Stressbewältigung: Praktische Tipps
Stressbewältigung ist in erster Linie eine Frage der inneren Einstellung und nicht zuerst der Reduzierung von Arbeitsstunden. Was kann man praktisch tun, um eine „stressresistente“ innere Einstellung zu bekommen? Zwei Faktoren sind entscheidend. Einerseits die Bereitschaft, den tiefen Sinn der eigenen Aufgabe nicht aus den Augen zu verlieren. Andererseits das Eingebundensein in ein kommunikationsfähiges Team, in das die eigene Person mit ihren Gaben und Schwächen hineinpasst.
Berufung entdecken
Die Frage nach der Berufung durch Gott steht bei vielen Christen im Vordergrund beruflicher Entscheidungen – was aber nicht heißt, dass Sie hier nicht selber denken dürfen oder sollen. In der Regel nimmt Gott durch eine Berufung nicht die eigenen Entscheidungen ab, sondern gibt Kraft und Mut zu eigenverantwortlichen Schritten. Dazu gehört auch, sich und die eigenen Möglichkeiten realistisch einzuschätzen. Ob in der psychologischen Praxis mit Hilfe von Persönlichkeitstests, durch Gespräche mit Bekannten aus verschiedenen Berufen, durch einen Besuch beim Arbeitsamt oder in der Zusammenarbeit mit einem Seelsorger: Die meisten Menschen brauchen Anstöße und Reflektionen durch andere, um für sich selber einen guten Weg zu finden.
Gemeinschaftssinn
Was das Eingebundensein in eine Gemeinschaft betrifft, kann die christliche Gemeinde vielfach als ein Ort bedingungsloser Annahme und positiver Selbstbestätigung dienen. Das ist einer der Gründe dafür, warum Menschen, die einer christlichen Gemeinde angehören, im Durchschnitt länger, gesünder und fröhlicher leben als der Durchschnitt der Bevölkerung. Für viele Christen gilt, dass die Erfahrung persönlicher Wertschätzung und die Möglichkeit, eigene Gaben zu entdecken sowie einzusetzen, in der Gemeinde erlebbar wurde. Auch was die Kommunikationsfähigkeit betrifft, kann die Gemeinde ein Ort sehr guter Lernerfahrungen sein.
Wenn alles zu viel wird
Teil einer Gemeinde zu sein, beugt stressbedingten Erkrankungen vor. Natürlich gibt es auch Menschen, die nicht das Falsche, sondern zu viel vom Richtigen tun. Auch hier stehen im Hintergrund in der Regel innere Einstellungen, die ungünstig sind und die letztlich der Botschaft des Evangeliums widersprechen. Ich nenne ein paar der häufigsten:
1. Für Jesus muss man alles richtig machen.
2. Um sicher zu gehen, dass keine Fehler passieren, muss ich es wohl selber machen.
3. Ich muss, um ein gutes Zeugnis zu sein, alle anderen zufrieden stellen.
4. Wenn ich „nein“ sage, habe ich jemanden enttäuscht/Unrecht getan und fühle mich schuldig.
5. Ich bin für die Fehler der anderen verantwortlich (besonders als Leiter).
6. Als Christ muss ich immer zur Verfügung stehen, wenn „Not am Mann“ ist; besonders in der Gemeinde. Der Sonntag ist dadurch eigentlich auch ein Arbeitstag.
Diese Einstellungen kann man ändern und gezielt an ihnen arbeiten: So kann ich z.B. bewusst durch „qualifiziertes Vernachlässigen“ üben, Fehler zuzulassen, und dann beobachten, was passiert (meistens: gar nichts); ich kann lernen, „nein“ zu sagen; ich kann lernen, Aufgaben zu delegieren (auch andere sind von Gott begabt!); ich kann Mut zur Lücke entwickeln (Vertrauen).
Stressresistenz
Nicht zuletzt: Stressresistenz hat nicht nur geistliche und seelische Aspekte, sondern auch enorm wichtige körperliche Voraussetzungen. Ausreichende Ruhezeiten, genügend Bewegung und eine vielseitige Ernährung, bei der nichts übertrieben wird (auch nicht die Gesundheit!), sind von elementarer Bedeutung für den, der seinen Stress „meistern“ will.
Dies ist der zweite Teil des Beitrags von Psychotherapeut Ulrich Giesekus über Stressbewältigung. Hier geht's zum ersten Teil "Stressbewältigung: Einstellung zählt!".


