Passion wird zur Berufung

Griechisch, Hebräisch, Bibelkunde und die Theologie des Alten und Neuen Testaments stehen auf ihrem Stundenplan. Ihre Lieblingsfächer sind Ethik und Dogmatik. Sabine Zöllner studiert Theologie an der evangelischen Hochschule und Lebensgemeinschaft Tabor in Marburg. Anfangs hatte sie Zweifel, ob sie Pastorin werden solle. Jetzt ist sie mit Leib und Seele auf dem Weg dahin.
  • Sabine Zöllner will mit dem Glauben Menschen erreichen. Foto: Pixelio/Hajo Rebers

Zweifel am Berufswunsch

„Ich wollte Gott kennen lernen, wie er wirklich ist“, sagt die 24-Jährige. „Mit 13 Jahren war ich das erste Mal auf einer christlichen Großveranstaltung für Jugendliche in Marburg“, erzählt sie. „Dort sagte der Prediger: Wäre es nicht cool, wenn einige von euch in den hauptamtlichen Dienst gehen würden?“ Sabine fühlte sich sofort angesprochen, doch sie hat Zweifel. „Ich dachte, dass ich als Frau, keine Theologin werden dürfe, da in der Bibel steht, dass Frauen in der Gemeinde schweigen sollen.“

Es ist ihr anzumerken, dass sie ihren Glauben ernst nimmt und sich lange mit dem Thema auseinandergesetzt hat. Für Sabine ein Konflikt: “Ich wollte das Wichtigste in meinem Leben mit meinem Beruf verbinden.“ Aber der Zweifel nagte nach wie vor an ihr. Durch konkrete Bibelstellen habe Gott ihr schließlich gezeigt, dass ihre Berufung Pastorin sei. „Ich schlug die Bibel auf und las: Gehe hin und predige was ich dir sagen werde. Da wusste ich, Gott möchte dass ich Theologie studiere.“ Ein Leuchten liegt in ihren Augen.

Lernen in der Lebensgemeinschaft

So bewarb sie sich 2006 just an dem Ort, an dem sie Gottes Ruf als Teenager gehört hatte: in der Studien -und Lebensgemeinschaft Tabor in Marburg, Hier lernte sie nicht nur die Grundlagern der Theologie, sondern auch das Zusammenleben mit anderen Studenten kennen. „In Tabor habe ich gelernt, Menschen in ihrer Andersartigkeit zu akzeptieren und Konflikte offen anzusprechen, statt ihnen aus dem Weg zu gehen.“ Kompetenzen, die ihr in ihrem Beruf als Pastorin von großem Nutzen sein werden.

Nebenbei verlobt

Ganz nebenbei hat Sabine auf Tabor ihren Mann Tobias kennen gelernt, der im Jahrgang unter ihr studiert. Bereits ein paar Monate nachdem sie sich kennen lernen, verloben sich die beiden. „Auch die Beziehungen wachsen in Tabor schneller, da man sich jeden Tag sieht und so schnell auch das Alltagsverhalten der Kommilitonen mitbekommt“, sagt sie schelmisch. Gerade für Frauen stehen die Chancen, hier ihren Partner fürs Leben kennen zu lernen, gut. Etwa 70 Prozent der Studierenden sind Männer.

Schnell in die Praxis hineingefunden

Nach zwei Jahren am Theologischen Seminar geht es für Sabine raus in die Praxis. Ihr Einsatzort ist die Kurstadt Bad Homburg im Taunus. „Am Anfang dachte ich, dass schaffe ich nie“, gesteht sie. Doch sie findet sich schnell in das Gemeindeleben ein. „Gerade von den Jugendlichen wurde ich sehr herzlich und ohne große Vorerwartungen empfangen.“

Sabines Aufgaben in der Bad Homburger Gemeinde sind vielfältig. Von Jugendarbeit, Betreuung einer FSJlerin über Teenkreis und predigen ist alles dabei. Ihre große Stärke sind Einzelgespräche mit dem Jugendlichen. „Da geht es einfach mehr in die Tiefe“, sagt die junge Frau mit den wasserblauen Augen. Auch beim Predigen ist sie ganz in ihrem Element.

Gott vertrauen für die Zukunft

Danach geht es zurück nach Marburg. Es folgt das letzte Studienjahr. Hier wünscht sie sich, von der gesammelten Praxis profitieren zu können. Lernen ist ihre Passion. „Nach Abschluss des Studiums, hoffe ich in dem Beruf arbeiten zu können“, sagt sie bescheiden. Gerne würde sie lehren, predigen oder auch an einem internationalen Projekt mitarbeiten. Wichtig ist es ihr auch, sich immer weiterzubilden.

Dennoch ist ihr klar geworden, dass sie nicht auf alles eine Antwort wissen muss. „Während meines Studiums habe ich gelernt, dass ich Gott trotzdem oder gerade deswegen, weil ich nicht auf alles eine Antwort weiß, vertrauen kann. Vorher habe ich Gott sozusagen in eine Box gepackt, heute weiß ich, ich darf ihm Großes zutrauen.“

Informationen zur Studien- und Lebensgemeinschaft Tabor gibt’s hier.

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