Onlinesucht: Das Streben nach Anerkennung
2,4 Prozent der Jugendlichen und jungen Erwachsenen sind onlinesüchtig, mehr als 13 Prozent haben ein „problematisches Nutzungsverhalten“, wie eine aktuelle Studie zeigt. Vor allem soziale Netzwerke haben Suchtfaktor. Hier geht es längst nicht mehr nur darum, mit anderen in Kontakt zu bleiben und interessante Neuigkeiten auszutauschen.
Anna strahlt über das ganze Gesicht. Acht neue Kommentare haben ihre Freunde zur ihrem letzten Statusupdate geschrieben. Sogar zwölf Leute haben sogar „Gefällt-mir" angeklickt. In Momenten wie diesen ist Anna stolz und glücklich. Sie fühlt sich in ihrem virtuellen Freundeskreis aufgehoben, respektiert und anerkannt.
Doch genau diese Reize und Gefühlsregungen in sozialen Netzwerke halten Forscher nach neuesten Untersuchungen für gefährlich. Gerade Jugendliche und junge Erwachsene sind besonders empfänglich für die Bestätigungen, die man in Online-Communitys findet. Schnell kann durch das Streben nach Annerkennung eine Abhängigkeit entstehen.
Schöne neue Scheinwelt
Laut der aktuellen Studie „Prävalenz der Internetabhängigkeit“ der Universitäten Lübeck und Greifswald im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums sind heute bereits 2,4 Prozent der 14- bis 24-Jährigen onlinesüchtig. Über 13 Prozent weisen ein „problematisches Nutzungsverhalten“ auf. Sie haben keine Kontrolle mehr über die Zeit, die sie im Internet verbringen.
Schlechten Gefühlszuständen entkommen
In extremen Fällen gehen Betroffene nicht mehr zur Schule oder auf die Arbeit und vernachlässigen ihre Freunde und Hobbys im realen Leben völlig. Internetsüchtige leben fast ausschließlich in einer virtuellen Welt. Oft nutzen sie das Internet, um schlechten Gefühlszuständen zu entkommen. Im Internet entsteht so eine schöne neue Scheinwelt. Die Frage nach dem Umgang mit realen Problemen und möglichem Scheitern stellt sich im Internet kaum.
Therapeuten und Seelsorger schlagen Alarm
Das Problem der Internetsucht muss ernst genommen werden, denn die Folgen ähneln denen einer Alkohol- oder Drogenabhängigkeit. Die Symptome reichten vom Kontrollverlust über die im Internet verbrachte Zeit bis hin zur kompletten Verwahrlosung. Sogar Entzugserscheinung wie Missstimmung, Angst, Reizbarkeit oder Langeweile können auftreten. Sucht- und Therapiestellen melden stetig steigende Zahlen Hilfesuchender. Häufig drängen Eltern ihre Kinder, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Fließender Übergang
Insgesamt sind laut der Studie 560.000 Menschen in Deutschland von der Onlinesucht betroffen. Gefählich ist vor allem, dass der Übergang in die Sucht schleichend kommt. Häufig merken Betroffene nicht, wie ihr steigender Internetkonsum ihr übriges Leben beeinflusst. Die Schwelle gilt als überschritten, wenn Menschen aufgrund der Zeit im Netz wichtige Dinge vernachlässigen.
Mehr als vier Stunden sind zu viel
Als Richtwert für einen zu hohen Internetkonsum bei Erwachsenen nennen Forscher eine tägliche Nutzungsdauer von über vier Stunden. Wer den Beginn und das Ende seiner Sitzungen im Netz nicht mehr selbstbestimmt durchführt, sollte eine Beratungsstelle aufsuchen. Das heißt aber auch, dass nicht jeder Bildschirmarbeiter, der aufgrund des Jobs oder Recherchen für die Schule oder Uni stundenlang im Netz surft, gleich abhängig wird. Erst, wenn der PC auch noch nachts läuft, der User morgens unausgeschlafen und unkonzentriert ist, sind Sorgen angebracht. Auch wer das Netz häufig der Familie oder Freunden vorzieht, zeigt damit Anzeichen einer Sucht.
Freunde können helfen
Das beste Mittel, um der Internetsucht vorzubeugen, sind Aktivitäten im realen Leben. In Gruppen mit Gleichaltrigen lernt man sich selbst einzuordnen, Verantwortung zu übernehmen und auch mit dem Scheitern umzugehen. Freunde sollten Betroffenen helfen, indem sie mit ihnen Zeit verbringen und ihnen das Gefühl von Annerkennung und Zugehörigkeit bieten, das sonst im Netz gesucht wird.
Hier findest Du Hilfe
Weißes Kreuz
„return“ – Beratungseinrichtung für extremen Medienkonsum


