Rock Without Limits – Tag 2

Rund 3.000 Musikbegeisterte hat das größte christliche Rockfestival Deutschlands am 28. und 29. Oktober nach Balingen bei Reutlingen gelockt. Besonders einige amerikanische Bands begeisterten die Fans beim „Rock Without Limits“: Neben „Thousand Foot Krutch“ setzten am Samstag vor allem „The Letter Black“ und „Poema“ die musikalischen Höhepunkte.
  • (1) Thousand Foot Krutch-Sänger XY, (2) Sarah Anthony, Sängerin von The Letter Black, (3) Arson, (4) John Reuben, (5) My Little Rockstar Dream, (6) Jessa Anderson – Mehr Bilder vom Festival gibt's in unserem Flickr-Album: ideali.st/rwl2 – Fotos: idea/Simon Jahn

 

Jetzt gibt es den „Rock Without Limits“-Tanz: Egal ob Rock, Punk oder Metal – immer wieder formierten sich während der Konzerte inmitten des Publikums tanzwütige Musikfans, die in einer Mischung aus Pogo und Polonaise gemeinsam wild im Kreis hüpften.

Mit einem hochkarätigen Aufgebot wartete das diesjährige „Rock Without Limits“ auf: Unter den 50 auftretenden Gruppen und Künstlern (davon 21 aus Amerika) waren einige der renommiertesten christlichen Rockbands der Welt. Und so nahmen die Besucher des Festivals teilweise weite Anfahrten auf sich, um ihre Lieblingsgruppen zu sehen. So wie der 20-jährige Jakob. Er kam mit seinen Freunden bis aus Dänemark um „Pillar“ und „Thousand Foot Krutch“ live zu erleben.

„Wir lieben Musik und wir lieben Gott von ganzem Herzen“

„Wir lieben es, in Deutschland zu spielen. weil die Leute hier so musikbegeistert sind“, sagt Trevor McNevan, Sänger der kanadischen Band „Thousand Foot Krutch“. Der Auftritt des Trios aus Peterborough/Ontario war der Höhepunkt des Festivals. Mit ihrem harten Rock- und Metalsound begeisterten sie die Festivalbesucher, die ausgelassen mitsangen, tanzten und klatschten. Große Bekanntheit erlangte die Band vor allem mit ihrem letzten Album „Welcome to the maskerade“: Die Scheibe schaffte es nicht nur auf Platz 35 der US-Charts, das Lied „Fire it up“ wurde sogar als offizieller Song des Finales der US-amerikanischen American-Football-Profiliga NFL ausgewählt. Der „Superbowl“ ist eines der größten Sportereignisse weltweit.

Ihr Erfolg ist aber nicht das, was die Band motiviert: „Wir lieben Musik und wir lieben Gott von ganzem Herzen. Er hat uns einige Türen geöffnet, so dass wir inzwischen auf vielen großen Sportveranstaltungen den Leuten mit unseren Liedern die Botschaft der Hoffung bringen konnten“, sagt McNevan. „Starallüren“ konnte man überhaupt kaum auf dem Festival feststellen. Die meisten Musiker suchten nach ihren Auftritten den Kontakt zu den Fans oder reihten sich selbst ins Publikum mit ein.

Eine bunte musikalische Mischung

Auch wenn der Name vielleicht etwas anderes vermuten lässt: Das „Rock Without Limits“ bot auch am Samstag für so manchen Musikgeschmack die passende Band:

Nach ein paar Monaten Bühnenabstinenz meldete sich die vor 12 Jahren gegründete deutsche Metalcore-Band „Arson“ beim „Rock Without Limits“ wieder live auf der Bühne. Doch so mancher Fan erlebte den Auftritt mit einem lachendem und einem weinenden Auge, denn die Gruppe hat bekanntgegeben, dass Sie sich noch in diesem Jahr auflösen wird.

Auf der Hauptbühne setzte Hip Hop-Altmeister John Reuben am Nachmittag einen musikalischen Kontrapunkt. Und auch wenn die Hip Hop-Fans auf dem Festival klar in der Unterzahl waren: durch den lockeren, spaßigen Auftritt des US-Musikers, dem ein Bassisten und ein Drummer die Beats live einspielten, kam unheimlich viel Stimmung auf.

Auf der Unplugged-Bühne im „Loft“ sorgten zwei Neuentdeckungen aus den USA für musikalischen Hörgenuss. Jessa Anderson hat gerade ihr erstes Album „Not Myself Anymore“ veröffentlicht. Sie trat gemeinsam mit ihrem Ehemann Jordan auf und verzauberte mit den malerischen Melodien ihrer Singer/Songwriter-Stücke die Zuhörer.

Anschließend standen die zwei jungen Schwestern Elle (19) und Shealeen (21) Puckett auf der Bühne, die zum ersten mal überhaupt ihr Land verlassen hatten. In ihren poppig-leichten, teilweise folkigen Liedern besang das Duo „Poema“ in bestechend harmonischer Zweistimmigkeit erstes Verliebtsein und andere Teenager-Themen. Ihren ersten beiden EPs, für die sie bereits viel Lob einheimsen konnten, wird 2012 ihr erster Longplayer folgen. Auch daraus spielten die zwei erste Kostproben, die zeigten, dass sie textlich wie musikalisch reifer geworden sind und die Songs mehr in die Tiefe gehen. Was geblieben ist, ist der hohe Ohrwurm-Faktor ihrer Pop-Perlen.

Für den hiesigen Nachwuchs war auch Platz auf dem Festival: Beim Bandwettbewerb am Samstagvormittag setzte sich unter den sieben Angetretenen die junge Gruppe „My Little Rockstar Dream“ durch, die am Abend mit einem Auftritt auf der Hauptbühne zwischen den ganz Großen das Publikum nicht weniger begeisterte.

Mehr als nur tolle Konzerte

Einen gefeierten Auftritt lieferte die Hardrock-Combo „The Letter Black“ ab. Schon im vergangenen Jahr hatte die Band für einen der stimmungsvollsten Gigs des „Rock Without Limits“ gesorgt. Doch nicht nur von der energiegeladenen Show war das Publikum angetan. „Wenn wir anderen nicht vergeben, zerstört das uns und unsere Beziehung zu Gott. Aber zu welchem Preis? Das Leben mit Gott ist so viel wertvoller!“, erklärte Sängerin Sarah Anthony eines ihrer Lieder. Die Zuhörer antworteten mit tosendem Beifall.

Momente wie dieser durchzogen das „Rock Without Limits“ wie ein roter Faden. Gerade persönliche Zeugnisse der Bands und Erklärungen zu den Liedern zeigten immer wieder, dass es um mehr als nur tolle Musik ging. Und das war nicht nur für Christen spürbar: „Mir gefällt das Festival sehr gut. Ein bisschen komisch für mich ist nur, dass die Bands die ganze Zeit über Gott singen – ich bin nämlich nicht gläubig“, erzählt Sarah. Gekommen war die 14-Jährige aus dem nahegelegenen Gomaringen zum „Rock Without Limits“ trotzdem – „weil ich Rockmusik mag“.

Alle wunschlos glücklich, oder?

Am Ende waren nicht nur die Rockfans wunschlos glücklich. Auch etliche Bands verliehen dem Festival ihr persönliches Gütesiegel: „Thank You Germany for the best show of our lives!“ schrieben etwa „The Letter Black“ auf ihrer Facebook-Seite. „The best crowd ever!“ schwärmte die schwedische Hardcore-Band „Safemode“ auf Twitter. Und die Metal-Combo „Becoming the Archetype“ „zwitscherte“: „Rock Without Limits was possibly the best show we've played in a year or more.“

Bei so viel Lob kann man sich als Veranstalter doch selbst ein bisschen auf die Schulter klopfen, oder? „Ein paar mehr Festivalbesucher hätte ich mir schon noch gewünscht“, sagt Johannes Radtke, Organisator des Festivals, bescheiden. Einen ganz persönlichen Wunsch hat er auch noch: „Die Band ‚Mae’ aus den USA möchte ich unbedingt mal auf dem ‚Rock Without Limts’ haben. Ich mag ihren extrem melodiösen Alternative-Rock, der einem sofort ins Ohr geht und dort lange hängen bleibt.“

Lies auch unseren Bericht vom ersten Tag des „Rock Without Limits“

Impressionen der Konzerte findest Du in unserem Flickr-Album zum Festival.

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