Politiker im freien Fall

Sollten Spitzen-Politiker nicht Vorbilder sein? Doch trotzdem hat CDU-Politiker Christian von Boetticher vor gut einem Jahr eine Beziehung mit einer 16-Jährigen geführt. Man fragt sich, ob für Politiker keine moralischen Werte mehr gelten und sie machen dürfen, was sie wollen. Denn anders ist es nicht zu erklären, dass ein 40 Jahre alter promovierter Anwalt mit einer blutjungen Gymnasiastin ein Hotelzimmer gemietet, und dann mit ihr geschlafen hat.
  • Christian von Boetticher nach seinem Rücktritt. Foto: dpa

 

Von Boetticher legte vor wenigen Tagen sein Amt als Parteivorsitzender der CDU Schleswig-Holstein nieder, weil er vor gut einem Jahr eine Beziehung mit einer damals 16-Jährigen geführt hatte. Während die Schülerin von der großen Liebe spricht, sieht die CDU-Spitze eine Beziehung eines Politikers mit einer Minderjährigen als unmoralisch an - und bewegte von Boetticher neun Monate vor der Landtagswahl zum Rücktritt. Doch wie trat der Politiker mit einer jungen Schülerin in Kontakt?

Das Mädchen mit den schönen Augen

Die Gymnasiastin war in der Jungen Union in Nordrhein-Westfalen aktiv. Dadurch war sie mit einigen CDU- und FDP-Politikern im sozialen Netzwerk Facebook befreundet. So entdeckt sie auch Christian von Boetticher. Der hatte wohl die Onlinecommunity mit einer Flirt-Plattform für Singles verwechselt. Ihm gefielen von Anfang an ihre schönen blauen Augen. „Es war einfach die große Liebe. Schon auf den ersten Blick war die Spannung da“, sagte die Gymnasiastin dem Kölner EXPRESS. Doch als von Boetticher zum Spitzenkandidat gekürt wird, merkt er, dass die Beziehung seine Kandidatur und Wahl gefährden könnte. Deswegen schlägt er seiner Freundin vor, eine Beziehungspause einzulegen. Die will daraufhin keinen Kontakt mehr zu ihm. Doch gut ein Jahr später, dringt die Geschichte an die Öffentlichkeit - komischerweise neun Monate vor der Landtagswahl. Deswegen glaubt die Ex-Freundin nun, dass die Beziehung des ungleichen Paares aufgrund einer Kampagne in die Medien kam. Man wollteden CDU-Mann wohl in ein schlechtes Licht zu rücken.  

Die „Altersklasse“ macht den Unterschied

Heutzutage ist es schließlich fast normal, dass Politiker Freundinnen/Frauen mit großem Altersunterschied haben. So zum Beispiel  Bundespräsident Christian Wulff, dessen Ehefrau 15 Jahre jünger ist als er. Die Frau von SPD-Politiker Franz Müntefering (71) weist mit 40 Jahren einen sogar noch deutlicheren Altersunterschied auf. Jedoch sind dies erwachsene Frauen. Altkanzler Helmut Kohl (81) ist jetzt mit einer 34 Jahre jüngeren Frau verheiratet. Christian von Boettichers Freundin dagegen war minderjährig. Und da liegt, meiner Meinung nach, das Problem. Es ist nicht der Altersunterschied, sondern die „Altersklasse“, die die ganze Sache unmoralisch macht. Schließlich würde kein 20-jähriger Mann auf die Idee kommen, eine 6 Jahre alte Freundin zu haben.

Politiker schaltet sein Gehirn aus

Ich finde das Verhalten von Herrn von Boetticher ziemlich unreif. Er hätte weniger auf seine Gefühle und mehr auf seinen Verstand hören sollen. Vielleicht sind die Eltern der Gymnasiastin mit der Beziehung einverstanden, doch die meisten Erziehungsberechtigten hätten ein gewaltiges Problem mit einer solch ungleichen Partnerschaft. Es muss ein Albtraum für Eltern sein: Die Tochter ist Tage lang bei einem fremden älteren Mann. Man weiß nicht, was die beiden machen, geht aber vom Schlimmsten aus. Egal ob die Tochter diesen Mann liebt oder nicht - sie ist schließlich die Tochter mit „nur“ 16 Jahren, für die man immer noch die Verantwortung trägt und die man liebt.

Unrealistische Träume

Es ist mir auch unbegreiflich, wie die damals 16-Jährige sich die Beziehung in ihrem Alltag vorgestellt hat. Streber werden in der Schule ausgegrenzt und oft gemobbt. Was passiert dann erst, wenn eine Mitschülerin mit einem 40 Jahre alten Mann zusammen ist und herauskommt, dass die beiden miteinander schlafen? Ich glaube, das wäre nicht gerade einfach für die Schülerin geworden. Denn hätte sich wohl viele dumme Sprüche und Beschimpfungen gefallen lassen müssen. Auch in Herrn von Boettichers Situation ist das führen einer solchen Beziehung undenkbar. Er kann doch keine Jugendliche mit zu seinen öffentlichen Auftritten nehmen und als seine Freundin vorstellen!

Alles in allem finde ich die Beziehung moralisch nur sehr schwer vertretbar. Herr von Boetticher hätte sich mehr Gedanken darüber machen sollen, ob er die Liebe zu einer 16-Jährigen zulässt.

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1 Kommentar wurden bereits abgegeben

  • 1.  
    schrieb am 21.08.2011 22:44

    Der Grundkommentar zum Bild trifft schon vieles im Kern. Grundsätzlich ist die Moral wohl auf bei beiden Seiten nicht mehr so fest und standhaft wie man es von einem vermeintlich christlichen Politiker der bei den Mitgliedern der jungen Union auch noch als Vorbild angesehen werden kann, erwartet wird. Herr von Boetticher hat wenigstens schneller die Wahrheit eingestanden als ein früherer CDU Bundesminister. Ich möchte alle Kritiker an die Bibelverse mit der sündigen Frau hinweisen: Wer schuldlos ist, werfe den ersten Stein! Leider wurde diese Moralschwelle auch durch das „Breittreten“ überschritten, anstatt unter vier Augen zu ermahnen!

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