Songandachten: Vom Ohr ins Herz

Musik ist ein Lebensgefühl. Besonders Jugendliche suchen – und finden – in ihr oft Ausdruck für ihre Gedanken und Empfindungen. Aus dem Grund haben Nicole Hauser, Katja Heimann und Gottfried Heinzmann in dem neuen Buch „lautstark“ 53 Jugendandachten zu populären Liedern gesammelt – z. B. zu „Plaster“ von dem Pop-Duo „Ich+Ich“. Der Nummer-1-Hit hielt sich 30 Wochen in den deutschen Charts. Von der Band aus Berlin stammt auch das erfolgreichste deutsche Popalbum („Vom selben Stern“).
  • Bild: Doatsch/pixelio.de

 

Ich+Ich „Pflaster“

„Du bist das Pflaster für meine Seele,
wenn ich mich nachts im Dunkeln quäle.
Es tobt der Hass, da vor meinem Fenster.
Du bist der Kompass, wenn ich mich verlier’,
du legst dich zu mir, wann immer ich frier’.
Im tiefen Tal, wenn ich dich rufe, bist du längst da.“

Es gibt gute und schlechte Tage. Manchmal steht man mit dem falschen Fuß auf, mit Kopfschmerzen oder zur falschen Uhrzeit. Meist vergeht das wieder. Der Tag läuft wider Erwarten ganz gut oder geht schneller vorbei, als man denkt, und macht Platz für einen besseren. Doch es gibt auch Krisen im Leben, die sich durch einen neuen Sonnenaufgang nicht erledigt haben, die länger andauern, die tiefer sitzen. Krisen, in denen wir unseren Wert und unsere Daseinsberechtigung infrage stellen. Es gibt immer wieder Situationen oder Begegnungen, die uns unvorbereitet treffen und komplett aus der Bahn werfen. Manchmal wissen wir gar nicht so genau warum.

Einige Sprüche oder Kommentare gehen uns komplett unter die Haut und drücken zielsicher auf einen Knopf unserer Seele, von dem wir nicht mal wussten, dass er überhaupt existiert: ein wunder Punkt. Wir alle haben wunde Punkte, und sie tun weh. Doch wo kommen sie her, und wie kriegt man sie weg?

Wir gewöhnen uns an den Schmerz

Manche Verletzungen, die wir in unserem Leben erfahren mussten, sitzen tief, und die Wunden verheilen nur sehr langsam oder gar nicht. Sie werden immer wieder aufgerissen. Oft vergessen wir, dass eine Verletzung der Seele im Grunde genommen nichts anderes ist als eine Verletzung am Körper. Der Unterschied ist, dass man sie nicht sieht und meistens nicht so richtig weiß, wie man so eine Wunde verarztet. Deshalb lassen wir diese Seelenwunden oft jahrelang offen vor sich hin bluten, lassen zu, dass sie immer wieder aufgerissen werden und gewöhnen uns an den Schmerz.

Das muss nicht so sein. Auch diese Wunden können heilen, doch dies geschieht selten von alleine. Wir müssen etwas dafür tun. Wir müssen die wunden Punkte auf unserer Seele anschauen und zulassen, dass sich ein Arzt diese empfindlichen Stellen anschaut. Das ist meist unangenehm, und das Desinfizieren einer solchen Wunde tut weh – vor allem, wenn die Wunde alt und tief ist. Doch der Gewinn ist unbeschreiblich, wenn wir uns plötzlich wieder frei bewegen, frei atmen können. Wenn wir wieder in der Lage sind, uns und unser Verhalten zu verstehen und zu akzeptieren, bekommt unser Leben eine ganz neue Qualität.

Gott will unser „Pflaster“ sein

Wir brauchen dieses Pflaster auf unserer Seele wie Adel Tawil von „Ich+Ich“ singt. Gott will dieses Pflaster sein. Er sagt: „Ich bin der Herr, dein Arzt“ (2. Mose 15,26). Er wünscht sich, dass wir ihn auf unsere Seele schauen lassen und ihm unsere wunden Punkte zeigen, damit er sie verarzten kann. Sehr oft gebraucht er dazu Menschen in unserem Umfeld. Ausgebildete Seelsorger oder Psychologen können solche Menschen sein. Man muss nicht psychisch krank sein, um so jemanden aufzusuchen. Der Hautarzt kümmert sich um die Haut, der Orthopäde um den Bewegungsapparat und der Psychologe oder Seelsorger eben um die Seele. Christliche Psychologen und Seelsorger wissen, wie man Gottes Pflaster fachmännisch an den richtigen Stellen unserer Seele aufklebt.

Geh doch in nächster Zeit einmal so einen wunden Punkt an und betrachte ihn mit Gott und vielleicht einem Seelsorger genauer. Es ist ein großes Geschenk, Heilung auf diese Weise erleben zu dürfen – sich selbst verstehen und lieben lernen ist das Ziel. Das kann ein weiter und beschwerlicher Weg sein, aber er lohnt sich wie kaum ein anderer.

Autor der Andacht ist Claus-Peter 
Eberwein. Er ist Musiker und Sänger bei Gracetown (lies unsere Rezension zum aktuellen Gracetown-Album „Stand 
der Dinge“ ).

Nicole Hauser, Katja Heimann und 
Gottfried Heinzmann: „lautstark – 
53 Songandachten für Jugendliche“ • 
129 Seiten • buch+musik • 9,95 Euro / 
11.70 SFr. • ISBN: 9783866870673

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