeschichte, dazu Tourneen durch die ganze Welt: Faul sind die gestandenen Rocker von Switchfoot nicht gerade. Letztes Jahr wurde Ihre Arbeit sogar mit einem Grammy honoriert. Ihr neues Album heißt „Vice Verses“, ein Wortspiel aus der lateinischen Wendung „vice versa“ („mit vertauschten Plätzen“) und den Versen oder Zeilen, aus denen jedes Lied besteht. Der gleichnamige Titeltracks bringt den Leitgedanken der CD zum Ausdruck: Es geht um die Grauschattierungen des Lebens, darum, dass zu jedem Licht auch Schatten gehört. „Every blessing comes with a set of curses“ heißt es beispielsweise in dem Lied – zu jedem Segen gehört auch dessen Kehrseite.

Anknüpfen an letztes Album

„Vice Verses“ stetzt dort an, wo die letzte CD aufgehört hat: Der Titelsong war eigentlich schon als Track auf „Hello Hurricane“ vorgesehen, wurde aber schließlich doch wieder zur Seite gelegt. So war der Grundstein für das neue Werk schon gelegt.

Prominente Unterstützung

Für die Aufnahmearbeiten, die wie bei „ Hello Hurricane“ auch im bandeigenen Studio in San Diego stattfanden, holte sich Switchfoot prominete Unterstützung ins Boot: Produzent Neal Avron, der schon mit Linkin Park und Yellowcard gearbeitet hat, und Executive Producer Mike Elizondo, der durch die Arbeit mit so unterschiedlichen Künstlern wie Eminem, Pink oder Maroon 5 bekannt wurde.

Switchfoot müssen sich nicht neu erfinden

Musikalisch spielen diesmal Bass und Schlagzeug eine besonders wichtige Rolle, weshalb Drummer Chad Butler und Bassist Tim Foreman glänzen können. Wer Switchfoots frühere Alben kennt, wird von „Vices Verses“ nicht besonders überrascht – die CD klingt einfach unverkennbar nach dem, was von der Band bekannt ist und wofür sie geleibt wird – was nicht zuletzt an Jon Foremans charismatischer Stimme und seinem charakteristischen Songwriting liegt. Der Hörer findet stadiontaugliche Hymnen („Where I Belong“), Lieder fürs Radio („Restless“), Balladen („Thrive“) und Songs, bei denen die Band richtig losrockt („Dark Horses“). Textlich ist das Album aber nachdenklicher, als man es von früheren Hits wie „Dare You to Move“ gewohnt ist.

Zwei Tracks stechen hervor

Zwei Tracks stechen dennoch besonders hervor. Einmal „Vice Verses“: Ausgerechnet der Titeltrack ist um einiges weniger rockig ausgefallen als der Rest des Albums. Deshalb wurde das Lied auch schon öfters von Jon Foreman auf seinen akustischen Aftershows gespielt: Der Sänger ist dafür bekannt, nach Konzerten des öfteren mit seiner Gitarre auf dem Parkplatz hinter der Halle für die Fans, die lange genug ausgeharrt haben, ein paar Lieder zum Besten zu geben – und hat es dafür auch schon mit der Polizei zu tun bekommen. Weil Lied so ruhig ist, liegt die Aufmerksamkeit des Hörers mehr auf dem bemerkenswerten Text, in dem es um die Frage nach dem Zusammenhang zwischen Leben und Tod und dem Potential des Guten und Schlechten in jedem Menschen geht.

Zum Zweiten fällt das Lied „Selling The News“ auf: Man meint fast, dass Jon Foreman rappt, so sehr ist sein Gesang vom Rhythmus geprägt, und auch sonst hat das Lied einen sehr eindringlichen Beat. Inhaltlich geht es um Sensationsjournalismus und den immer schnelleren Informationskreislauf.

Musikalische Unverwechselbarkeit und tiefgehende Texte

Alles in allem ist es ein gutes Album einer gereiften Band, die immer konsequenter das zum Ausdruck zu bringt, was ihr wichtig ist: musikalische Unverwechselbarkeit kombiniert mit ehrlichen und tiefgehenden Texten.

Ein besonderes Live-Erlebnis

Switchfoot sind im November in Deutschland, Österreich und der Schweiz auf Tournee. Das sollte man nicht verpassen, denn die Band ist live ein Erlebnis, weil man den Musikern anmerkt, wie viel Spaß es ihnen macht, für ihr Publikum zu spielen. Und weil Jon Foreman es schafft, eine ganz besondere Verbindung zu den Zuschauern aufzubauen.

13. November - Live Music Hall, Köln
15. November - Große Freiheit 36, Hamburg
16. November - Columbia Club, Berlin
17. November - Hessenhalle, Gießen
18. November - Alter Feuerwache, Mannheim
19. November - Gasometer, Wien (A)
20. November - Volkshaus, Zürich (CH)

Lies auch das unser Interview mit Switchfoot von 2010.

Switchfoot: „Vice Verses“, 12 Songs, 53 Min., Atlantic Records/Gerth Medien, 18,99 Euro

Soziale Netzwerke:

Willkommen! idealisten.net – Das Netzwerk zum Mitmachen!

Deine Beiträge - ob Text, Bild oder Video - sind gefragt! Registriere dich mit Benutzername, E-Mail und Passwort und schon kannst du mitmachen.

 
 
 
 


Du musst eingeloggt sein, um einen Beitrag kommentieren zu können.